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Laboratirium Saarlouis legt Buch über Robert Schad vor

Jetzt auch als Buch : Schads Stahlballett auf Tournee in Metz und Saarlouis

Zur viel beachteten Ausstellung von Stahlskulpturen von Robert Schad in Saarlouis und Metz gibt es jetzt einen aufschlussreichen Dokumentations-Band.

Es war ungewöhnlich. Robert Schad stellte von Juni 2018 bis März 2019 riesige abstrakte Stahlstrukturen auf: 18 in Saarlouis, 21 in Metz, Titel „Deux Villes - zwei Städte“. Schad, Künstler von Weltruf, arbeitet vollständig gegenstandslos, und doch reagierten sehr viele Menschen, meistens zufällig vor einer der Skulpturen, auffällig positiv. Und, ebenso ungewöhnlich, es gab keine Schäden durch Vandalismus, wie Prof. Jo Enzweiler in dem prächtigen Band schreibt, der jetzt über das Projekt erschienen ist. Enzweiler, Leiter des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis, hat das Buch herausgegeben. Das Institut stand hinter der Ausstellung.

Das Buch ist - auch - eine wunderbare Hilfe für diejenigen, die Schads Stahl-Werke gesehen haben, damit aber noch nicht fertig geworden sind. Die vielen Fotos bringen das Gesehene zurück, nun aber lässt sich davor in aller Ruhe verweilen. Was sehen wir eigentlich?

Tonnenschwerer Stahl hat seine Schwere hinter sich gelassen. Zu sehen ist das Gegenteil, reine Bewegung. Aus dem Stahl befreite Energie. Macht sich da der Stahl aus dem Staub? Sehen wir, wie sich der Stahl, Symbol der Schwerindustrie an der Saar, sich verwandelt in eine Choreografie, in etwas ganz anderes? Strukturwandel, auf den Punkt gebracht?

Diese Assoziation funktioniert nur hier, in Metz schon nicht mehr. Die Bedeutung liegt im Auge des Betrachters, der die Skulpturen mit dem sorgsam ausgesuchten Standort verbindet. Schad, schreibt Yvain Bornibus, Kurator der Aufstellung in Metz, lässt aus Stahl so etwas entstehen wie Tänzerinnen und Tänzer, die als Ballett auf Tournee gehen. Das Ballett - also die Skulpturen - erzähle jedes Mal eine andere Geschichte, immer im Zwiegespräch mit dem Ort. Der Kulturpublizist Herbert Köhler fasst das im Titel seines Beitrages für das Buch zusammen: „Das linear-räumliche Gliedsystem schwerer Stahlplastik bei Robert Schad und seine choreografisch-musikalische Leichtigkeit.“

Schad-Skulptur im Wallgraben in Saarlouis Foto: Claudia Maas/Institut/Claudia Maas/INstitut

Sicher also geben die Skulpturen nicht ausdrücklich den Struktúrwandel der Industrie wieder, vielleicht aber den großen Strukturwandel unserer Zeit an allen Orten. Nichts nur Leichtes, immer auch sehr Schweres. „Stahl ist ein Material, das die menschliche Kraft und Phantasie herausfordert, das Widerstand entgegen setzt. Diesen Widerstand zu überwinden ist eigentlich mein Ziel“, sagt Schad in dem für das Buch geführte Interview mit dem Kunstprofessor Martin Oswald.

Oranna Dimmig zeigt in ihrem Beitrag, wie extrem flexibel Schad mit ein und derselben Skulptur an mehreren Standorten umgehen konnte.

Schad steht buchstäblich hinter diesen Projekten: In der neueren Geschichte der Kunst sei der Umfang der eigenen Initiative und auch der Einsatz eigener Mittel für ein derart großes Projekt einmalig, schreibt Enzweiler.

Skulptur von Robert Schad an der Porte des Allemands in Metz. Foto: Institut für aktuelle Kunst, Saarlouis

„Zwei Städte - Metz und Saarlouis im Dialog. Skulpturen von Robert Schad“, Herausgeber Jo Enzweiler, Instutut für aktuelle Kunst Saarlouis, 192 Seiten, durchgehend zweisprachig, 40 Euro