Katholische Pfarrkiche Bilsdorf soll flexibel genutzt werden

Neue Nutzung von Kirchen : Was tun mit der Bilsdorfer Kirche?

Jetzt wird auch in Bilsdorf darüber nachgedacht, wie große Kirchenräume künftig genutzt werden: Für Messen mit wenig Besuchern, für nicht religiöse Veranstaltungen. Bänke sollen gegen Stühle getaucht werden.

Bilsdorf Die geplante Umgestaltung des Altarraums und Kirchenschiffs in der Pfarrkirche Herz-Jesu sorgt für viel Gesprächsstoff in Bilsdorf. Um das Innere des Gotteshauses in der Zukunft flexibler für Gottesdienste, aber auch für sonstige Veranstaltungen nutzen zu können, soll der Altarraum bei Bedarf mit einem verschiebbaren Vorhang vom Kirchenschiff abgetrennt werden können. Zudem ist geplant, die vorhandenen Holzsitzbänke im Kirchenschiff durch Stühle zu ersetzen. Die Vorschläge sollen im Laufe des Jahres im Rahmen einer Erprobungsphase getestet werden. „Erst danach wird entschieden, welche Vorschläge wir tatsächlich dauerhaft umsetzen“, teilte Pfarrer Manfred Plunien in einer Info-Veranstaltung in der 70 Jahre alten Bilsdorfer Pfarrkirche mit.

Wie in den meisten katholischen Kirchen ist die Zahl der Gottesdienstbesucher auch in dem kleinsten Ortsteil der Gemeinde Nalbach deutlich rückläufig. „Werktags kommen meist nur noch fünf bis zehn Gläubige zu den Gottesdiensten, und noch nicht mal in der Christmette war unsere Kirche voll besetzt“, bedauert Pastor Plunien. Statistiken der katholischen Kirche belegen, dass die durchschnittliche Zahl der Gottesdienstbesucher in Deutschland von knapp zwölf Millionen im Jahr 1950 um fast 82 Prozent auf etwa zwei Millionen im Jahr 2018 gesunken ist. „Die Infrastruktur unserer Kirchen entspricht heute einem längst vergangenen Ideal“, sagte Pastor Plunien. Deshalb habe der Bilsdorfer Kirchengemeinderat gemeinsam mit dem Trierer Bistumsarchitekt Marcell Hürtgen Vorschläge für die Umgestaltung der Dorfkirche erarbeitet.

Demnach könnten nach Umsetzung der Vorschläge Gottesdienste mit wenigen Teilnehmern im abgetrennten Altarraum stattfinden. Messen mit größerer Besucherresonanz könnten im dann bestuhlten Kirchenschiff zelebriert werden. Dort soll ein mobil aufgestellter Altar zu mehr räumlicher Nähe des Pfarrers zu den Gläubigen verhelfen.

„Die Zahl der heute vorhandenen 300 Sitzplätze wird sich nicht ändern, jedoch sind wir mit Stühlen flexibler in der Ausrichtung der Sitzmöglichkeiten“, sagte Pastor Plunien. „Mit dieser flexiblen Innenraumgestaltung wollen wir jetzt schon vorsorgen, dass unsere Kirche auf Dauer geöffnet bleibt“, hofft Bernd Schwed, Mitglied des Kirchengemeinderates.

Auch Ortsvorsteher und stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates, Detlef Germowitz, spricht sich für die Umgestaltung aus: „Damit schaffen wir zukunftsorientiert die Infrastruktur für neue Gottesdienstvarianten und andere kulturelle Veranstaltungen “. Dagegen hat Helga Bettscheider kein Verständnis für eine räumliche Umgestaltung: „Die bequemen Bänke, die durch unsere Eltern und Großeltern finanziert wurden, sollten nicht durch Stühle ersetzt werden“. Sie befürchtet, dass noch weniger Gläubige zu den Messen kommen, wenn in der Kirche nur noch Stühle aufgestellt sind. Bettscheider regt an, die mehr als 900 Katholiken im Ort über die Akzeptanz der Vorschläge abstimmen zu lassen. Auch Christian Schneider wünscht sich keine Veränderungen im Innenraum der Kirche: „Das Gotteshaus sollte kein ziviler Veranstaltungsraum werden“. Der 86-jährige Josef Klein fände es schade, wenn in der Kirche keine Kniebänke mehr vorhanden wären. „Die geplante Umgestaltung hat nichts mit der Bistumsreform zu tun“, beruhigte Pastor Plunien am Ende der Info-Veranstaltung.

Noch nicht entschieden: Entwurf des Saarlouiser Architekturbüros  CBAG für einen Einbau in die Pfarrkirche Beaumarais. Foto: © CBAG Architekten BDA

Bilsdorf ist ein weiteres Beispiel für die Suche nach der richtigen Nutzung von Kirchengebäuden, die zu groß geworden sind. Ein anderes Beispiel ist der Einbau einer großen Kita in die Kirche St. Johannes am Bahnhof Saarlouis. Oder das Aufsehen erregende Projekt eines baldachinähnlichen Einbaus in die Kirche von Beaumarais. Darüber ist allerdings noch nicht entschieden.