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| 21:08 Uhr

Vor Jahr und Tag
Die alten Menschen umfassend behandeln

Eine gut vorbereitete Visite für die Patienten der Alterstraumatologie am St. Elisabeth Klinikum in Saarlouis: Dr. Annika Heger, Murad Daas, Dr. Johannes Ratermann und Dr. Michael Weber (von links).
Eine gut vorbereitete Visite für die Patienten der Alterstraumatologie am St. Elisabeth Klinikum in Saarlouis: Dr. Annika Heger, Murad Daas, Dr. Johannes Ratermann und Dr. Michael Weber (von links). FOTO: Carolin Merkel
Saarlouis. Seit gut einem Jahr besteht in Saarlouis eine Station für Alterstraumatologie in der St. Elisabethklinik. Von Carolin Merkel

Vor gut einem Jahr gründete Dr. Michael Weber, Chefarzt der Unfallklinik im St. Elisabeth Krankenhaus in Saarlouis die Alterstraumatologie. Mit dem kaufmännischen und ärztlichen Direktorium abgesprochen, mit einer eigenen EDV und unter Einbeziehung von Pflegepersonal und Physiotherapeuten startete das Projekt im Februar 2016. In der Zeit von Juni 2016 bis Juni 2017, erklärt Weber, wurden 421 Patienten in der neuen Abteilung behandelt. Viele von ihnen, sagt er, sind deutlich über 80 Jahr alt, einige mit Mehrfacherkrankungen wurden auch schon ab einem Alter von 70 Jahren ganzheitlich behandelt.

Den Patienten als Mensch mit all seinen Erkrankungen erfassen, das will die Alterstraumatologie, dabei stehen das Mobilmachen und die Alltagstauglichkeit der alten Menschen neben der Behandlung des Bruches im Mittelpunkt. Rund ein Drittel aller Patienten in der Unfallchirurgie, sagt Weber, sind Patienten für die Alterstraumatologie. Und noch eine Zahl hat er parat: „Täglich gibt es im Saarland allein drei Schenkelhalsbrüche ab 65 Jahren“. Diese Zahlen zeigen: Die Einrichtung dieses neuen Angebots, in Saarlouis in dieser Form einmalig im Saarland, ist mehr als gerechtfertigt.

„In den Köpfen unserer Mitarbeiter ist die neue Vorgehensweise an den Patienten mittlerweile angekommen, doch noch gibt es sehr viel zu tun“, erklärt Weber. Vor allem der Pflegenotstand macht dem Projekt zu schaffen. „Mir fehlen auf der Station fünf Pflegekräfte, dazu haben wir eine halbe Stelle für einen Geriater ausgeschrieben. Doch leider gab es bisher keine Bewerber“, sagt Weber. Dass da die Pflege nicht immer optimal laufen kann, weiß er. Deshalb ist er gerade für die Unterstützung durch Dr. Johannes Ratermann, Chefarzt der Geriatrie an der Fachklinik St. Hedwig in Illingen, so dankbar. „Wir haben damals in der Planung des Projektes einen Partner gesucht und sind in der Klinik in Illingen fündig geworden“, erklärt Weber. Ein Glücksfall – Ratermann kommt sehr gerne zu den wöchentlichen Visiten nach Saarlouis, auch, wenn es einen deutlichen Mehraufwand bedeutet. „Es wäre schlimm, wenn wir Ärzte das Ideelle verlieren würden. Gerade die alten Menschen haben die bestmögliche Behandlung und Pflege verdient“, betont der Geriater.

Die ersten Erfahrungen sind gemacht, auch, das betonen die beiden Mediziner, die ersten Erfolge haben sich eingestellt, und, auch das verschweigen sie nicht, gibt es noch viele Stellschrauben, an denen gedreht werden muss. Regelmäßig machen sich die beiden am Mittwochmorgen nach einer kleinen Vorbesprechung auf in den zweiten Stock. In einem Aufenthaltsraum, den sie gerne für die Patienten, die sonst nicht aus ihrem Zimmer kommen, zu einem Wohlfühlort umrüsten möchten, treffen sie auf Dr. Annika Heger und Facharzt Murad Daas. Die Akten der Patienten werden intensiv durchgesprochen.

Die beiden Ärzte sind längst vertraut miteinander, handeln getreu dem Motto „Vier Augen sehen mehr als zwei“. Sich gegenseitig weiterbilden, auch mal die Meinung des Kollegen anhören, zusammen Wege suchen und finden, um einen Patienten wieder mobil zu machen, all das passiert in vertrauensvollem, kollegialen Miteinander, wie Ratermann betont. Und er freut sich auf den Gegenbesuch seines Kollegen am Freitagmorgen in Illingen. „Das bedeutet Kontinuität, die Patienten müssen oft schon mit einer neuen Einrichtung klarkommen. Da hilft beim Heilungsprozess, dass die Ärzte ihnen vertraut sind“, sagt Ratermann.

Neben mehr Personal wünscht sich der Chef der Unfallklinik in Saarlouis auch, dass die Kostenträger die Wichtigkeit der speziellen Behandlung der alten Menschen anerkennen. „Noch können wir das Ganze mit den bisherigen Ressourcen finanzieren. Doch, schon wenn einer von uns in Urlaub oder krank ist, dann ruht dieses Angebot, dabei wäre es so wichtig, dass die Kostenträger das Engagement würdigen. Schließlich werden wir doch alle einmal älter“, sagt Dr. Michael Weber.

Der Start der Alterstraumatologie in Saarlouis war der SZ natürlich einen großen Artikel wert.
Der Start der Alterstraumatologie in Saarlouis war der SZ natürlich einen großen Artikel wert. FOTO: Repro: SZ