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Ärger über Windrad-Bau: Viele Fragen und heiliger Zorn

Ärger über Windrad-Bau : Viele Fragen und heiliger Zorn

Seit dem 11. Juni darf das Windkraft-Unternehmen DunoAir etwas tun, das ihm zuvor untersagt war: Es hat die Genehmigung erhalten, mit dem Bau des Windparks Bous zu beginnen. Anwohner aus Völklingen und Püttlingen sind auf der Palme.

Bis vor kurzem durfte die Windkraft-Firma DunoAir zwar eine ganze Menge tun im Wald zwischen Völklingen, Püttlingen und Bous. Bäume fällen. Wege befestigen und verbreitern. Kabel verlegen. Eines aber, das Wichtigste, durfte die Firma nicht. Nämlich mit dem Bau der drei Windräder beginnen, die sie dort errichten möchte und die sie Ende 2016 – mit Vorbehalten – genehmigt bekam. Definition für den Baubeginn, laut Genehmigungsbescheid: „Ausheben der Baugrube“.

DunoAir hatte Widerspruch eingelegt gegen die Bedingungen, mit der die Landesbehörden die Genehmigung versehen hatten. Anfang Juni hat das Umweltministerium über diesen Widerspruch entschieden. Es hat dabei an einer  „auflösenden Bedingung“ festgehalten: Ohne Zustimmung der Unesco zu den Windrädern, die im „Wirkraum“ des Weltkulturerbes Völklinger Hütte geplant sind, ist die Genehmigung hinfällig. Aufgehoben wurde aber eine „aufschiebende Bedingung“: Ursprünglich war es DunoAir untersagt, vor Eintreffen des Unesco-Votums mit dem Bau zu beginnen (wir haben berichtet). Und nun rollen seit dem 11. Juni Betonmischer und schwere Baufahrzeuge durch den Wald.

Die Anlieger,  vom Baubeginn überrascht, machen sich Sorgen.  Sie kämpfen gegen das Projekt, von dem sie ihre Wohnqualität, ihre Umgebung und ihr Eigentum bedroht sehen. Mit Zweifeln, vielen Fragen und großem Zorn kamen die Völklingerin Traudel Bennoit, die Püttlingerin Katja Bär-Hanuja und Norbert Schneider, Püttlinger auch er, als Vertreter der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Völklingen-Püttlingen-Elm (VPE) zum Gespräch in die Redaktion.

Auf was für ein Gutachten stützt das Ministerium seine Entscheidung, den Baubeginn jetzt doch zuzulassen?, fragen sie. Welche Wege sind den Baufahrzeugen erlaubt, welche nicht? Die geplanten Windrad-Standorte und auch die Wege dorthin liegen im Wasserschutzgebiet – wer kontrolliert, dass Lkws und Maschinen „sauber“ fahren? („Es gibt keinen Lkw, der kein Öl verliert“, sagt Schneider, Kfz-Fachmann von Beruf.) Wieso – wiederum Thema Wasserschutz – hat man DunoAir gestattet, neben Naturschotter auch Recycling-Schotter („in der Regel geschredderter Bauschutt“) zu verwenden? Undundund.

Die Anwohner vermuten, einerseits, dass die Windpark-Projektierer sich um Auflagen  wenig scheren. Denn sie stehen unter Zeitdruck: Die bis Ende 2016 gültigen, für sie sehr vorteilhaften Strom-Einspeisevergütungen erhalten sie nur, wenn die Windräder bis Ende 2018 am Netz sind – und allein der Bau der mehr als 200 Meter hohen Anlagen dauert   mehrere Monate.

Sie argwöhnen, andererseits, dass die Behörden für die Wünsche der Windkraft-Firma – sagen wir mal – ein offeneres Ohr haben als für die Bedürfnisse der Anwohner und die  Belange der Landschaft. Ihr Vorwurf: Das Verfahren sei für die Bürger alles andere als transparent. Es fällt das Stichwort „Mauschelei“.

Dem widerspricht Damian Müller, Sprecher des Umweltministeriums, energisch: Alle  Entscheidungen seien streng rechtsstaatlich gefallen. Umweltminister Reinhold Jost (SPD) habe gerade jüngst noch ausdrücklich angeordnet, die Bauarbeiten penibel zu überwachen und nicht den geringsten Verstoß gegen Vorgaben und Auflagen zu dulden. Und auf die Detailfragen der Anlieger hat Müller Antworten parat.

Auf dem Weg zur Windpark-Baustelle: Schweres Gerät, Betonmischer-Lkw inklusive, rollt am Montag über einen Waldweg in der Nähe des Püttlinger Mathildenschachtes. Foto: BeckerBredel
Traudel Bennoit, Katja Bär-Hanuja und Norbert Schneider (von links) beim Gespräch in der Völklinger SZ-Redaktion. Sie gehören der Bürgerinitiative an, die sich gegen den Bouser Windpark wehrt. Foto: BeckerBredel

Die Gegner des Windparks Bous haben zu ihren Widersprüchen noch keine Bescheide erhalten. Dadurch, sagen sie, können sie selber nicht die nächsten rechtlichern Schritte tun, sie fühlen sich ausgehebelt und eigener Handlungsmöglichkeiten beraubt. Alles in allem sei das ein „beispiellos Bürger verachtendes Vorgehen“ – so haben sie es formuliert in einem offenen Brief, den sie dieser Tage an Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) geschickt haben.