Pflegefamilien aus dem Kreis Saarlouis stellen sich vor

Pflegefamlien : Ein Nein kam einfach nicht infrage

Im Reihenhaus der Hofmeisters in Nalbach lebt eine nicht ganz so in dieser Form geplante Großfamilie.

In diesem Haus ist immer Leben: Vier Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, vier Katzen und ein kleiner Hund wuseln durch das Reihenhaus der Hofmeisters in Nalbach. Doch die Eltern Yvonne und Meikel bringt so schnell nichts aus der Ruhe: Kinderlachen und -geschrei, Spielen, Zanken, Kuscheln gehören für sie zum Alltag.

Dass sie mal eine Großfamilie haben würden, war nicht geplant: Vier Kinder ziehen die Hofmeisters groß, davon drei in dauerhafter Pflege. Um 5 Uhr morgens aufstehen und früh ins Bett fallen, Wäsche- und Geschirrberge, Termine und Hobbies der Kinder organisieren – doch Yvonne Hofmeister genießt ihr Leben als „Vollzeit-Mama“: „Wenn man mit Freude dabei ist, geht alles“, ist das Motto der 52-Jährigen.

Auf die Idee, selbst ein Pflegekind aufzunehmen, brachte die Hofmeisters vor Jahren ein Fernsehbericht. Mutter Yvonne war sofort Feuer und Flamme, die damals fünfjährige Tochter Angelina auch; bei Vater Meikel, der bei einer Spedition arbeitet, dauerte es eine Weile: „Ich konnte mir das erst nicht vorstellen“, räumt er ein. Doch nach einer Bedenkzeit meldete sich das Paar als Pflegefamilie beim Jugendamt.

Und bald kam Lukas zu ihnen, als sieben Monate altes Baby. Die Hofmeisters wussten, dass er Entwicklungsverzögerungen, möglicherweise auch eine Behinderung hatte. „Doch darüber mussten wir gar nicht nachdenken, das war gleich klar, dass er zu uns kommt“, erinnert sich die Pflegemutter. Einige Wochen lernten sie Lukas näher kennen, dann zog er ganz zu der Familie. „Es war ein schwieriger Start“, berichtet Yvonne Hofmeister, „er hat viel geschrien, vor allem nachts. Das erste halbe Jahr war schon happig. Doch dann hat es sich gelegt.“ Handicaps hat der Junge, der nun schon sechs Jahre alt ist, zwar immer noch, aber mit Integrationshilfe besucht er auch einen Kindergarten.

Doch die Hofmeisters wollten noch weiteren Kindern ein Zuhause geben. Im Jahr 2015 meldete sich die Familie zusätzlich als Bereitschaftspflegestelle, die Kinder in Not kurzfristig aufnimmt. Ein kleines Mädchen etwa, dessen Mutter schwer erkrankt war, nahmen sie für ein halbes Jahr auf – dann konnte es zurück. „Das ist eigentlich der Idealfall“, sagt die Pflegemutter, „es hat mich sehr gefreut, aber wir haben trotzdem viel geweint.“ Vor allem für den 46-jährigen Pflegevater war diese Trennung schlimm, sagt er: „Aber da muss man lernen, Abstand zu nehmen.“

Eine neue Anfrage des Jugendamtes kam schnell: „Wir sind eigentlich von einem Kind ausgegangen, doch dann waren es Zwillinge“, erinnert sich Yvonne Hofmeister und lacht. Ein Nein kam auch diesmal nicht infrage. Die damals vier Jahre alten Zwillinge Vanessa und Max waren in Obhut genommen worden und fanden bei Familie Hofmeister eine neue Bleibe – nicht ganz einfach, denn die Kinder waren ja schon etwas größer und bekamen alles mit. „Zuerst hieß es ja: ,Ihr macht hier Urlaub, denn eure Mama kann sich im Moment nicht so gut kümmern’“, schildert die Pflegemutter. Doch aus dem „Urlaub“ wurde eine Dauerpflege: Acht Jahre alt sind die Zwillinge nun, gehören längst fest zur Familie. Zu ihren leiblichen Eltern und Geschwistern haben alle drei Pflegekinder noch mehr oder weniger regelmäßig Kontakt.

Zwei Jungs, zwei Mädchen, alle fast gleich alt, das ist teilweise turbulent: „Auf die Teenagerzeit freu’ ich mich schon“, sagt Vater Meikel und grinst. Aber beide Pflegeeltern sind voll des Lobes für ihre Vier: „Die Kinder haben sich alle so super gemacht, sind sehr hilfsbereit“, betont Meikel Hofmeister. Und seine Frau sagt: „Klar ist es manchmal auch schwierig, wie in jeder Familie. Aber wenn man sieht, wie fröhlich die Kinder heute sind, dann ist das einfach schön, zu sehen, was man bewirkt hat.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung