Zwei Saarbrücker Christkinder erinnern sich

Bei den Geschenken nicht benachteiligt : Zwei Saarbrücker Christkinder erinnern sich

Der Patentanwalt Dr. Reinhold Berhardt und die Arbeitsmedizinerin Dr. Gabriele Limmer haben beide an Heiligabend Geburtstag.

„Christkinder“ werden sie genannt: Menschen, die an Heiligabend geboren sind. Für sie ist Weihnachten ein doppelter Feiertag. Wir haben zwei Menschen gesprochen, die am 24. Dezember Geburtstag feiern. Der Saarbrücker Patentanwalt Dr. Reinhold Bernhardt und die Saarbrücker Arbeitsmedizinerin Dr. Gabriele Limmer berichten von ihren Erfahrungen als „Christkinder“.

Bernhardt wird an diesem Heiligabend 72. Er ist in der DDR aufgewachsen und erinnert sich, dass seine Eltern ihn nie benachteiligt hätten. „Morgens wurde der Geburtstag gefeiert, da gab es ein Geschenk. Und abends wurde Weihnachten gefeiert mit der Bescherung. Ich hatte nie den Eindruck, dass die Geschenke deswegen geringwertiger gewesen wären oder man mich gegenüber meinen Geschwistern benachteiligte. Nur beim Feiern des Kindergeburtstags war es schwierig. An Heiligabend kann natürlich keiner kommen, und an den Wochenenden danach passte es auch nicht. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Geburtstagsfeiern eher ausfielen. Nur die großen runden Geburtstage wurden gefeiert, dann aber ein halbes Jahr versetzt“, erzählt der Physiker.

1980 kam er über einen Ausreiseantrag in den Westen, musste den Großteil seines Besitzes zurücklassen. Sein älterer Bruder war damals schon Patentanwalt in Saarbrücken und nahm ihn auf. Er studierte Jura und stieg in die Kanzlei ein. „Wenn man Heiligabend geboren ist, wird man öfter mal vergessen. Die Freunde sind mit Heiligabend beschäftigt und vergessen schon mal anzurufen“, sagt er. Trotzdem sei er nie unglücklich gewesen. Auch heute handhabe er es so wie in der Kindheit. Morgens schenke ihm seine Frau eine Kleinigkeit, dann nehme er Anrufe entgegen. Am Abend werde dann der Heilige Abend gefeiert.

Gabriele Limmer wird in diesem Jahr 58. Sie widerspricht Bernhardt nur in einem Punkt: „Man wird nie vergessen. Auch nicht vom Ehemann. Den Geburtstag an Heiligabend kann man sich besser merken als alles andere. Wenn man eine Familie hat, wie ich, dann ist dieser Geburtstag wunderbar“, schwärmt sie sogar.

„Meine Schwester spült traditionell das ganze Geschirr, denn das Christkind muss natürlich nie den Abwasch machen“, nennt sie ein Beispiel. Auch schmücke das Christkind immer den Weihnachtsbaum, während die anderen Mitglieder der Familie andere Aufgaben hätten. „Meine Freundinnen durften Mittags immer noch kurz zu Besuch kommen. Morgens gab es Geburtstags- und am Abend die Weihnachtsgeschenke.“

Die sogenannten Kombigeschenke seien selten gewesen. Die Familie habe schon darauf geachtet, dass man nichts zusammenlege, sondern beide Ereignisse getrennt gewürdigt wurden. Limmer ist im Süden Baden-Württembergs groß geworden, seit 20 Jahren lebt sie in Saarbrücken. Die Familientradition an Weihnachten habe sich in all der Zeit nicht wesentlich geändert. Und so werde das Christkind in der Familie auch heute noch bevorzugt behandelt.