14-Jähriger seit zehn Jahren an Krankheit Nalbacher koordinieren Hilfe für jungen Ivorer mit Morbus Blount

Der 14-jährige Ariel Tano leidet an einer Knochenkrankheit, die ihn in seiner Mobilität stark einschränkt. Hilfe bekommt er in Deutschland dank der Initiative einiger Personen aus der Gemeinde Nalbach.

 Die Körpricherin Annette Weyand holte Ariel Tano am Münchener Flughafen ab und begleitete den 14-jährigen Ivorer zur medizinischen Untersuchung ins Universitätsklinikum.

Die Körpricherin Annette Weyand holte Ariel Tano am Münchener Flughafen ab und begleitete den 14-jährigen Ivorer zur medizinischen Untersuchung ins Universitätsklinikum.

Foto: Lazare Tano

NALBACH Sein größter Wunsch ist immer noch, Fußballprofi oder Pilot zu werden. Doch davon ist Ariel Tano derzeit weit entfernt. Der 14-Jährige stammt aus der Elfenbeinküste und leidet seit zehn Jahren an Morbus Blount. Hierbei handelt es sich um eine Krankheit, die schleichend zu einer Verformung der Unterschenkelknochen und damit zu extremen O-Beinen führt. In seiner Heimat konnte dem Jungen, der dauerhaft unter Schmerzen und gravierenden Einschränkungen seiner Mobilität leidet, medizinisch nicht geholfen werden.

Operation in München

Nun gibt es Hoffnung für ihn, denn zumindest ein Großteil der Fehlstellung seiner Beine kann in der Münchner Universitätsklinikum mit mehreren Operationen behoben werden. Der erste Operationstermin für Tano ist bereits im Mai. Organisiert wurde die medizinische Hilfe für den jungen Ivorer durch die Körpricherin Annette Weyand zusammen mit den Nalbacher Gemeindebediensteten Christine Sinnwell-Backes und Marc Engel.

Das Trio koordiniert seit Jahren die Nord-Süd-Partnerschaft der Gemeinde Nalbach mit der ivorischen Kommune Assié-Koumassi. „Auf einer Reise in die afrikanische Partnergemeinde haben wir im vergangenen Jahr den Vater des behinderten Jungen kennengelernt und erstmals von dessen Schicksal gehört“, erzählt Weyand im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.

Während seines Aufenthaltes im Saarland stellte sich Ariel Tano bei der Vorsitzenden der Initiative Hilfe für Einzelschicksale, Ilona Ghodstinat (rechts) und deren Stellvertreter Gerhard Mohr (links) vor. Der Verein sagte dem Ivorer finanzielle Unterstützung für die medizinische Behandlung zu und wird Spendengelder für ihn sammeln.

Während seines Aufenthaltes im Saarland stellte sich Ariel Tano bei der Vorsitzenden der Initiative Hilfe für Einzelschicksale, Ilona Ghodstinat (rechts) und deren Stellvertreter Gerhard Mohr (links) vor. Der Verein sagte dem Ivorer finanzielle Unterstützung für die medizinische Behandlung zu und wird Spendengelder für ihn sammeln.

Foto: Dieter Lorig

Lazare Tano (49) stammt aus Assié-Koumassi und ist dort als Ortsvorsteher tätig. Zudem hat er in der Buschgemeinde eine Hilfsorganisation zur Unterstützung der überwiegend armen Bevölkerung gegründet. „Mit seinem großen Engagement hat der Vater des behinderten Jungen in den letzten Jahren bereits vielen Menschen in unserer Partnergemeinde geholfen, nur für seinen eigenen Sohn konnte er medizinisch keine Hilfe erreichen“, bedauert Sinnwell-Backes. Wieder zurück in Deutschland habe sie Michael Dewes, einen befreundeten Intensivpfleger aus Lebach, kontaktiert.

Initiative „Hilfe für Einzelschicksale“

 Ariel Tano (rechts) mit seinem Vater Lazare beim Aufenthalt in Körprich. Der 14-Jährige leidet seit zehn Jahren an einer Verformung seiner Unterschenkelknochen, was bei ihm zu extremen O-Beinen geführt hat. Vater und Sohn sind sehr beeindruckt und dankbar über die große Hilfsbereitschaft und Unterstützung in Deutschland.

Ariel Tano (rechts) mit seinem Vater Lazare beim Aufenthalt in Körprich. Der 14-Jährige leidet seit zehn Jahren an einer Verformung seiner Unterschenkelknochen, was bei ihm zu extremen O-Beinen geführt hat. Vater und Sohn sind sehr beeindruckt und dankbar über die große Hilfsbereitschaft und Unterstützung in Deutschland.

Foto: Dieter Lorig​

Dieser habe die Verbindung zur Münchener Ludwig-Maximilians-Universitätsklinik (LMU) hergestellt. Nach einer Videokonferenz, an der sich unter anderem Vater und Sohn in der Elfenbeinküste, Dr. Peter Thaller, Leiter der 3D-Chirurgie und Geweberegeneration im Münchener LMU-Klinikum, Weyand und Sinnwell-Backes beteiligten, kam es zu einer Terminabsprache für erste Untersuchungen von Ariel Tano in München.

„Ich habe Vater und Sohn vom Münchener Flughafen abgeholt und bin mit ihnen in die Klinik gefahren“, erzählt Weyand. Nach einem zweiten Untersuchungstermin versprachen die Münchener Ärzte Hilfe zu einem gewissen Grad und legten den ersten Operationstermin für den Monat Mai fest. Zwischen den beiden Klinikterminen verbrachten Ariel und Lazare Tano einige Tage bei Weyand zu Hause im Saarland. „Eine meiner Bekannten hat Ariel spontan einen hochwertigen Rollator gespendet“, berichtet die 60-Jährige hocherfreut. „Nunmehr müssen wir uns hauptsächlich um die Finanzierung der Kosten für die Operationen, den Krankenhausaufenthalt und die Anschlussheilbehandlung in Höhe von möglicherweise über 80 000 Euro kümmern“, sagt die Körpricherin.

Dazu seien die Ivorer auf Spenden angewiesen. „Wir werden zunächst mindestens 3000 Euro für den jungen Ivorer aus unserem Budget zur Verfügung stellen und weitere Spendengelder für ihn sammeln“, bestätigte die Dillingerin Ilona Ghodstinat, Vorsitzende der Initiative „Hilfe für Einzelschicksale“. Deren verstorbener Mann Mohammed Ghodstinat hatte die Initiative vor über 30 Jahren gegründet. „Wir leben Nächstenliebe im praktischen Leben und haben bereits über 3000 Menschen weltweit geholfen, die sich überwiegend keine medizinische Hilfe leisten oder nicht finden konnten“, berichtet Gerhard Mohr, Vorstandsmitglied des Vereins. Wer für die Finanzierung der medizinischen Behandlung des ivorischen Jungen Geld spenden möchte, erhält weitere Informationen unter Tel. (0 68 31) 70 14 20.

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