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Projektwoche
Vom Rotenbühl hinauf in die Stratosphäre

In 30 Kilometern Höhe gelangen dem Himmelsgefährt vom Rotenbühl spektakuläre Aufnahmen von der Erde.
In 30 Kilometern Höhe gelangen dem Himmelsgefährt vom Rotenbühl spektakuläre Aufnahmen von der Erde. FOTO: Gymnasium am Rotenbühl / Klasse 8b (Juni 2018) des Gymnasiums am Rotenbühl
Saarbrücken. Gymnasiasten der Klasse 8b bauten einen Ballon mit Gondel, die rund 30 Kilometer hoch stiegen und von dort Fotos zurückbrachten. Von Heiko Lehmann

  „Drei, zwei, eins und los“, ruft Martin Klein, der Lehrer der Klasse 8b des Gymnasiums am Rotenbühl in Saarbrücken. Martin Klein und seine Lehrer-Kolleginnen lassen einen großen, mit Helium gefüllten Ballon in die Luft steigen, und die Schüler lassen wenig später einen aus Styropor gebauten Korb ebenfalls los, der zusammen mit dem Ballon Richtung Himmel fliegt.


Es ist nahezu windstill am vergangenen Mittwochmorgen vor dem Gymnasium am Rotenbühl. Trotzdem stockt den Lehrern und Schülern kurz der Atem, als der Styropor-Korb an einem Baum vorbeischrammt und einen Zweig voller Blätter mit in die Höhe nimmt. „Hoffentlich sind die Blätter jetzt nicht vor der Kamera. Herr Klein, gucken Sie mal bitte, ob alles in Ordnung ist“, rufen die Schüler. Martin Klein guckt schnell auf seinem Handy nach und bestätigt, dass alles in Ordnung ist. Wenige Sekunden danach ist die Verbindung zwischen der Kamera im Styropor-Korb und dem Handy auf der Erde abgerissen – die Entfernung ist bereits zu groß.

In den letzten Tagen vor den großen Ferien war im Rotenbühl-Gymnasium eine Projektwoche. Während diese Zeit normalerweise zu Wandertagen, Umwelt- oder Sportprojekten genutzt werden, hat sich die Klasse 8b etwas Spektakuläres einfallen lassen – einen Stratosphären-Ballon.



„Wir schicken den Ballon etwa 30 Kilometer hoch in die Stratosphäre, dort machen wir Fotoaufnahmen von der Erde, messen die Temperatur und den Druck. Es können bis zu minus 60 Grad werden“, sagte Schüler Liuns Rudolph, der wenige Minuten vor dem Start noch einmal die Wärmepads kontrollierte, damit die Geräte bei den tiefen Minusgraden nicht kaputtgehen.

Eine Woche lang hatten sich die Schüler der 8b und ein Lehrerteam auf den Flug vorbereitet. Alle Utensilien mussten gekauft werden, und dazu mussten sich alle das dazugehörige Fachwissen aneignen. „Was bei der NASA mehrere Milliarden Euro kostet, machen wir für 500 Euro. Ein großer Dank gilt unseren Sponsoren“, sagte Klassenlehrer Martin Klein. „Wir betreiben natürlich alles in viel kleinerem Rahmen, aber es ist trotzdem ein enormer Aufwand. Wir mussten extra eine Versicherung über 1,5 Millionen Euro abschließen, da es völlig unklar ist, wo der Ballon landet. Auch mussten wir diesen Ballonflug genehmigen lassen. Fünf Minuten vor dem Start muss ich auf dem Flughafen in Ensheim anrufen, und der Tower muss uns grünes Licht für den Start geben“, erklärte der Lehrer weiter.

Neben einer Kamera, die die Messgeräte in 30 Kilometer Höhe aufnimmt und Bilder von der Erde macht, war auch ein GPS-Tracker mit an Bord. Bei der hoffentlich erfolgreichen Landung auf der Erde schickt der GPS-Tracker die Koordinaten an das Handy, und der Styropor-Korb kann gefunden werden.

„Wir haben heute extremes Glück, dass wir kaum Wind haben. Der Ballon soll in der Nähe von Bexbach wieder runterkommen. Vor zwei Tagen sah das noch ganz anders aus. Da wurde eine Landung in Freiburg vorberechnet“, erklärte Martin Klein. Doch wie kommt der Ballon wieder auf die Erde zurück?

Schüler David Koebnick erklärte der Saarbrücker Zeitung das Szenario. „Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck, und der Ballon dehnt sich soweit aus, bis er schließlich platzt. Wir haben den Ballon mit soviel Helium gefüllt, dass er bei etwa 30 Kilometern Höhe platzen sollte und dann mittels Fallschirm wieder zur Erde zurückkehrt.“

Und tatsächlich, es hat funktioniert. Etwa drei Stunden später landete der Styropor-Korb in der Nähe von Bexbach, und die Schüler mussten noch nicht einmal auf den GPS-Tracker zurückgreifen. „Wir haben auch eine Handynummer im Korb hinterlegt, und der Finder des Korbes hat uns angerufen. Die Bilder sind toll geworden. Zwischenzeitlich waren es minus 40 Grad, und in 30 Kilometern Höhe waren es wieder null Grad“, berichtete Lehrer Martin Klein von den Ergebnissen. Nach den Sommerferien werden die Schüler ihr gesamtes Stratosphäre-Ballon-Projekt beim Tag der offenen Tür des Gymnasiums am Rotenbühl vorstellen.

Die Schüler der Klasse 8b des Gymnasiums am Rotenbühl mit ihrem Stratosphärenballon.
Die Schüler der Klasse 8b des Gymnasiums am Rotenbühl mit ihrem Stratosphärenballon. FOTO: Heiko Lehmann