So hört sich Heimat an

Wie kriegt man Kinder zum Zuhören? Dieser Frage gingen Sulzbacher Pädagogen nach. Mit erstaunlichen Ergebnissen, die ihre Schüler zusammentrugen. Im Mittelpunkt stand die Heimat – abseits des Visuellen.

Was ist eigentlich Heimat ? Ist es ein Gefühl oder ein Geruch oder vielleicht sogar ein bestimmter Klang? Und wenn es ein Geräusch ist, wie hört es sich dann an? Mit dieser Frage haben sich die Siebtklässler der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark in Sulzbach in ihrem Projekt "Wie klingt Heimat " unter der Betreuung des Liquid Penguin-Ensembles und Unterstützung von Mediencoach Boris Theobald auf kreative Weise sowohl musikalisch als auch journalistisch auseinandergesetzt und die Ergebnisse gestern Bildungsminister Ulrich Commerçon , der Schulleitung und der anwesenden Presse vorgestellt.

So unterschiedlich, wie verschieden die Vorstellungen von Heimat sein können, waren auch die Endprodukte. So verbindet der eine das Geräusch von spritzendem Fett und zischendem Fleisch, das die Mutter in der Küche brät, mit Heimat , während es für den anderen das Knattern der Züge ist, die an seinem Schlafzimmer vorbeifahren.

Da die Assoziationen mit Heimat so individuell sind, konnten die Kinder sich hier kreativ ausleben. "Wir haben uns die Struktur überlegt, wie man dabei vorgehen kann", erzählt Katharina Bihler von Liquid Penguin, welche die Kinder bei ihrem Projekt betreut hat, "ansonsten war es den Schülern selbst überlassen, wo sie hingehen, ob sie Sachen mitbringen, Geräusche imitieren oder sich Geschichten überlegen."

Ein paar Schüler haben den Sulzbacher Stadtpark besucht, das Geräusch spielender Kinder, rauschenden Wassers, von Fröschen und Enten aufgenommen. Andere haben die Geräusche ihres Schulwegs mit Worten und Verben nachgesprochen, das Knarren und Quietschen, Klappern, Klackern und Hämmern der Tür oder das Brummen, Gluckern, Summen, Rattern und Schnurren des Busses, der die Jugendlichen jeden Morgen zu Schule bringt.

Für das Projekt mussten die Kinder ganz genau hinhören und auf kleine Details achten, die ihnen sonst im Alltag meistens entgangen sind. "Das war ein guter Vorwand, um das Zuhören zu üben", sagt Musiklehrer Thomas Kallenborn, "sonst nehmen sie ihre Umgebung eher visuell war, jetzt mussten sie sich richtig konzentrieren." Außerdem hatten die Kinder dabei natürlich auch die Möglichkeit, einmal aus dem Schulalltag auszubrechen und ganz andere Seiten von sich zu zeigen sowie neues Potential zu entdecken.

Kein Wunder also, dass die Kinder dabei nicht nur viel Neues gelernt haben, sondern auch noch viel Spaß dabei hatten. "Es war schön, so etwas machen zu können, selber zu entscheiden und mit den Aufnahmegeräten zu arbeiten", erzählt Schülerin Anna-Lena. Und sie ist sich nach dem Projekt sicher: "Ich achte auf dem Schulweg jetzt viel mehr auf Geräusche und glaube, das Heimat aus ganz vielen Geräuschen besteht."

Bei einer Abschlussveranstaltung am 5. Oktober werden noch eimal alle Schüler ihre Projektarbeiten zum Thema "Wie klingt Heimat " vorstellen.