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„Im Saarland fällt man weich“

Julia Hennings freut sich auf den neuen Job – und versteckt das nicht. Fotos: Hartmann Jenal
Julia Hennings freut sich auf den neuen Job – und versteckt das nicht. Fotos: Hartmann Jenal
Saarlouis. Kultur ist ein Standortfaktor, sie zeigt den Menschen aber auch neue Perspektiven. Über beide Seiten kann die neue Leiterin des Saarlouiser Kulturamtes, Julia Hennings, sprechen: sprühend und mit österreichischem Zungenschlag. Am 1. Oktober fängt sie als Kulturchefin an. Johannes Werres

Die künftige Leiterin des Kulturamtes der Stadt Saarlouis sieht die Dinge aus eher ungewohnten Blickwinkeln, sie kann dem auch Ausdruck geben, und das verspricht Überraschungen. Beispiel? Julia Hennings stammt aus Kärnten, hat lange in Frankreich gelebt und sagt über ihre ersten Saarland-Erfahrungen: "Wenn man aus Frankreich nach Deutschland kommt, fällt man im Saarland weich." Erste Eindrücke von Neu-Saarländern ähneln sich oft, aber dieser Satz ist definitiv neu. "Meine Freundinnen sagen, Julia, man mag über dich sagen, was man will, aber fad wird's nie mit dir." Leben an Grenzen, in Grenznähe, belebt sie schon immer, sagt Hennings. "Da ist ein anderer Esprit."


Die Österreicherin Julia Hennings, 46, folgt der profilierten und weithin anerkannten Heike Breitenmoser nach, die im März nach kurzer Krankheit gestorben war.

Es wird eine ganz neue Herausforderung für Hennings, die aus freiberuflicher Tätigkeit auf den Stuhl einer Amtsleiterin wechselt. Sie hat zunächst Touristikerin in Innsbruck ("Brotberuf") gelernt, dann ein "schöngeistiges Studium", wie sie sagt, Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie und Philosophie in Salzburg. Später schrieb sie DuMont-Reiseführer für Oberösterreich und französische Regionen, organisierte Studienreisen . Und sie schrieb Texte für einen Bildband über Künstlergärten in der Provence, 2008 filmisch umgesetzt vom SR.

Ganz fremd, sagt sie, sei ihr die Arbeitsweise einer Verwaltung keineswegs, schon mit Blick auf ihre unmittelbar vorangegangene Tätigkeit als Projektmanagerin für die saarländische Bergbau-Ausstellung "Das Erbe" in Reden. "Ich war von Anfang an mit dabei", sagt sie. Kritik war geübt worden, weil höhere Besucherzahlen erwartet worden waren. "Diese Stimmen gab's, das weiß ich. Aus meiner Sicht kann man das so überhaupt nicht stehen lassen. Denn es war eine Ausstellung zu einem sehr speziellen Thema, die eröffnet wurde zum heikelst möglichen Zeitpunkt - aber wann denn auch sonst?" Gemeint ist das Ende des Bergbaus an der Saar. "Viele haben wohl gedacht: Zuerst sperren's uns die Grube zu, und dann machen sie einen auf Erinnerung. Aber viele kamen dann ja später doch noch und waren beeindruckt von der relativ nüchternen Darstellung einzelner Kapitel. Die Ausstellung kam beim Publikum wirklich sehr, sehr gut an, trotz vieler schwieriger Umstände." Beteiligt war sie an der Erstellung des Konzeptes, später hat sie vor allem die Exponate der Ausstellung beschafft, erzählt sie. Sie war Ausstellungsleiterin, zuständig auch für das Begleitprogramm. Eine gute Zeit, "nicht immer leicht, aber mit Schmähkritiken muss man auch erst einmal lernen umzugehen."

Saarlouis , das bedeutet auch ein sehr weit gefächertes Kulturangebot. Aus der Zeit, in der sie Studienreisen organisiert hat, bringe sie "viele gute Kontakte" mit, sagt Hennings. Sie ist sich bewusst, dass "Kultur auch ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor ist" - und zugleich "Ausdruck von Perspektiven für die Seele" sei. In Sachen Kulturamt ist sie sicher: "Da wird man sich gut z'ammenfinden".



Künftig ein zentraler Ort für Hennings: Theater am Ring.
Künftig ein zentraler Ort für Hennings: Theater am Ring.