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„All meine Geschichten träume ich nachts“

„All meine Geschichten träume ich nachts“

Mit einem eigenen Bauernhof und viele Tieren bleibt nicht mehr viel Freizeit übrig. Doch die nutzt die Völklinger Autorin zum Schreiben. Dabei lässt sie sich von allem was ihr oder anderen passiert, inspirieren.

"Ich muss nicht die Sachen von irgendwelchen Leuten lesen, ich schreibe jetzt einfach mein eigenes Buch", verkündete Jennifer Alice Jager schon mit sechs Jahren. Und tatsächlich schrieb und malte Jager ihr "Erstlingswerk", mehr mit Bildern als mit Worten, trotzdem aber eine zusammenhängende Geschichte. "Leider ist mein frühestes Buch verloren gegangen", bedauert die Autorin der Etherna-Saga heute.

"Aus allen Dingen, die passieren, nehme ich meine Inspiration. Ich denke immer, eine Geschichte kann ja nur dann funktionieren, wenn man etwas selbst erfahren kann".

Worte einer jungen Frau, die ihren Platz in der Welt gefunden hat und weiß , was sie glücklich macht. "Schreiben tue ich eigentlich schon immer, von klein an", überlegt sie, während sie beim Interview versonnen das Fell ihres besten Freundes krault. Che der Husky, ist ihr Vertrauter, ihre Bezugsperson. Er gibt ihr den Ausgleich, den sie für ihr stressiges Leben und ihren vollgepackten Alltag so braucht.

Allein mit der Arbeit mit den Tieren hat die gelernte Mediengestalterin tatsächlich eine Menge zu tun, denn sie lebt in Völklingen quasi auf ihrem ganz privaten Bauernhof. Bevor Jager zum Schreiben kam, hat sie meist gemalt und gezeichnet: "Ich bin ein bisschen ungeduldig und beim Zeichnen ist schneller was aus dem Kopf draußen." Mit zwölf Jahren war die erste richtige Story entstanden, die ein Buch werden sollte, doch wie das Leben so spielt, ging sie beim Absturz ihres Laptops damals verloren. "Danach habe ich eine ganze Zeit nicht mehr geschrieben, das hat mich doch ziemlich zurückgeworfen." Viel gezeichnet hat die ehemalige Waldorfschülerin stattdessen, musste die ganzen Geschichten und Bilder loswerden, die sich in ihrem Kopf sammelten. Nach ihrem Schulabschluss ging sie für ein Jahr nach Japan, gab dort Kunstunterricht an Volkshochschulen und Privatunterricht.

"All meine Geschichten träume ich nachts. Früher hab ich auch am Tag noch weitergeträumt, aber inzwischen bin ich ein bisschen mehr erwachsen geworden." Auch Sen, einer der Charaktere der Etherna-Saga, hat sie in ihren Träumen derart berührt, dass sie nach all den Jahren wieder angefangen hat zu schreiben.

Zuerst nur das erste Kapitel, das ihre Mutter lesen durfte. "Die hat mich verflucht, weil es danach nicht mehr weiterging. Also hab ich's fertig geschrieben." Knapp zwei Jahre Arbeit bedeutete der erste Band der Trilogie, der in Fantasykreisen super angenommen wurde. "Ich bin in die Szene reingestolpert und hätte nie gedacht, dass ich so angenommen werde" Tränen laufen Jennifer über die Wangen, als sie über ihre treuen und zahlreichen Fans redet, die sie zeitintensiv via Internet oder Autogrammstunden betreut. "Ich konnte meine Geschichte mit anderen Menschen teilen und die haben dasselbe empfunden wie ich, das ist einfach das Größte an der ganzen Sache. Das entschädigt für die ganze Arbeit und Zeit, die man investiert." Auf Zettel und von Hand kritzelt Jennifer ihre Geschichten, "damit ich auch zwischendrin mal abtauchen kann", rennt ab und an panisch durchs Haus, auf der Suche nach einer verschollenen Seite. "Ich war schon immer ein sehr verträumter Mensch", schmunzelt sie, genau das ist es vielleicht, was die junge und erfolgreiche Frau so sympathisch und auch authentisch macht. Das neue Buch von Jager, ihr Märchen "Sinabell", erscheint am 7. Februar.

etherna-saga.de