Lesung mit Michael Tsokos in der Buchhandlung Drachenwinkel in Diefflen

Lesung im Drachenwinkel : Schaurig und nichts für schwache Nerven

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos aus Berlin las im Drachenwinkel Diefflen aus seinem Roman.

Schaurig entstellte Körper, Leichen ohne Arme, Beine und Kopf. Nach einer halben Stunde verlässt der erste Besucher die Buchhandlung. Ja, die Lesung von Erfolgsautor Michael Tsokos ist nichts für schwache Nerven, dessen ist sich der Rechtsmediziner bewusst. „Wir sehen uns Fotos von realen Fällen an“, warnt er seine Gäste zu Beginn, die Lesung im Drachenwinkel ist gut besucht. „Das, was ich in meinen Roman erzähle, ist echt“, sagt Tsokos. In seinem neusten Thriller wird Paul Herzfeld, Hauptfigur und Rechtsmediziner, in einen mysteriösen Fall um zwei Tote verwickelt. Während sein Sektionsassistent bei der Obduktion vor Nervosität kaum arbeiten kann, legt sich Herzfelds Vorgesetzter überraschend schnell auf die Tatwaffe fest. Weiß er mehr, als er sagt?

Auf die Suche nach der Wahrheit begibt sich Herzfeld in „Abgeschlagen“. Tsokos lässt im ersten Teil der Lesung seinen Protagonisten auf eine strangulierte Leiche treffen, alles deutet auf Suizid hin. Doch der Verlauf des Seils lässt Herzfeld stutzen. Stammen die Spuren von einem Suizid, oder sind sie Zeichen eines Mordes? Wo liegt der Unterschied zwischen erwürgen, ersticken und erdrosseln? Anhand von Tatortfotos, die von Michael Tsokos eigenen Fällen stammen, erklärt er den Besuchern die unterschiedlichen Hinweise auf Suizid oder Mord bei Strangulation. „Ein Mensch kann sich nicht selbst erwürgen oder erdrosseln. Sobald die Bewusstlosigkeit einsetzt, lockert sich der Druck“, sagt Tsokos.

Er kennt die Bilder des Todes, mehr als 2000 Obduktionen führt er jährlich in der Berliner Charité durch. Wie erfinderisch Menschen im Hinblick auf Mord und Suizid sein können, überrascht den erfahrenen Rechtsmediziner heute noch. „Wenn die Menschen so viel Zeit und Energie in ihr Leben stecken würden, hätten sie viel Erfolg im Leben“, sagt er.

Die Lesung im Drachenwinkel erinnert an eine Vorlesung, immer wieder erklärt Tsokos die Ereignisse im Buch mit realen Fallbeispielen, beantwortet neugierige Fragen der Besucher. Ihm gelingt so der Spagat zwischen der harten Realität und einem interessanten, unterhaltsamen Abend. Trotz der ernsten Thematik wird über makabere Dinge gelacht, in anderen Momenten blieb den erschrockenen Besuchern das Lachen wie ein Kloß im Hals stecken. „Die Bilder dienen einem didaktischen Zweck. Die Toten geben Hinweise auf die Todesursache, beweisen, ob es Mord war“, sagt er. So komme man auch mit den Bildern klar, findet Tsokos. „Mit meinen Schilderungen im Buch will ich genau diese Bilder im Kopf des Lesers evozieren“, sagt er.

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