Rund um die Festivals: Völklinger Hütte im Ausnahmezustand

Rund um die Festivals : Völklinger Hütte im Ausnahmezustand

16 000 Besucher feiern Party ohne Ende und das störungsfrei. Reibungslos lief auch der Verkehr dank zahlreicher Ordnungskräfte.

Moderne, meist von der Elektronik geprägte Musik, machte Völklingen am Wochenende zur Pilgerstätte für die jungen Leute. Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie also in die Mittelstadt, um ihre Idole Sido, Lexy & K-Paul, Moonbootica und viele andere zu erleben und die Nacht auf Sonntag gar zum Tag zu machen. Landunter also für alles andere in diesen Tagen? Mitnichten, wie sich jetzt wieder zeigte.

Freitagabend, tiefe Bassbeats und meist aggressiv gesprochene Reime dröhnen beim Urban Art-Hip Hop Festival aus den Boxen der zahlreichen Bühnen zwischen Erzplatz und Schrägaufzug des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Während das ständig wachsende Partyvolk langsam auf Touren kommt, recken Autofahrer draußen die Hälse. „Was ist da denn los?“, steht jedem ins Gesicht geschrieben, der zum Straßenrand blickt, um einen kurzen Blick durch das geöffnete Stahltor hindurch zu erhaschen. Die jungen Fahrzeugführer, deren Ziel das Festival ist, wissen freilich. „Da muss es sein“, ist die Geste eines jungen Fahrers, der seinem Kennzeichen zu Folge aus dem Schwarzwald angereist ist, als er auf dem Scheitelpunkt der Wehrdener Brücke die alten Hochöfen entdeckt.

Also Parkplatz ansteuern, sich kurz orientieren und dann Party bis in die späte Nacht. Ab dem Wegweiser am alten Wasserturm ist alles straff organisiert. Trassierband versperrt den Weg in verbotene Bereiche.Ordner in gelben Warnwesten bauen Fluglotsen gleich Kontakt auf und weisen die Ankommenden auf kürzestem Weg in die nächste freie Parklücke. Sie achten auch darauf, dass möglichst kein Parkraum verschwendet wird, indem sich jemand zu viel Platz zum Seitenmann lässt. Muss auch so sein. Ist jetzt, am späten Nachmittag noch einiges an Platz da, wird er später proppenvoll sein. 6000 Besucher hat Konzertveranstalter Vier Plus Eins in Person von Thilo Ziegler, für das Electric Magnetic am Folgetag sollten es sogar 10 000 sein. Noch größer also die Leistung der Parklotsen später einzuschätzen, als nach Veranstaltungsende tausende Fahrzeuge gleichzeitig vom Parkplatz strömen. Da ging es trotz hohen ­Verkehrsaufkommens relativ zügig auf die Ausfahrtstraße und von dort aus in alle Richtungen. Überraschend wenig Fußgängerverkehr übrigens auf diesen Straßen am Weltkulturerbe vorbei. Der Großteil der Passanten nutzte gleich den Fußweg vom Parkplatz unter der Wehrdener Brücke hindurch zum Eingang nahe des Schrägaufzuges.

Den Lokführer der Saarstahl-Rail freut der zahlreiche Besuch offenbar, er grüßt freundlich mit dem Signalhorn. Ein Vorteil dieser Route für die Eintreffenden: Sie kommen gleich am Hauptverkaufsstand vorbei, um sich mit der Festival-Währung Coins einzudecken. Für die Vorbeifahrenden sind die jungen Festivalbesucher nur in den Stunden zu sehen, als die jeweiligen Festivals ganz langsam in Schwung kommen und die Einlässe gerade erst geöffnet werden. Dann erkunden sie in größeren Gruppen die Gegend oder suchen für ein kleines Weilchen noch ein bisschen Ruhe auf den Stufen rund um den Völklinger Platz. Wo sie durchaus auch das eine oder andere hinterlassen, das da nicht hingehört. Meist handelt es sich dann um Flaschen und Tetrapacks in allen Verbreitungsformen.

Findige Völklinger sind mit Einkaufswagen da, um vor allem Pfandflaschen einzusammeln. Ihre Namen wollen sie nicht nennen, dennoch gibt es Lob. Denn Christian Walter hat beobachtet: „Auch wenn mal eine Flasche zu Bruch geht, springen sie mit Kehrzeug herbei, um die Scherben zu beseitigen, es geht den Leuten also auch um die Sauberkeit.“

Zum Urban Art Hip Hop Festival kommen am Freitag (14.07.2017) Rund 6000 Besucher ins Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Im Bild: Zahlreiche Ordnungskräfte sorgen für die Sicherheit der Festivalbesucher. Foto: BeckerBredel. Foto: BeckerBredel
Kontraste: Auf dem Hüttengelände wird gefeiert vor den fünf Bühnen des Electro Magnetic Festivals. Draußen fahren nur noch vereinzelt Autos vorbei. Foto: BeckerBredel
Auch Miss Saarland 2015, Selina Metzger, besucht das Electro Magnetic Festival. Foto: BeckerBredel
Sorgfältige Kontrollen beim Einlass zum Electro Magnetic Festival. Die Besucher warten geduldig, bis sie in der Reihe vorrücken können. Foto: BeckerBredel

Bleiben ein paar Begleiterscheinungen, die eine solche Freiluft-Musikveranstaltung mit sich bringt. Je nach Windrichtung trägt es den Schall in die Stadtteile hinein. „Ist aber relativ ruhig, ich hätte mehr Lautstärke erwartet“, so Melanie Cartarius, Wirtin im Gasthaus Kraftwerk Wehrden auf der anderen Saarseite. Höhere Polizeifrequenz im Hüttenbereich, doch die Streifenwagen fahren meist unaufgeregt ihre Routen ab. Selten stoppen sie ein Fahrzeug mit jungen Kraftfahrern. Der Ausnahmezustand ist also außerhalb des Weltkulturerbes ausgeblieben. Und drinnen hat er sich auf das beschränkt, was sich alle wünschten: Party ohne Ende.

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