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An Heiligabend schließt der Nikolaus sein Postamt in Großrosseln

Brauchtum : An Heiligabend schließt der Nikolaus das Postamt

2019 schaffte seine Belegschaft einen neuen Rekord und verschickte rund 26 000 Antwortbriefe an Kinder in der ganzen Welt.

Es ist Tradition im Großrosseler Ortsteil St. Nikolaus: Mit einem Sonnwendfeuer am Nikolauspostamt feierten auf Einladung des Jugendtreffs „An da Alt“ am Sonntagabend zahlreiche Besucher den Sieg des Lichts über die Dunkelheit – denn jetzt werden die Tage ja wieder länger und die Nächte endlich kürzer.

An diesem Dienstag, 24. Dezember, öffnet der Schalter im Nikolauspostamt in der Alten Schule 2019 zum letzten Mal. Ab 10 Uhr gibt es den begehrten Weihnachtsstempel mit dem Datum 24.12.2019. Um zwölf Uhr kommt der Nikolaus und schließt das Postamt.

Die familiäre Atmosphäre in dem liebevoll geschmückten Raum lockte im Advent wieder zahlreiche Besucher in den Warndt. Die Nikolausfans kamen nicht nur aus dem gesamten Saarland. „Sehr viele Franzosen finden den Weg über die Grenze“, sagte Peter Gerecke, der Vorsitzende des Festausschusses, am Sonntag der SZ.

Ebenfalls ein voller Erfolg war die Kinderbriefaktion des Vereins. So viel Post wie nie zuvor bearbeiteten die rund 40 Ehrenamtlichen. Die genaue Zahl steht noch nicht fest, einen neuen Rekord verkündete Gerecke aber bereits. Rund 26 000 Antwortbriefe an Kinder in der ganzen Welt stehen 2019 in der Statistik. Vor Silvester geht die letzte Post-Kiste raus. 2018 waren es 24 146 Schreiben.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Briefzahlen mit dem Bekanntheitsgrad des Nikolauspostamtes stiegen. Die Presse und das Fernsehen berichten ausführlich, der Festausschuss rührt auf der Homepage und in sozialen Medien die Werbetrommel. Der heilige Mann selbst hält aber wohl nicht viel vom Internet. „Der Nikolaus ist nicht modern, Emailschreiben liegt ihm fern“, liest man auf der Website des Festausschusses. Deshalb sollen die Kinder ihm weiterhin Briefe schicken.

Viele ausländische Schreiben kommen aus dem asiatischen Raum, erläuterte Sabine Gerecke, die Leiterin der Kinderbriefaktion. Dieses Jahr sei Russland sehr stark vertreten gewesen. Erstmals kam Post aus dem Iran. Andere Kinder meldeten sich aus Finnland, Sydney oder Indien. Geantwortet wird nicht nur in mehreren Sprachen, sondern auch in Blindenschrift.

Die Wünsche des Nachwuchses haben sich in den letzten Jahren wenig verändert. Neben Spielsachen steht Schnee hoch im Kurs. Viele wollen endlich wieder richtig Schlitten fahren. „Kein Krieg mehr“, schreibt ein Kind an den Nikolaus, dazu wünscht es sich Handy, Laptop, Spielekonsole, PC und drei Bildschirme. Als Service für die Eltern wird gleich noch mitgeteilt, was die einzelnen Produkte kosten. Aber auch diesmal mussten Sabine Gerecke und ihr Team wieder traurige Briefe beantworten: Kinder berichteten von Krankheiten, Mobbing in der Schule oder dem Tod eines Familienmitglieds.