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Aus der Bürgerstiftung wird nichts

Aus der Bürgerstiftung wird nichts

Anfang 2013 haben engagierte Völklinger den Verein „Initiative Bürgerstiftung Völklingen“ gegründet. Bürger setzen sich ein für Stadtgestaltung, so war es gedacht. Doch jetzt fehlen Fachleute – der Verein löst sich auf.

"Wir sind die Abwickler", sagt Hans Netzer lakonisch. Der Sozialdemokrat, der bis 2003 als Oberbürgermeister Völklingens Verwaltung führte, ist zusammen mit Helmut Umla, dem früheren Leiter des Warndtgymnasiums, in die Völklinger SZ-Redaktion gekommen, um vom Ende eines ehrgeizigen Projekts zu berichten: Der Verein "Initiative Bürgerstiftung Völklingen " löst sich auf.

Ende 2012 waren die engagierten Völklinger, damals noch eine lose Gruppe, erstmals an die Öffentlichkeit getreten - mit kritischen Anmerkungen zu Bau-Plänen der Stadt. Der frühere Landesminister Rainer Wicklmayr (CDU ), Alt-Oberbürgermeister Hans Netzer (SPD ), Ex-CDU-Fraktionschef Gerhard Scherschel, Oberstudiendirektor a. D. Helmut Umla, der frühere Stadtarchivar Hans Obermann und die Völklinger Architekten Dietmar Hoffmann und Holger Schwartz forderten, die Umgebung der Versöhnungskirche so zu gestalten, dass sie des Kirchen-Denkmals würdig sei. Und sie warnten davor, das Kolpinghaus in der Bismarckstraße zu ersetzen durch eine bunte Container-Landschaft. Das hatte die Stadt vorgeschlagen, um trotz kommunaler Geldnot den Kindergarten St. Eligius erweitern zu können. Doch damit erzeuge man einen fatalen Bruch im Stadtbild, sagte Gruppensprecher Wicklmayr. Und mahnte bei der Bau-Gestaltung zudem Bürgerbeteiligung an.

Stadtgestaltung und Stadtentwicklung zu fördern und beides transparent zu machen für die Bürger, das schrieb sich die - inzwischen gewachsene - Gruppe auch bei der Vereinsgründung Anfang 2013 auf die Fahne. Der Verein wollte, so formulierte es Gründungsvorsitzender Holger Schwartz, "Völklingen in die Köpfe und in die Herzen bringen". Mit Hilfe einer Stiftung, für die er um 30 000 Euro Startkapital warb; sie sollte Völklingens Entwicklung aktiv begleiten, nicht gegen die Verwaltung, sondern in Zusammenarbeit mit ihr. Der Verein nahm sich öffentliche Aktivitäten vor, mit den Bürgern, für die Bürger. Von Diskussionsveranstaltungen war die Rede, von Foto- und Gestaltungswettbewerben.

Bei einem "Bürgerfrühstück" im Juni 2013 brach die Initiative ein Tabu. Dass das geplante City-Center scheitern und man einen Alternativplan brauchen könne für die Innenstadt, war bis dahin nur hinter vorgehaltener Hand geraunt worden - an diesem Sonntagvormittag war davon erstmals öffentlich die Rede. Schwartz schaltete sich mit einer Vision für "Völklingen 2033" in die Innenstadt-Debatte ein (wir berichteten).

Die Resonanz hielt sich freilich in Grenzen. Und danach wurde es still um den Verein. Vorstandsmitglieder seien nach und nach "von der Fahne gegangen", berichten Umla und Netzer jetzt. Auch Schwartz selbst, er gehe aus beruflichen Gründen nach Freiburg - Netzer hat den Vorsitz übernommen. Doch dem Verein fehlten jetzt Vorstandsmitglieder mit der nötigen stadtplanerisch-architektonischen Kompetenz, beklagen die beiden. Und die Idee einer Stiftung sei "nicht so einfach", sagt Vereins-Schatzmeister Umla rückblickend: Beim heutigen niedrigen Zinsniveau "kann man damit gar nichts machen".

Immerhin, Völklinger Geldinstitute und Firmen hätten sich als Stifter engagiert. Etwa 12 000 Euro Stiftungskapital seien zusammengekommen plus einiges an Mitgliedsbeiträgen. 13 500 Euro habe man nun der Stadt angeboten, um Gestaltungs-Extras im Umfeld der Versöhnungskirche zu finanzieren. Anfang Juli, sagt Netzer, habe er den Brief abgeschickt. Noch gebe es keine Antwort.

Meinung:

Vom Tiger zum Bettvorleger

Vereins-Schatzmeister Helmut Umla (links), ehemals Schulleiter am Warndtgymnasium, und Alt-OB Hans Netzer, derzeit Vorsitzender der Initiative, beim Redaktionsgespräch. Foto: Becker & Bredel. Foto: Becker & Bredel

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet? "Ja, es ist die Bettvorleger-Situation", räumt Alt-OB Hans Netzer ein: Der Versuch, Völklingens Bürger zum Engagement für Völklingens Stadt-Gestalt zu bewegen, ist gescheitert.

Ein Grüppchen aus "Honoratioren" und Architektur-Profis hatte ihn vor zweieinhalb Jahren begonnen, nachdenklich, sachkundig, leidenschaftlich. Aber die Leidenschaft hat nicht genug weitere Bürger mitgerissen, hat die Verwaltung nicht zur Kooperation bewegt. Die Ausdauer der Gründungsmitglieder hat nicht gereicht, um Durststrecken zu überbrücken - was man niemandem vorwerfen kann, vor allem denen nicht, die noch im Berufsleben stehen. Und was die Stiftungs-Form betrifft, war der Optimismus wohl zu groß. Die Initiative hatte erfrischend und ermutigend begonnen. Schade, dass sie nun endet.

Gründungsmitglied Helmut Umla schaut gelassen zurück. Nein, keine verlorene Zeit, sagt er: "Es waren immer interessante Gespräche."