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Mit der Taschenlampe auf Erkundungstour

Mit der Taschenlampe auf Erkundungstour

Jährlich lockt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte über 100 000 Menschen an. Sie besuchen das Industriedenkmal für gewöhnlich bei Tageslicht. Am Mittwochabend jedoch nutzte eine Gruppe von rund 250 Personen die Möglichkeit, das Hüttenareal bei Anbruch der Dunkelheit mit Taschenlampen zu erkunden.

Mittwochabend, halb acht. Obwohl das Weltkulturerbe Völklinger Hütte bereits geschlossen hat, hat sich eine große Menschenmenge vor dem Eingang versammelt. Den Regenschirm in der einen, die Taschenlampe in der anderen Hand. Das muntere Gemurmel verstummt, als ein Mann mit einer Fackel die Szenerie betritt. Der Fackelträger ist Projektleiter Hendrik Kersten, der die Anwesenden herzlich zur Taschenlampenführung auf dem Gelände des Industriedenkmals begrüßt. Dem Regenwetter zum Trotz nehmen rund 250 Besucher an der abendlichen Führung teil und nutzen die seltene Gelegenheit, die Völklinger Hütte bei Dunkelheit zu erleben. Den Auftakt bildet die spektakuläre Sicht auf das bunt erleuchtete Hüttenpanorama mit Hochöfen, Wasserturm und Schrägaufzug. Während es an Sinteranlage, Möllerhalle und Hochofenbüro vorbeigeht, erzählt Kersten vom harten Alltag der Arbeiter, von der Stilllegung der Hütte 1986 und davon, wie sie Weltkulturerbe wurde.

Das Besondere an der Führung ist nicht nur, dass sie bei Dunkelheit und Fackelschein stattfindet, sondern auch, dass die Besucher Bereiche betreten dürfen, die der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen bleiben. "Selten kommen Sie dem Herzen der Hütte so nah wie heute", verspricht Kersten. Und so finden sich die Gäste plötzlich unter der Erzhalle wieder. Durch die Cowpergasse, die die Möllerhalle mit der Hochofengruppe verbindet, dringen sie weiter auf unbekanntes Terrain vor.

Da die kostenlose Führung in den Herbstferien stattfindet, sind viele Eltern mit ihrem Nachwuchs unterwegs. Die Kinder bringen mit ihren Taschenlampen Licht in dunkle Ecken und staunen mit aufgerissenen Augen und offenen Mündern, wann immer sie etwas Spannendes entdecken. Kersten verrät ihnen, dass auf dem Hüttengelände der fünfte Teil der Jugendreihe "Die wilden Kerle" gedreht wurde. Die eindrucksvolle Kulisse diente aber auch dem saarländischen "Tatort" bereits als Filmset. "Hier wurde eine Leiche gefunden": Kersten deutet in einen Winkel der Cowpergasse. Unzählige Taschenlampen folgen seinem Zeigefinger. Auch Horrorfilme wären in dieser Szenerie gut vorstellbar. Wann immer Regentropfen auf die heißen Scheinwerfer fallen, steigt Dampf auf und verleiht der Gasse ein unheimliches Ambiente.

Nach einer Stunde ist Kerstens Fackel heruntergebrannt und die Gruppe wieder am Ausgangspunkt angelangt. Dem Ehepaar Müller, das das Weltkulturerbe schon bei Tageslicht besichtigt hat, hat die Taschenlampenführung gut gefallen. "Diese Tour bot einen völlig anderen Blickwinkel", meint Herr Müller. "Es war faszinierend." Eine andere Besucherin hätte sich hingegen mehr Informationen gewünscht.

Aber bei der Taschenlampenführung, so sagt es jedenfalls Hendrik Kersten, gehe es weniger darum, Fachwissen zu vermitteln. "Im Mittelpunkt steht das persönliche Erleben. Würde ich zu viel reden, würde ich den Zauber des Augenblicks zerstören. Stattdessen soll jeder Besucher die besondere Atmosphäre auf sich wirken lassen."