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Fraulautern
Fraulautern soll seine Mitte finden

In der Heydingerstraße nahe der Fraulauterner Kirche reihen sich sanierte Häuser aneinander. Jetzt müsste, sagen die ISEK-Planer, nur noch der Schleichverkehr aus der schmucken Straße verbannt werden.
In der Heydingerstraße nahe der Fraulauterner Kirche reihen sich sanierte Häuser aneinander. Jetzt müsste, sagen die ISEK-Planer, nur noch der Schleichverkehr aus der schmucken Straße verbannt werden. FOTO: Joshua Schwinn
Saarlouis. Nächster Schritt im Langzeit-Programm „Soziale Stadt“ auch für Fraulautern; Der Stadtplanungsausschuss stimmte jetzt einem Konzept grundsätzlich zu.

Eine Chance, die ungeliebte „Fraulauterner Brücke“ abzureißen und durch eine ganz andere Lösung zu ersetzen? Das ist wohl der dickste Brocken auf der Liste von Maßnahmen für Fraulautern, die im Rahmen des Langzeit-Förderprogramms „Soziale Stadt“ diskutiert werden.


Der Stadtplanungsausschuss des Saarlouiser Rates hat jetzt neben Roden (wir berichteten) auch für Fraulautern Eckpunkte des Programms „Soziale Stadt“ gebilligt. Das ist ein großes Bundesprogramm. Das Konzept: Ein Stadtteil mit „besonderem Entwicklungsbedarf“ wird mit vielen Einzelmaßnahmen über 15 Jahre mit Bundesgeld aufgewertet. Dabei wirken Bürger vor Ort mit.

Der zweitgrößte Stadtteil von Saarlouis, Fraulautern, ist wie Roden, der größte, im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört worden. Die Häuser in den beiden Arbeiter-Orten wurden auf das alte, enge Gassengeflecht sehr schnell und in Eigenregie neu aufgesetzt.



Dieser Kern von Fraulautern soll aufgewertet werden. Wie, das schlägt das „Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) für Fraulautern vor. Erarbeitet hat es das Planungsbüro FIRU aus Kaiserslautern.

Die Planer haben mit Bürgern ein im Vergleich zu Roden (wir berichteten) noch umfangreicheres Paket zusammengestellt. Beispiele: Ein großes Parkkonzept wird darin vorgeschlagen, die Freilegung des Fraulauterner Baches im Bereich eines künftigen Stadtteilzentrums (am alten Pfarrhaus), ein Vergnügungsstättenkonzept, ein Mehrgenerationenhaus, die Umgestaltung der Verkehrsführung etwa in der Heydinger Straße; aber auch die Bündelung sozialen Engagements der Unternehmen vor Ort, die Organisation nachbarschaftlicher Hilfen oder Beratung bei der Wohnraumsanierung.

Das ISEK Fraulautern ist wie das für Roden eine Fundgrube an Daten. Auf die rund 6900 Einwohner kommen 1000 Arbeitsplätze, ist dort zu lesen. Roden und Fraulautern unterscheiden sich von allen anderen Stadtteilen in vielen sozialen Kennziffern. Wie zwei Welten: So hat Picard sechs Prozent Ausländeranteil, Roden 19 Prozent, Fraulautern 14 Prozent. In Picard bekommen fünf Prozent, in Roden 29 und in Fraulautern 21 Prozent der Kinder bis 15 Jahren Sozialhilfe. Die Wahlbeteiligung 2014 (Stadtrat) betrug in Picard 60 Prozent, in Roden 44 und in Fraulautern 42 Prozent.

Problematisch ist laut ISEK der Wandel in der Lebacher und der Saarbrücker Straße seit den 90er Jahren. Angestammte Geschäfte und Gaststätten wichen immer mehr Betrieben mit Billigangeboten. Eine „deutliche Negativentwicklung“, wie FIRU schreibt.

Der Zustand der Gebäude in Fraulautern, berichtet das Büro FIRU, ist sehr unterschiedlich. Es gibt sanierte Ecken und das Gegenteil, aber keine zusammenhängenden Problemgebiete. Doch entspreche der Wohnraum im Projektgebiet nur teilweise heutigen Anforderungen. Die oft zweigeschossigen Häuser seien zu groß für einen Bewohner, aber zwei Wohnungen ließen sich meist kaum realisieren.

Jetzt geht das ISEK in die nächsten Runden: Es wird öffentlich vorgestellt, mit Bürgern erneut diskutiert, dann vom Stadtrat beschlossen. Ein Quartiersmanager wird gesucht (ein Kümmerer vor Ort, das gehört zum Konzept), ein Quartiersbüro. Die Bürgerbeteiligung besteht vor allem in einer Quartierskonferenz. In Roden hat sich dazu eine Gruppe mit 15 Mitgliedern gebildet. In Fraulautern sind die Bürgerinnen und Bürger dazu für Sonntag, 18. März, 10.30 Uhr, ins Vereinshaus eingeladen.

(we)