1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Völklingen

Störe in der Völklinger Meeresfischzucht: Vorgezüchtete Test-Fische teilweise krank

Störe in der Völklinger Meeresfischzucht: Vorgezüchtete Test-Fische teilweise krank

Zu den Hiobsbotschaften um die Völklinger Meeresfischzucht (MFV) gehören auch Meldungen über kranke Störe: Ein Drittel des Bestandes sei verendet, hieß es (die SZ berichtete). Was ist passiert, und welche Auswirkungen hat es? Stadtwerke-Prokurist Ralf Schmitt hat auf SZ-Nachfrage Auskunft gegeben.

Ja, es habe im Stör-Becken der Fischzuchtanlage kranke Tiere gegeben: Ralf Schmitt - er ist Geschäftsführer der Völklinger Verkehrsbetriebe, doch als Stadtwerke-Prokurist derzeit auch mit der Fischzucht befasst - redet nicht drumrum. Nur noch zwei Drittel der Störe am Leben? Ja. Aber: "Die kranken Fische haben wir gekeult", von daher passe das Wort "Fischsterben" streng genommen nicht. Schaden für die Meereesfischzucht? Ja. Aber begrenzt: Im Stör-Becken befinde sich derzeit nur ein "Testbesatz", sagt Schmitt, insgesamt waren es etwa 4500 Fische ; 1500 davon habe man töten müssen. Die übrigen 3000 seien gesund.

Was wurde getestet, und warum? Schmitt erklärt, dass in Völklingen zweierlei Störe schwimmen. Erstens Fische , die als kleine Setzlinge in die Anlage kamen. Zweitens - um früheren Ertrag zu erreichen - vorgezüchtete Störe. Die hatten die Völklinger 2011 in Sachsen gekauft, 40 Tonnen. Ein Zehntel davon wurde 2013 geliefert. Weil diese Störe bereits drei bis fünf Kilo wogen, sei es nicht möglich gewesen, sie in die "Eingangskontrolle" zu stecken, in der neu angekommene Fische normalerweise ein paar Wochen schwimmen. "Die vorgezüchteten Störe mussten wegen ihrer Größe direkt ins Becken", sagt Schmitt.

Das habe sich zunächst gut angelassen. Dann aber habe man Störe beobachtet, die apathisch im Becken schwammen und nicht fraßen. Sie wurden abgefischt und getötet. Ähnliches habe sich drei- bis vier Mal wiederholt, "in einer nicht logischen Kette". Das Verhalten der kranken Störe lasse Fachleute auf einen Virus schließen. Der Ablauf des Ganzen deute darauf, dass das Problem begann mit dem Einsetzen der vorgezüchteten Störe. Die wechselten dabei zugleich vom Süß- ins Salzwasser - das könne nach Experten-Ansicht einen Virus quasi "angeknipst" haben, der zuvor, im Süßwasser, unschädlich und unbemerkt blieb. Doch trotz enger Zusammenarbeit mit Veterinären gebe es noch keinen Befund; "wir tappen im Dunkeln". Der Krankheits-Verursacher könne kein Bakterium sein, "das steht außer Zweifel". Ansonsten aber hätten die Wissenschaftler noch keine Erklärung. Das habe zur Entscheidung geführt, keine neuen Störe einzusetzen, so lange Unklarheit besteht. Um des Tierschutzes willen, sagt Schmitt, und aus wirtschaftlichen Gründen.

Was wird aus den restlichen neun Zehnteln der Störe, die die MFV vor drei Jahren gekauft hat und für die sie seither Fütterungskosten zahlt? "Ich bereite zurzeit einen Verkauf vor", sagt Schmitt, und zwar an eine Süßwasser-Störzucht. Wenn er Angebote erhalte, werde er sie sofort dem Aufsichtsrat vorlegen. Der müsse später auch die "unternehmerische Entscheidung" treffen, ob es in Völklingen mit Stören weitergehen soll oder nicht.

Diese Fischart, sagt Schmitt, habe anfangs bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Anlage eine Rolle gespielt: Fleisch und vor allem Kaviar von Salzwasser-Stören würden hoch gehandelt, viel höher als Störe und Kaviar aus Süßwasserzucht. Nur müsse man bis zum Kaviar fünf bis sechs Jahre warten, auch unter Zuchtbedingungen ("in freier Wildbahn noch länger"). Kaufmännisch stelle sich die Frage, "ob das sinnvoll ist" - die Antwort sei Sache des Aufsichtsrats.

Das Stör-Becken sei "absolut getrennt" von den Zuchtbecken für Dorade, Wolfsbarsch und Kingfish, betont Schmitt; die anderen Fische "sind alle munter". Und in der Produktion habe man längst reagiert auf den schlechten Fisch-Absatz der ersten Monate. Mit halbierter "Wachstumsfütterung", damit die Fische nicht gar zu rasch größer werden. Und vor allem mit "weniger Nachbesatz"; nein, Gedränge in den Wasserbecken gebe es nicht. "Wir wissen, dass wir dann in ein paar Monaten eine Lücke haben werden, sobald der Vertrieb läuft", sagt Schmitt. Aber das lasse sich halt nicht vermeiden.