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Kampagne: Arbeitnehmer gegen Rechtsextremismus
Prantl warnt vor „Wahnideen und Idiotien“

Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung.
Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. FOTO: juergen-bauer.com / Juergen Bauer
Saarbrücken. Von Udo Lorenz

Menschenrechte gemäß UN-Konvention achten statt Hass gegen Fremde, Flüchtlinge oder Juden – und die Partei AfD durch den Staat beobachten lassen: Mit diesem Appell hat der renommierte Journalist und Jurist Heribert Prantl in Saarbrücken zu einem „demokratischen Gegenfeuer“ gegen die „Wahnideen und Idiotien“ einer „negativen Renaissance des Rechtsextremismus“ in Deutschland und anderswo aufgerufen.


Prantl, Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Meinungsressorts der Süddeutschen Zeitung, sprach am Dienstagabend im Rahmen der Kampagne „Arbeitnehmer gegen Rechtsextremismus“ der Saar-Arbeitskammer und sorgte dabei in der Saarbrücker Congresshalle für einen mit rund 200 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. „Wir brauchen den kleinen Widerstand, damit der große nicht mehr notwendig wird.“

Vor Jahren hatte Heribert Prantl im Saarland bereits den Siebenpfeiffer-Preis für mutigen und die Demokratie stützenden Journalismus erhalten. Jetzt kam er wieder an die Saar und hielt eine mehr als einstündige engagierte und pointierte Rede gegen die wachsende politische Gefahr von Rechtsaußen und für ein friedlich-demokratisches „Europa der Zukunft“ mit mehr Sozialstaat und Heimat, aber ohne neue Nationalismen wie in Ungarn, Italien, Polen oder Österreich gar mit in der Regierung. „Europa ist von innen bedroht“, warnte Prantl: „Aber Europa ist das Beste, was den Deutschen und … den Saarländern in ihrer Geschichte passiert ist.“ Das Wort Rechtspopulismus hielt der 65 Jahre alte Journalist für eine Verharmlosung und Verniedlichung von gefährlichem „völkischem Gehöhne“, das auch in der AfD immer mehr Anhänger finde, so dass die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zusammen mit den letzten Holocaust-Überlebenden befürchte, in zehn, zwanzig Jahren gebe es vielleicht gar keine jüdische Gemeinde mehr. Applaus bekam Prantl, als er forderte, ein besseres Europa müsse trotz Brexit und neuem Nationalismus zur zweiten Heimat werden, und er US-Präsident Donald Trump scharf attackierte. Unter ihm hätte die US-Verfassung rot vor Scham werden müssen, weil Trump die Menschenrechte verhöhne: „Ich wünsche mir, dass sich die Wähler von einem solchen Mann distanzieren.“ In Deutschland würde sich ein Politiker wie Trump jedenfalls keine drei Tage halten können, schon wegen seiner verächtlichen Äußerungen über Frauen. In der angeregten Diskussion zu seiner Rede vertrat Prantl die Ansicht, Polizei und Justiz seien mit Schuld an der Art und Weise, wie sich der Rechtsextremismus mit seinen Gewaltauswüchsen entwickelt habe. „Die Beobachtung der AfD wäre sicher ein Signal, dass der Staat ein Auge drauf hat“, ergänzte er.



Zum Schluss wagte Prantl auf Frage von SR-Moderator Michael Thieser auch noch eine Prognose für die personell umstrittene Frage CDU-Vorsitz. „Bei einer Mitgliederbefragung läge Friedrich Merz vorn, bei den Delegierten hat wohl Annegret Kramp-Karrenbauer eine Mehrheit. Mit ihr als Parteichefin könne Angela Merkel bis Ende der Legislaturperiode Kanzlerin bleiben, „mit Merz keine vier Wochen“.