Vom Papierkram bis zum Möbelkauf

„Betreuung“, das ist mehr als nur rechtliche Vertretung. Betreuer helfen Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht (mehr) allein erledigen können, auch bei Persönlichem. Wir haben mit Betreuerinnen und ihren Schützlingen gesprochen.

Christel Korn (77) und Katharina Becker (92) kennen sich schon lange, früher arbeiteten sie gemeinsam bei der Post. Vor zweieinhalb Jahren wurde Korn zu Beckers rechtlicher Betreuerin bestellt. Sie übernahm die Aufgabe von deren Bruder. Die Völklingerin nimmt ihrem Schützling den Papierkram ab, führt Buch über die Ausgaben, schreibt den Jahresbericht fürs Amtsgericht. Man telefoniert regelmäßig miteinander, etwa einmal die Woche schaut Korn bei Becker im Alten- und Pflegeheim St. Josef vorbei. Für die Sorgen ihrer Bekannten hat sie immer ein offenes Ohr. Und einmal im Monat trifft man sich mit den ehemaligen Kollegen bei den Postsenioren. Die Arbeit macht der Betreuerin Spaß. "Wir kommen gut zurecht miteinander", bestätigt Katharina Becker.

Bereits vor rund 20 Jahren übernahm Korn ihre erste Betreuung, zurzeit kümmert sie sich um zwei Personen. Die Seniorin ist Mitglied der Fördergemeinschaft katholischer Betreuungsvereine. Der Verein, der kürzlich sein 20-jähriges Jubiläum feierte, vermittelt, berät und unterstützt ehrenamtliche Betreuer (wir berichteten). In den Räumen in der Völklinger Kreppstraße koordinieren die hauptamtlichen Kräfte Irmgard Wagner und Anette Aurnhammer die Arbeit der Ehrenamtlichen.

Der Verein vermittelte auch den Kontakt zwischen Helga Breinig (63) und ihrer Betreuerin Christine Pinkawa (69). Breinig lebt allein in ihrer Völklinger Wohnung. Regelmäßig besucht sie den "Teekessel", das Tageszentrum für psychisch kranke Menschen. Eine Haushaltshilfe unterstützt sie einige Stunden in der Woche. Und auch auf die Hilfe ihrer Betreuerin kann sie sich verlassen. "Ich kümmere mich um alles, was anfällt", berichtet Christine Pinkawa. Die Betreuerin geht mit Breinig zum Arzt, organisiert den Kauf von Waschmaschine und Wohnzimmerschrank. Oder sie fährt mit ihrem Schützling nach Saarlouis ins Eiscafé. "Sie ist ganz lieb", sagt Helga Breinig. Die beiden verstehen sich. Dabei gab es zu Beginn durchaus Schwierigkeiten. Breinig musste sich erst daran gewöhnen, mit einem kleinen Taschengeld auszukommen.

Gibt es Probleme, stehen die beiden Expertinnen vom Betreuungsverein mit Rat und Tat zur Seite. Auch wenn wichtige Entscheidungen - etwa im medizinischen Bereich - anstehen, ist deren Meinung gefragt. Stellt sich heraus, dass die Chemie nicht stimmt, kann der Betreuer gewechselt werden. Aber das kommt selten vor. "Etwa zweimal im Jahr", schätzt Irmgard Wagner. 176 Personen wurden im vorigen Jahr von den Vereinsmitgliedern ehrenamtlich betreut.

Kontakt: Fördergemeinschaft katholischer Betreuungsvereine im Regionalverband Saarbrücken, Kreppstraße 1, 66333 Völklingen . Telefon (0 68 98) 29 55 07.

skfm-vk.de

Zum Thema:

HintergrundDas Betreuungsgericht kann nach Paragraf 1896 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unter bestimmten Voraussetzungen eine Betreuung anordnen, wenn der Betroffene seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst wahrnehmen kann. Die Betreuung ist im Gesetz zunächst als ehrenamtliche Tätigkeit vorgesehen und soll nur ausnahmsweise beruflich ausgeführt werden. Pro betreute Person erhält der ehrenamtliche Betreuer eine Aufwandsentschädigung von 399 Euro jährlich. tan