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Cocktail vom Weltmeister

Meistermixer: Barkeeper Levent Yilmaz setzt bei seinen Cocktail-Kreationen vor allem auf frische Zutaten. Foto: Thomas Seeber
Meistermixer: Barkeeper Levent Yilmaz setzt bei seinen Cocktail-Kreationen vor allem auf frische Zutaten. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Levent Yilmaz zählt zu den besten Barkeepern weltweit. Seit vier Monaten arbeitet er im La Maison in Saarlouis. Dort mixt er nicht nur für die Hotelgäste selbstkreierte Drinks. Sarah Konrad

In der Hotelbar des La Maison deutet nichts auf den Arbeitsplatz eines Champions hin. Keine Urkunden, keine Medaillen, keine Pokale. Levent Yilmaz hat sein Reich klassisch eingerichtet: gedämpftes Licht, dunkles edles Holz, silberner Tresen. Ein beleuchtetes Foto von Marlene Dietrich hängt an der Wand. Die Schauspielerin inspiriere ihn, sagt der in Istanbul geborene Bar-Manager. Auf den Regalen hinter ihm stehen etwa 50 Flaschen mit Hochprozentigem. Seine Werkzeuge hat er ordentlich positioniert. Alles hat seinen Platz, die Strohhalme, die Messbecher, die Shaker, die verschiedenen Obstsorten. "Die Zutaten für meine Drinks müssen immer frisch sein", erklärt der Mann, der stets charmant lächelt. Der lieber durch sein Können überzeugt, als mit Titeln zu prahlen.


International erfolgreich

Über die spricht Yilmaz genau so ungern wie über sein Alter. "Das verrate ich nicht." Mehr als 15 internationale Wettbewerbe hat der Barkeeper gewonnen. Sechsmal sicherte er sich die deutsche Meisterschaft, dreimal hat er sogar die Weltmeisterkrone im Show-Barkeeping - im Fachjargon Flairtending genannt - geholt.



Begonnen hat seine Karriere vor etwa 20 Jahren in der Türkei. "Ich habe während des Studiums in einer Bar gearbeitet", erzählt Yilmaz. Im Jahr 2000 bestreitet er seinen ersten Wettkampf. Danach sei es irgendwie immer weiter gegangen. Etwa nach Singapur, Rio und Thailand. "Ich war in der ganzen Welt unterwegs." Gearbeitet hat Yilamz für große Konzerne, beispielsweise für die Hotelkette Inter Continental, den Fruchtsafthersteller Eckes Granini oder das Kreuzfahrtunternehmen Aida. Lange Zeit ist er als Lehrer durch die Lande gereist. "Ich habe Seminare gegeben und anderen Barkeepern Tricks beigebracht."

Zufällig lernt er schließlich Günter Wagner, den Eigentümer des La Maison in Saarlouis , kennen. "Er hat mir sein Hotel gezeigt und ich habe mich hier sofort wohlgefühlt", erinnert sich Yilmaz. Besonders die Liebe zum Detail, die in allen Ecken des Vier-Sterne-Hauses spürbar ist, habe ihn überzeugt. Der große Garten, die gemütliche Bibliothek, die italienische Stehleuchte, die Designer-Kissen - alles Unikate. "Ich habe mich darin wiedergefunden", sagt Yilmaz, der sich selbst als leidenschaftlichen Menschen beschreibt. Seit vier Monaten arbeitet er jetzt schon als Bar-Manager im La Maison. Noch wohnt er im Mitarbeiterhaus in Fraulautern. Doch das soll sich bald ändern. "Ich plane, länger hier zu bleiben und will daher nach Saarlouis umziehen", erzählt der Hundeliebhaber. Er genießt die familiäre Atmosphäre im La Maison. In den großen Unternehmen sei er oft nur eine Nummer gewesen, ein Mitarbeiter unter vielen.

Von Saarlouis selbst hat Yilmaz noch nicht viel gesehen, aber eines ist ihm aufgefallen: "Die Menschen hier trinken gerne Cocktails mit Kräutern." Besonders häufig serviert er den Pastis-Gimlet. Um das Rezept macht Yilmaz kein Geheimnis: Gurken, Minze, Limette, Pastis und Ferdinands-Gin. Neben frischen Zutaten zeichne einen guten Cocktail vor allem seine Balanciertheit aus. "Weniger ist oft mehr." Der perfekte Drink spreche möglichst viele Geschmacksnerven an, er sei etwa süß und bitter zugleich.

Unerwartete Show-Einlage

Jeden Monat legt Yilmaz in seiner Bar - die übrigens für jeden geöffnet ist, nicht nur für Hotelgäste - eine neue Karte mit sieben selbstkreierten Drinks vor. Wie viele Cocktails er in seinem Leben schon entworfen hat, weiß er nicht. "Ich habe längst aufgehört, zu zählen." Dann legt Yilmaz los. Plötzlich und völlig unerwartet. Der Shaker fliegt durch die Luft, landet auf dem Oberarm und rutscht hinunter bis in die Handfläche. Gleichzeitig wirbelt eine Flasche von hinten über die Schulter. Yilmaz fängt sie auf, neigt sie über das Glas. Mit einer Pinzette steckt er Himbeere und Minzeblatt auf den Rand. "Bitte sehr", sagt er und schiebt das Getränk über den Tresen.

Show-Einlagen wie diese zeigt Yilmaz nur noch selten. "Ich nutze sie in unerwarteten Momenten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen", verrät er. Auf der Bühne oder bei Wettkämpfen präsentiert er seine Tricks nicht mehr. Denn eines hat Yilmaz auf seinen Reisen um die Welt gelernt: "Viele Barkeeper konzentrieren sich nur noch auf ihre Performance und das Produkt. Aber ein guter Barkeeper zeichnet sich vor allem durch seine Qualitäten als Gastgeber aus." Nicht durch die Anzahl seiner gewonnenen Titel.

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