Zeitreise ins Mittelalter

Das waren Zeiten, als es noch keine Mikrofone und keinen Motorantrieb gab. Und man sozusagen alles von Hand machen musste – zum Beispiel auch das Kerzenziehen, wie es Kinder im Schlosspark selbst erlebten.

Eine solche Stimme hat wohl niemand ringsum der jungen Dame im mittelalterlichen Kleid zugetraut. "Geeeeeeeeeeeeeeee-branntes", brüllt sie lautstark und trifft ihre Zuhörer bis ins Mark. Leckere Schnäpse will die Holde verkaufen, so wie man es vor mehreren hundert Jahren auf den Jahrmärkten getan hat. Und wer auf sich aufmerksam machen wollte, konnte sich damals nicht auf Mikrofon und Verstärker verlassen, brauchte ein kräftiges Organ. So wie die Spirituosenverkäuferin auf dem Mittelaltermarkt, der am Wochenende auf dem Schlossparkgelände zu Gast war.

In dieser Verkleidung kennt man sie als "Schnapsdrossel". So stellt sie auch Carolan Lieb vor, der im knalligen Gelb den Markt-Herold gibt. "Meine Aufgabe ist es, die Erlasse des Landesherren zu verkünden", informiert er. Zum Beispiel: "Ihr dürft das Bier nicht mit so viel Wasser brauen." Oder: "Keine Sägespäne in den Brotteig mischen."

Herold Lieb hat allerhand Handwerker dabei, die zeigen, wie die Vorfahren ohne moderne Technik produzierten. Der Krugmacher muss zum Beispiel seine Töpferscheibe selbst antreiben - mit den Füßen über ein Wagenrad. Beim Kerzenziehen dürfen die Kinder unter den Marktgästen mitmachen. Sie erfahren, dass man dazu viel Geduld braucht. Denn bis die Kerze eine brauchbare Dicke hat, muss man den Docht häufig ins flüssige Wachs tauchen und abtropfen lassen. Das dauert mindestens eine Viertelstunde. Noch länger dauert es beim Bogenmacher, wo Johanna und Marlen sich ihren eigenen Bogen basteln. Zunächst müssen sie das Holz bearbeiten - mit einer Art Schäler, damit der Bogen später beim Gebrauch nicht splittert. Für Spaß ist auch gesorgt. Wer Sternentaler einfangen will, muss über die schräg gespannte Strickleiter zur Glocke gelangen, um diese zu läuten. Sogar ein mittelalterliches Karussell gibt es, eine Art Drachenschiff, das sich aber im Kreis dreht. Das Gefährt wird von drei, vier Männern sozusagen aufgezogen. Der große Ring, den die hölzernen Gondeln bilden, hängt mit Seilen an der Achse. Drehen die Männer nun den Ring in eine Richtung, wickeln sich die Seile um den Stamm, der die Achse bildet. Nach einigen Umdrehungen lassen die Männer den Ring los, und das Karussell geht dann sogar richtig flott. Gaukler Malonius ist für die Unterhaltung zuständig. Mal spielt er die Trommel in der Musikgruppe Dopo Domani. Dann jongliert er mit dem Diavolo, das er hoch in die Luft wirft. "Noch höher?", fragt er nach jedem Versuch. "Jaaaa!", feuert sein Publikum an. Der Gaukler legt immer noch eins drauf. Bis er den Wurf nur antäuscht und flunkert: "Das war jetzt bis in den Himmel und wieder zurück - noch höher?" "Jaaa!". Doch jetzt hat das Spiel sein Ende: "Noch höher kann ich nicht." Später wird er mit weiteren Akteuren eine Feuershow zeigen.

Allerhand Zeltlager säumen den Markt, die Saarländer Schotten etwa oder mauretanische Christen. Die Lust, einige Tage lang Jahrhunderte in der Zeit zurück zu reisen, ist für Herold Lieb auch eine Art Flucht: "Einfach mal den Alltag vergessen und abschalten."

Niko und Lukas interessieren sich für Waffen. Das Schwert dürfen die Jungs sogar halten. "Ist das schwer, aber auch scharf?" Nein. Scharf dürfen die Schwerter nicht sein, weil die Ritter sich manchmal Schaukämpfe liefern.