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Zentrale Gedenkstätte für Opfer von NS-Verbrechen und Krieg im Saarland gefordert

5-Punkte-Programm der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit : Erinnerungsarbeit im Saarland: Ausbau der Gedenkstätte an der Neuen Bremm gefordert

Die Gedenkstätte an der Neuen Bremm in Saarbrücken soll nach dem Vorschlag der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit (LAGE) zu einer zentralen Gedenkstätte für die Opfer von NS-Verbrechen und Kriegen ausgebaut werden. In einem 5-Punkte-Programm der LAGE werden zudem von den Parteien im Saarland klare Bekenntnisse gefordert.

Nie wieder Nazi-Herrschaft, Krieg und Gräueltaten an Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen oder anderen Minderheiten: Das Saarland braucht nach Ansicht der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit (LAGE) dringend eine für Bildungs-, Ausstellungs- und Aufklärungsarbeit ausgebaute zentrale Gedenkstätte für die Opfer von NS-Verbrechen und Kriegen am ehemaligen Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken. Dort, so der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft, Landeskirchenrat Frank-Matthias Hofmann vom Evangelischen Büro Saarland, soll dann im Jahr 2023 die bundesweite Gedenkstättenkonferenz mit Repräsentanten aus bislang zwölf Bundesländern stattfinden.

In einem von Hofmann präsentierten 5-Punkte-Programm, das die im Zeitungsmuseum in Wadgassen tagende LAGE-Mitgliederversammlung am Dienstagabend einstimmig verabschiedet hat, wird zudem mit Blick auf die Landtagswahl im März 2022 an alle Parteien im Land  appelliert, klar ihre Vorstellungen zur Erinnerungsarbeit darzulegen. „Es findet schon einiges statt, etwa im Kultusministerium, der Landeszentrale für politische Bildung und bei Landtagspräsident Stephan Toscani, aber in den Parteiprogrammen steht bisher wenig bis nichts zur Erinnerungsarbeit“, bemängelt Hofmann. „Die Parteien müssen formulieren, wie sie sich Erinnerungsarbeit im Saarland vorstellen und wie sie sie gestalten möchten.“ Wenn es nach der Landtagswahl dann zu Koalitionsverhandlungen komme, habe man aussagefähige Argumente, um gemeinsam zu handeln.

Hofmann, der seit Gründung der LAG Erinnerungsarbeit im Jahr 2018 mit inzwischen 108 Mitgliedsorganisationen und etlichen auch wissenschaftlichen Einzelmitgliedern als Sprecher an der Spitze steht, fordert Land und Kommunen auf, den Akteuren der Erinnerungsarbeit deutlich mehr ideelle und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. So leiste die bisherige Initiative Neue Bremm zusammen mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), dem Landesjugendring und der Landeszentrale für politische Bildung zwar schon lange gute Arbeit, aber das Land selbst beteilige sich daran praktisch nicht. So sei auch das als „Hölle von Saarbrücken“ berüchtigte ehemalige Saarbrücker Gestapo-Lager Neue Bremm, wo hinter Stacheldraht 20 000 Menschen interniert waren und Hunderte zu Tode gequält wurden, als Gedenkstätte im Bewusstsein der Bevölkerung noch viel zu wenig verankert. Hier brauche man im Einvernehmen mit allen Akteuren der Erinnerungsarbeit ein neues Gebäude im Umfeld der Gedenkstätte, wo auch bei Regen und Kälte Bildungsseminare, Filmvorführungen, Bücheraustellungen und andere Veranstaltungen stattfinden könnten, regt der LAGE-Sprecher an. Er plädiert zudem dafür, von dieser Gedenkstätte aus dann eine Laserlicht-Brücke zum unmittelbar benachbarten französischen Gedenkstein zu schlagen.

Zum 5-Punkte-Programm der LAG Erinnerungsarbeit gehört auch die Absicht, den Westwall im Kontext mit der französischen Maginot-Linie als Boden- und Flächendenkmal stärker ins Visier zu nehmen. So soll ein bereits in Otzenhausen bestehender Westwall-Wanderweg in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie „friedenspädagogisch gefüllt“ und auch in Kirkel ein solcher Westwall-Wanderweg entstehen, wozu das Land noch bestehende bürokratische Verkehrssicherheitshürden beseitigen sollte. „Den Westwall ganz unter Denkmalschutz stellen wie im benachbarten Rheinland-Pfalz das erwarten und fordern wir aber nicht“, sagt Kirchenrat Hofmann.