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Die Tafeln im Kreis Saarlouis helfen Bedürftigen vor Ort

„Gegen Lebensmittelverschwendung, vor allem für die Menschen“: : Keine Hilfe mehr – Caritas schließt vorerst Tafeln wegen Corona

Die Tafeln im Landkreis Saarlouis bieten Menschen Unterstützung, denen das Geld knapp wird. Nicht nur das Virus macht den Tafeln zu schaffen.

Zur Sicherheit schließt die Caritas ihre Tafeln in Dillingen, Lebach, Losheim, Saarlouis und Wadern wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Das teilte der Caritasverband Saar-Hochwald am Montag mit. Rund 90 Prozent der 250 Ehrenamtlichen gehören zur Gruppe der Älteren. „Auch ein Großteil der Kundinnen und Kunden gehört zur Risikogruppe“, schreibt der Verband. Daher habe man sich entschlossen, die Einrichtungen bis zum 26. April zu schließen. Ein weiterer Grund seien die zurückgegangenen Lebensmittelspenden in den letzten Wochen. Jetzt könnten den Ärmsten schwere Wochen bevorstehen.

„Schling nicht so, es ist genug für alle da.“ Was an vielen heimischen Familientischen gilt, gilt eigentlich auch am großen Tisch der Welt. Eigentlich. Wäre da nicht das Problem der Verteilung. Während die Entwicklungsländer am Hungertuch nagen, stopft sich der Bürger von Welt den Bauch voll. Doch Pauschalierungen treffen nie ins Volle. Und so ist der Glaube an eine zweigeteilte Welt, nämlich an die des Zuviel und an die des Zuwenig falsch.

Auch in der Welt des Zuviel gibt es das Zuwenig. Doch man muss hinschauen, da das Zuwenig oft nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. „Die Tafel macht Armut sichtbar“, sagt Gerd Thewes. Der 50-Jährige engagiert sich seit Gründung der Tafel in Dillingen im Jahr 2007 für die Essensausgabe an Bedürftige.

„Es besteht nicht der Anspruch Armut zu verhindern. Die Tafeln sind ein freiwilliges, ehrenamtliches Zusatzangebot für die Menschen“, erklärt Thewes. Ein Angebot, das in Dillingen etwa 200 Haushalte wahrnehmen. Etwa 600 bis 800 Personen werden so wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt. Je nachdem welche Menge an Lebensmitteln vorhanden ist, wird verteilt. Zum Preis von einem symbolischen Euro erhalten Menschen bei der Tafel einen Korb mit Lebensmitteln. „Das heißt nicht, dass jeder etwa jede Sorte Gemüse erhält. Aber jeder, der möchte, bekommt von dem, was da ist“, sagt Heidi Zech, die Leiterin der Tafel in Dillingen. Doch das, was tatsächlich bei den Tafeln „da“ ist, schwankt.

Saisonbedingt ist das Angebot an Gemüse und Obst im Winter eher karg, zur Saison im Sommer dafür reichhaltig. Abhängig sind die Tafeln vor allem von den Einzelhändlern und deren Bereitschaft zu geben. Heidi Zech empfindet die Hilfsbereitschaft der Supermarktketten als nach wie vor groß, ist dankbar dafür und möchte nicht darüber klagen. Brot, Gemüse und Konserven habe die Tafel in Dillingen genügend. Kühlwaren aber, würden weniger. Auch die Gesamtmenge der Dillinger Tafel zur Verfügung stehender Lebensmittel sei auf einem rückläufigen Trend. Unter anderem wegen Rabattaktionen in den Supermärkten.

„Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erklärt Gerd Thewes. „Durch den günstigeren Verkauf von Lebensmitteln, die nah am Haltbarkeitsdatum sind, können sich unsere Kunden zwar direkt beim Einzelhändler günstig versorgen, den Tafeln können dadurch aber auch Lebensmittelspenden verloren gehen.“ Ein Gewinn seien die Tafeln für die Menschen, die Mitarbeiter der Tafeln sprechen auch von Kunden, immer. „Die Kunden sind sehr dankbar für die Unterstützung“, sagt Astrid Winter. Sie leitet seit elf Jahren die Tafel in Lebach. „Wir verteilen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Wertschätzung“, sagt Winter. Mit 70 Ehrenamtlichen kümmert sich Winter um etwa 100 bis 120 Haushalte, mit insgesamt rund 350 bis 400 Personen. Für die bestehende Unterstützung in der Region ist die Tafelleiterin dankbar. Die kommt etwa von Rewe, Aldi, Lidl, Kaufland und Netto. „Und umliegenden Bäckereien. Alle unterstützen die Tafel schon seit Jahren“, freut sich Winter. Auch private Lebensmittelspenden gehen bei den Tafeln ein.

Damit die Hilfe bei den Menschen ankommt, arbeiten Rentner und Berufstätige Hand an Hand als Ehrenamtliche für die Tafeln. „Das ist ein Stück gelebte Solidargesellschaft. Viele möchten denen, die weniger Glück im Leben hatten, etwas geben“, schätzt Gerd Thewes die Arbeit der Mitarbeiter. Sie sind bei den Tafeln in Teams organisiert. Die Tafel in Lebach etwa hat ein Team, das sich um das Abholen der Lebensmittel an den Läden kümmert, ein anderes Team sortiert die Waren. Weitere Mitarbeiter verteilen dann die Lebensmittel in der Tafel an die Kunden. „Für mich sind die Tafeln damit mehr als das bloße Entgegennehmen von Lebensmitteln. Tafeln sind Orte der Begegnung. Dort können Menschen der Isolation, die Armut oft mit sich bringt, für gemeinsame Momente entfliehen“, sagt Gerd Thewes.

Auch an der Tafel in Saarlouis schätzen die Kunden die Hilfe und danken für die Unterstützung, die sie erfahren. Rund 190 Haushalte mit etwa 550 Personen unterstützt die Saarlouiser Tafel. Leiter Konrad Klein kümmert sich mit 63 ehrenamtlichen Mitarbeitern um die Kunden. Deren Anzahl ist seit 2018 zwar leicht rückgängig, doch auch in Saarlouis spürt man, dass weniger Lebensmittel verfügbar sind. Insbesondere Kühlware ist knapp geworden.