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Den Menschen im Fokus, nicht nur die Fraktur

Den Menschen im Fokus, nicht nur die Fraktur

Nicht warten, bis beim 85-Jährigen mit Oberschenkelhalsbruch Komplikationen auftreten: Im Marienhausklinikum St. Elisabeth in Saarlouis kümmern sich jetzt Ärzte verschiedener Richtungen, Pfleger, Physiotherapeuten und Reha-Fachleute von Anfang an gemeinsam um den alten Menschen. Sie wollen „agieren statt reagieren“.

Das wird jetzt anders gemacht, wenn ein alter Mensch mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus kommt, in die Klinik St. Elisabeth der Marienhaus GmbH in Saarlouis . Vornehmer könnte man auch sagen: Da findet gerade ein kleiner Paradigmenwechsel statt. Bisher ist es an den meisten Krankenhäusern grob so: Kommt ein alter Mensch mit einem solchen Bruch ins Krankenhaus, kümmert sich der Unfallchirurg um diesen Bruch. Bei Bedarf reagiert er und zieht Kollegen anderer Disziplinen hinzu, Internisten etwa, oder Neurologen. Der Bedarf entsteht oft, weil die alten Menschen weitere Krankheiten mitbringen, mit allen Folgen, so etwa einem Cocktail verschiedener Medikamente.

Ärzteteam für den Patienten

Bei dieser herkömmlichen Prozedur steht der Bruch im Vordergrund. "Wir wollen uns künftig statt nur auf die Fraktur auf den ganzen Menschen konzentrieren", sagt der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Michael Kunz. Das heiße konkret: Die Fachärzte einschließlich Geriater, genauso die Bereiche Pflege, Physiotherapie und Sozialdienste schauen sich den Patienten , Fachwort "Alterstraumapatient", an, sobald er kommt, sie agieren und reagieren nicht erst bei Bedarf. Das beginne, erklärt Dr. Michael Weber, Chefarzt der Unfallklinik von St. Elisabeth, bei der Patientenaufnahme. Alle Patienten über 80 Jahren mit derartigen Brüchen würden so begleitet, und bestimmte Patienten zwischen 70 und 80 Jahren.

Die Teams studieren die Patientenakten gemeinsam, und sie machen einmal in der Woche, mittwochs, gemeinsam Visite. Dabei ist auch Dr. Johannes Ratermann, Chefarzt der Geriatrie, an der Fachklinik St. Hedwig in Illingen, der Fachmann für Reha. Auch um die richtige Anschlussmaßnahme nämlich geht es.

Die neu eingerichtete Teamarbeit nennen die Mediziner "Zentrum für Alterstraumatologie". Medizinisch liegt das Ziel dieser Herangehensweise darin, die Mobilität und Alltagsfähigkeit der alten Patienten möglichst so zu erhalten, wie sie vor der Oberschenkelhalsfraktur war. Das gelingt, sagen die Ärzte selbst, viel zu oft nicht. Und es werde ein "riesiges Problem" (Kunz) angesichts wachsender Zahlen alter Menschen mit dieser klassischen Altersverletzung, und das in Kombination mit vielen anderen Krankheiten, etwa Demenz. Wer da sofort den ganzen Menschen mit seiner Multimorbidität in den Blick nehme, könne daran viel verbessern.

Ganzheitliche Sichtweise

Die immer kürzere Verweil dauer im Krankenhaus mache zudem eine rasche, effektive Orientierung der alten Menschen umso wichtiger, unterstreicht Ellen Lösch, stellvertretende Pflegedirektorin an der Klinik. Letztlich spare das viel Geld, der Zusatzaufwand durch die Neuorganisation und die Vernetzung von Ärzte- und Berufsgruppen werde dem Krankenhausträger, der Marienhaus GmbH, aber nicht bezahlt. Aber die ganzheitliche Sichtweise habe ja auch etwas zu tun mit dem Menschenbild des Trägers, der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen, sagt Kunz.