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Katastrophenschutzübung im Landkreis Saarlouis

Katastrophenschutzübung : Um 13.07 Uhr war die „Bombe“ entschärft

Bei der großen Katastrophenschutzübung im Landkreis Saarlouis waren am Samstag um die 600 Männer und Frauen im Einsatz.

„Die Bombe ist entschärft“, gab Dr. Daniel Hußung am Samstag, 13.07 Uhr, im Landratsamt in Saarlouis durch. Damit endete eine der größten Katastrophenschutzübungen im Saarland und die größte seit 2006 im Kreis Saarlouis. Von acht bis etwa 14 Uhr waren rund 600 Personen im Einsatz. Der Großteil davon ehrenamtlich. Im Ernstfall hätten sie um die 11 000 Einwohner evakuieren und versorgen müssen, dazu Patienten aus Krankenhäusern und Heimbewohner.

Zudem wurden fiktiv 47 Straßen gesperrt. Davon bekam die Öffentlichkeit meist nur das vermehrte Aufkommen von Fahrzeugen der Feuerwehren, Polizei und Hilfsdienste mit sowie Lautsprecherdurchsagen.

Die Gefahr bei dieser Übung war der Fund einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine Luftmine HOC 4000, die real 1400 Kilogramm Sprengstoff enthielt. Deren Explosionsdruck fegte bei Bombenangriffen Dächer weg, Scheiben und Wände. Menschen starben durch Druckwirkung auf die Lunge. Deshalb wurde für die Übung die Evakuierung der Bevölkerung beschlossen. In einem Radius von zwei Kilometern um den Fundort, eine Tankstelle an der Ortsgrenze Wallerfangen-Saarlouis. Außerdem erfolgte die Sperrung des Luftraums sowie des Flugplatzes Düren für Sichtflug. Im Evakuierungsgebiet lagen Teile des westlichen Dillingen sowie Saarlouis. Dadurch wurde die Situation zum Katastrophenfall unter Leitung des Verwaltungsstabes im Landratsamt Saarlouis sowie des operativ-taktischen Stabes in der Feuerwehr Innenstadt.

Um die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten, begann ab 7.30 Uhr die Pressestelle ihre Arbeit im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Im Ernstfall informiert sie mithilfe von Internet und weiteren Medien. Im zweiten Obergeschoss des alten Landratsamtes belegte der Verwaltungsstab etwa zwei Drittel der Räume.

Eingebunden waren auch Polizei, Bundeswehr und die Ortspolizei der drei betroffenen Kommunen. Der Zugang erfolgte nur nach Registrierung. Vom Fernmelderaum kamen Meldezettel durch eine Durchreiche in den Stabssaal. Dort waren Karten und Auflistungen auf Leinwand sowie Wandtafeln. Als Leiter informierte Hußung etwa jede Stunde per Mikrofondurchsage über den aktuellen Stand.

Gegen zehn Uhr startete unter der Konrad-Adenauer-Brücke in Dillingen die Suche nach drei vermissten Personen. Im Einsatz waren die DLRG mit zwei und das THW mit drei Booten. Dazu Taucher und die Rettungshundestaffel mit vier Hunden. In Wallerfangen bekämpften die Löschbezirke Bilsdorf und Körprich einen Brand im Jugenddorf Blauloch; denn ihre Fahrzeuge gehören zum Katastrophenschutz. Der Wallerfanger Stab war vom Feuerwehrgerätehaus am Sportplatz in das der Kerlinger Feuerwehr verlegt. „Weil Wallerfangen im Evakuierungsbereich liegt“, erklärte Stabsleiter Roland Kircher hinter einem Tisch mit Meldezetteln.

Bis zu 60 Evakuierte sollten Platz in der Hans-Welsch-Halle Lisdorf finden. Wo sonst die Bühne steht, wurde auch ein Notkrankenhaus für Patienten der DRK-Klinik eingerichtet. Rettungswagen transportierten die Kranken, das THW schaffte die Krankenhausbetten heran. Noch im Bus verteilten Helfer Armbändchen, erklärte Christine Sehn, Fachberaterin Registrierung. „Damit die nicht bei Regen oder Kälte im Freien stehen müssen.“ Genaue Angaben erfassten dann vier Registrierungsstellen in der Halle.

Im Hof der Feuerwehr Innenstadt hielt der Einsatzleitwagen des Landkreises Kontakt zu klar zugewiesenen Einsatzgruppen und dem Verwaltungsstab. Im Gebäude nebenan befand sich der operativ-taktische Stab. Hier galt es unter anderen die Einsatzgruppen zu koordinieren, erklärte Leiter Thorsten Müller. 423 Leute waren gegen Mittag unterwegs. 2000 Flaschen Trinkwasser standen für sie bereit, die Hälfte davon war bereits verteilt. „Das sind alles Ehrenamtliche“, sagte Müller. „Die machen das nicht jeden Tag, deshalb muss das geübt werden.“

Um 13.02 Uhr erteilte Hußung die Freigabe zur Entschärfung. Die war fünf Minuten später abgeschlossen, nun begann die Rückführung der Evakuierten und der Abschluss der Katastrophenschutzübung.

Gegen 15 Uhr sah es am Dillinger Lokschuppen aus wie beim Tag der Hilfsdienste. Überall standen die markanten Fahrzeuge, waren Helfer in die Halle unterwegs. Davor standen vier Zelte mit Feldküchen von DRK sowie Maltesern. Dort bereiteten rund 30 Köche und Helfer an die 650 Portionen Spätzle mit verschiedenen Saucen zu.

„Wir werden versuchen“, sagte Landrat Patrik Lauer im Lokschuppen vor dem Großteil der Übungsteilnehmer, „euch 2021 eine noch anspruchsvoller Übung zu präsentieren.“ Warum, das machte KBI Bernd Paul deutlich. „Das sind alles hervorragende einzelne Trupps. Aber jetzt ging es um das Zusammenspiel. Damit haben wir grundlegende Abläufe für unterschiedliche Katastrophenfälle.“

Der Verwaltungsstab beriet sich im zweiten Obergeschoss des alten Landratsamtes Saarlouis. Foto: Johannes A. Bodwing
Der operativ-taktische Stab kam in der Feuerwache Innenstadt Saarlouis zusammen. Foto: Johannes A. Bodwing
Auch ein Suchhund der Rettungshundestaffel ging an Bord eines DLRG-Bootes auf die Saar. Foto: Johannes A. Bodwing
Wo sonst die Bühne der Hans-Welsch-Halle in Lisdorf steht, war für die Übung ein Notkrankenhaus eingerichtet. Foto: Johannes A. Bodwing

Die Übung am Samstag war etwa ein Jahr lang vorbereitet worden. Für Ende September ist noch eine umfassende Nachbesprechung vorgesehen.