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"Bleibt es so, ist es ein Traumjob"

"Bleibt es so, ist es ein Traumjob"

Bürgermeister Peter Lehnert ist in Nalbach seit 100 Tagen im Amt. Er spürt Rückhalt, aber auch Erwartungsdruck seitens der Bürger. Bisher sieht er sein Amt als Traumjob. Widerstand im Gemeinderat will er bei seiner Arbeit nicht missen.

Nalbach. An der Pinnwand hängen tausend Ideen für Nalbach, das Geld für den Haushalt für 2013 ist aber bereits verplant. Und kürzlich hat der Gemeinderat den finanziellen Handlungsspielraum des Bürgermeisters verringert, nachdem ihm im Rat bereits ein würdevollerer Umgang mit dem Amt empfohlen wurde.Peter Lehnert ist seit 1. August in Nalbach im Amt, die Stichwahl hatte er mit knappen 65 Stimmen Vorsprung gewonnen. "Hey, Bürgermeister, lass dich nicht unterkriegen", bekommt er im Ort schon mal zugerufen. Über Rückhalt bei den Bürgern freut er sich. Aber zur Arbeit mit dem Gemeinderat sagt er: "Ich brauche den Widerstand". Form und Intensität der Zusammenarbeit will Lehnert nicht an Fraktionen festmachen. "Es gibt einige, die mich nicht wollen. Ich denke, nach den Kommunalwahlen ändert sich einiges."

In seiner Amtszeit will Lehnert das Tempo in der Gemeinde verlangsamen und macht sich daher bereits Gedanken über die Kunst, "mit wenig Geld etwas zu machen". Etwa das Projekt "I-Kuh-Dorf": Bürger sollen historisches Wissen und Handwerkskunst weitergeben und Nalbach zum Lernort machen. Großprojekte sollen nicht neu begonnen, nur beendet werden. Wenn möglich, soll dabei noch eingespart werden. "Allein durch die Wahl eines anderen Pflasters haben wir beim neuen Rathaus noch 50 000 Euro sparen können", sagt Lehnert stolz. "Aber einige Sachen lassen sich nicht zurückdrehen, sie sind beschlossen", sagt er in Hinblick auf Amtsvorhänger Patrik Lauer. Die Offene Ganztagsschule Nalbach etwa sei zu schnell geplant worden: "Die Baumängel der Fassade sind brutal." Bei Ausgaben der Gemeinde noch einmal Fehler zu machen, sei gefährlich. Denn dass der Haushalt künftig ausgeglichen sein wird, bezweifelt er: "In den Vorjahren gab es noch Möglichkeiten zum Ausgleich, die ich nicht mehr habe."

Der neue Beruf macht Peter Lehnert trotzdem Spaß: "Wenn alles so bleibt, ist es ein Traumjob." Spannend sei die Arbeit, der Kopf so beschäftigt, dass er seinen alten Beruf nicht vermisst. Den angekündigten Zehnt seines Gehalts stellt er dem Gemeindeleben zur Verfügung, ein neues Mischpult zur Ausleihe konnte so angeschafft werden. Lehnert hofft auf Nachahmer, bisher aber vergebens.

Ein Problem hat er im neuen Beruf allerdings doch. Als Unternehmer erwartet er rasche Umsetzung und direkte Wertschöpfung. "Hier im Rathaus wird Geld ausgegeben und es dauert lange, bis ich ein Ergebnis sehe." Verwaltungsprozesse brauchen Zeit, "aber dafür werden Entscheidungen gemeinsam geprüft", räumt er ein.

Für Januar plant Lehnert eine Bürgerversammlung zur Nalbacher Ortsmitte, "wenn ich darf", wie er sagt. Im Sinne der Transparenz sollen die Nalbacher - bevor sie Wünsche äußern - informiert werden, was die Gestaltung kostet.

 Peter Lehnert hat viele Ideen für Nalbach. Foto: Thomas Seeber
Peter Lehnert hat viele Ideen für Nalbach. Foto: Thomas Seeber

Seinen Wahlsieg erklärt Lehnert mit Trotzhaltung der Bürger gegenüber der bisherigen Politik und zu selbstsicheren Parteien: "Die Parteien haben nicht gemerkt, dass der Wandel da ist." Das habe nichts mit ihm zu tun. "Allerdings erwarten die Bürger, dass ich jetzt alles anders mache." Das sei ein enormer Leistungsdruck.