Mindestens um eine Klasse besser

Die Handballer der HSG Völklingen erwischten nicht ihren besten Tag – und waren gegen die VTZ Saarpfalz II dennoch in allen Belangen überlegen. Durch das 31:15 kletterte Völklingen in der Saarlandliga auf Platz zwei.

Wenn ein Trainer in einem Handballspiel seine Grüne Karte über die gesamte Spielzeit nicht nutzt und somit keine Auszeit nimmt, sagt das viel über ein Spiel aus. Am Sonntagabend hat wohl auch Berthold Kreuser so gedacht. Seine HSG Völklingen wirkte im Heimspiel gegen das Saarlandliga-Tabellenschlusslicht VTZ Saarpfalz II zu dominant, als dass er auf das Geschehen auf dem Parkett hätte Einfluss nehmen müssen. Auch wenn die HSG nicht ihren besten Tag erwischte und viele Chancen ungenutzt ließ, gewannen die Hüttenstädter mit 31:15 (15:5) und kletterten auf den zweiten Tabellenplatz.

"Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass wir heute kein gutes Spiel gemacht haben. Wenn man auf einen Gegner trifft, bei dem gar nichts geht, fängt man an nachzudenken, wenn man dann selbst Fehler macht. Dann beginnt das eigene Niveau zu leiden und 60 Minuten fühlen sich an wie zwei Stunden", versuchte Kreuser, das gerade Erlebte in Worte zu fassen: "Vor der VTZ muss ich aber meinen Hut ziehen. Dass sie mit so wenig Personal angetreten sind, ist aller Ehren wert." Tatsächlich war den rund 150 Zuschauern in der Hermann-Neuberger-Halle schon nach rund zehn Minuten klar, wer das Feld nach dem Schlusspfiff als Sieger verlassen sollte. Die Völklinger Hausherren präsentierten sich in allen Bereichen überlegen - individuell, Deckung, Umschaltspiel, Variantenreichtum im Angriff. Kurzum:Völklingen war in allen Punkten mindestens um eine Klasse besser.

Nach einer kurzen Abtastphase begannen die Hausherren, ihr Programm abzuspulen und kamen durch nahezu alle Spieler zu Torerfolgen. Besonders mit dem 18-jährigen Niklas Louis und seiner Schnelligkeit kamen die Gäste überhaupt nicht zurecht. Über ein 5:2, 9:4 und 12:5 ging es beim Stand von 15:5 in die Kabine. Louis hatte zu diesem Zeitpunkt sieben Mal getroffen. Am Ende war er mit zehn Toren bester Werfer der Partie.

Dass es nach dem Seitenwechsel für die VTZ nicht besser werden sollte, verriet ein Blick auf die Gästebank, auf der nur zwei Spieler auf ihre Einwechslung warteten. Nach dem Wiederanpfiff schaffte es die VTZ einige Minuten lang, dass der Abstand nicht größer wurde. Doch sobald die Zweibrücker trafen, zappelte der Ball in den meisten Fällen einige Sekunden danach wieder im eigenen Netz. Wenn Torgefahr von der VTZ ausging, war meist der Rückraumspieler David Biehl beteiligt. Er wurde am Ende mit neun Toren erfolgreichster Werfer seiner Mannschaft.

Die HSG Völklingen machte in der zweiten Hälfte stoisch weiter, wo sie aufgehört hatte, und zog immer mehr davon. Das 31:15 durch Niklas Hoff war der Schlusspunkt der einseitigen Partie. "Man konnte heute schon von einem Klassenunterschied sprechen. Für uns war es eine Pflichtaufgabe, die wir souverän erfüllt haben", sagte der Völklinger Kapitän Pascal Simon nüchtern. "Unsere Torausbeute war nicht gut, außerdem haben wir für meinen Geschmack vier, fünf Tore zu viel bekommen. Wenn man aber Sonntagsabends um halb 10 mit 15:5 führt, ist die Motivation nicht mehr sonderlich hoch. Wir müssen jetzt konzentriert weiterarbeiten. In den nächsten Wochen haben wir mit Merchweiler und Brotdorf entscheidende Spiele vor der Brust", sagte Simon weiter.