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Fenner Bürger wollen Freier vergraulen

Fenner Bürger wollen Freier vergraulen

Wenn das geplante Großbordell in Fenne nicht zu verhindern ist, soll es dort zumindest so ungemütlich wie nur möglich werden. Die Palette reicht von häufigen Polizeikontrollen bis hin zu Privatanzeigen gegen Falschparker.

Unbequem wollen die Fenner sein. Für alle die, die in ihrem Stadtteil mit Liebesdiensten Reibach machen wollen und für Freier, welche die Dienste der Prostituierten im geplanten Großbordell auf dem Glashüttengelände in Anspruch nehmen möchten. Das war das Ergebnis des 30. SPD-Treffens des Ortsvereins Fenne , am Donnerstagabend tagten die Sozialdemokraten mit acht Bürgern des Stadtteils im Klarenthaler Gasthaus "Zum Mühlenfeld". Sehr zum Ärger von Gerhard Fries, der beim Treffen die Interessengemeinschaft gegen das Fenner Bordell vertrat, ist die Ausgangslage für die Anwohner schlecht. Wie die Expertin aus dem saarländischen Justizministerium, Michele Bucher-Rixecker, bei dem Treffen erläuterte, böten weder der gültige Bebauungsplan noch das Prostitutionsgesetz Angriffsflächen gegen den Puff-Betrieb: "Die Anwohner-Bedenken können einfach dadurch ausgehebelt werden, dass ein ausreichender Sichtschutz angebracht wird." Die Ausweitung eines Sperrbezirks betreffe nur die Straßenprostitution. Bucher-Rixecker warb deshalb dafür, bei den zuständigen Bundestagsabgeordneten darauf zu pochen, dass ein - neu zu verfassendes - Prostitutionsstättengesetz den Betrieb solcher Bordelle unwirtschaftlich mache und zum Beispiel durch eine Meldepflicht erschwere. Ansonsten bleibe die Möglichkeit, Anbieter und Kunden zu vergrämen - etwa durch verstärkte Polizeipräsenz und regelmäßige Identitätskontrollen. Anwohner könnten Falschparker anzeigen, die ein solches Etablissement in der Regel mit sich bringe.

Die stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Ortsrats-mitglied Beate Wiethaus, gab sich kämpferisch: "Wir müssen schon im Vorfeld ankündigen, dass wir aufpassen werden."

Außerdem will sie politische Schritte einleiten: "Ich werde im Ortsrat beantragen, dass in öffentlicher Sitzung darüber diskutiert wird, ob wir den Stadtrat auffordern sollen, das betreffende Gebiet in ein Mischgebiet umzuwidmen und gleichzeitig bestimmte Gewerbe auszuschließen."

Weiter kündigte die diplomierte Verwaltungswirtin an, kritisch zu beobachten, ob die Verwaltung tatsächlich alle Mittel ausschöpfe. Und sie forderte die Bürger auf, aufmerksam die amtlichen Bekanntmachungen zu lesen und Einspruch gegen Vorhaben einzulegen, die im Zusammenhang mit dem Bordellbetrieb ständen und sich in der Offenlegung befänden - immer wieder und mündlich zur Niederschrift.

Es war sogar die Rede davon, die Verwaltung damit zeitweise lahm zu legen, auch Oberbürgermeister-Sprechzeiten sollten die Bordellgegner für ihre Ziele nutzen. Getreu dem neuen Fenner Motto: "Wir sind ungemütlich und unbequem."