Beim Wohnen ist es zu schaffen

Bis Mitte Februar werden 569 Kriegsflüchtlinge in Völklingen leben. 47 Kinder, die noch kein Deutsch können, besuchen Völklinger Grundschulen. Mit diesen und anderen Zahlen hat sich am Donnerstagabend der Völklinger Stadtrat befasst.

"Bericht zur Flüchtlingssituation in Völklingen ": Für diesen Tagesordnungspunkt brauchte der Völklinger Stadtrat am Donnerstagabend mehr Zeit als für alles andere. Kurt Kasper, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus, hatte aktuelle Zahlen parat. 505 Flüchtlinge , die das Land aus der Erstaufnahmestelle Lebach an die Stadt weiterverwiesen hat, leben zurzeit in Völklingen , 64 weitere sind bis zum 17. Februar "zugewiesen" - insgesamt 569 Menschen, die meisten Syrer. Hinzu kommen 65 unbegleitete Jugendliche; 47 von ihnen, berichtete Kasper, leben auf dem Heidstock, 18 in Ludweiler.

70 Prozent der Flüchtlinge hat die Stadt in Wohnungen der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften GSW und ABG 04 einquartiert, 30 Prozent in Privatwohnungen. Dort greift seit Januar eine Änderung: Mussten Privat-Vermieter zuvor mit jedem einzelnen Flüchtling einen Vertrag schließen, mietet nun die Stadt und rechnet ab. Dadurch, so Kasper, steige die Zahl der Privat-Angebote.

Was offenbar nötig ist, der kommunale Wohnungsbestand kommt an Grenzen. Vier Zuschuss-Pakete aus dem Wohnraum-Programm des Landes seien bewilligt, zwei weitere beantragt; wenn das "durch" sei, dann sei der gesamte GSW- und ABG-Bestand an Sozialwohnungen saniert. Nicht nur für Flüchtlinge , betonte Kasper, sondern auch für andere Bedürftige. Zusätzlich wolle die Stadt in der Zilleichstraße Familien-Wohnungen herrichten. Und zwei Investoren stünden bereit, um "größere Einheiten" zu schaffen, einmal acht, einmal 28 Wohnungen .

"Wohnungstechnisch bekommen wir das hin", lautete Kaspers Fazit. Das größere Problem sei die Betreuung der Flüchtlinge : "Wir müssen die Leute schleunigst in Deutschkurse bringen und ihnen unsere Wertvorstellungen vermitteln", mahnte Kasper.

49 Jugendliche würden in Extra-Schulklassen auf dem Bachberg betreut. Elf Flüchtlingskinder seien in den sechs städtischen Kitas angemeldet. 47 Kinder - alle ohne Deutschkenntnisse - besuchten Völklinger Grundschulen , allein 22 die Schule Bergstraße/ Röchlinghöhe. Noch müsse man keine zusätzlichen Klassen einrichten. Aber Familien-Nachzug könne "die Situation verschärfen". Dann seien Probleme absehbar: zu wenig Räume, zu wenig Personal; da müsse man rechtzeitig vorsorgen.

Integration: Was kann die Stadt da tun, was tut sie?, fragte Brunhilde Folz (SPD ). Kasper verwies auf Deutschkurse, etwa an der Volkshochschule oder unter Leitung von ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuern. Auch die Ehrenamtler, sagte Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ), "machen Werte-Vermittlung, und das ziemlich gut". Folz war nicht zufrieden: "Wir können das nicht einfach auf die Ehrenamtler abschieben, das muss fachlich gemacht werden", sagte sie. Pragmatiker Kasper hielt dagegen: "Wir tun alles, um den Flüchtlingen eine Wohnung zu verschaffen - aber damit sind wir auch am Ende unserer Kräfte."

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Schlüssel, nach dem Flüchtlinge auf die Bundesländer und weiter auf die Kommunen verteilt werden, sieht nach Auskunft von Kurt Kasper, dem zuständigen Fachbereichsleiter im Völklinger Rathaus, so aus: 1,22 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland muss das Saarland aufnehmen.15,69 Prozent davon weist das Land dem Regionalverband zu. (Dabei bleibt die Stadt Saarbrücken außen vor; sie erhält - gesondert - 19,55 Prozent der saarländischen Flüchtlinge zugewiesen.) 25,55 Prozent der Flüchtlinge im Regionalverband muss die Stadt Völklingen unterbringen. dd