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Zur Völkerverständigung
Frauengespräche bei Kaffee und Gebäck

Gut besucht war das Interkulturelle Frauenfrühstück im Awo-Seniorenheim Auf der Schmelz in Sulzbach.
Gut besucht war das Interkulturelle Frauenfrühstück im Awo-Seniorenheim Auf der Schmelz in Sulzbach. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach . Beim Interkulturellen Frauenfrühstück stand das islamische Opferfest im Mittelpunkt. Rund 30 Teilnehmerinnen wurden gezählt. Von Anja Kernig

„So schläft ein Prinz bei der Awo.“ Mit einer Mischung aus Rührung und Begeisterung deutet Waltraud Trauthwein auf ein aus Decken improvisiertes Bettchen auf dem Boden, aufgeschlagen hinter einem der mit Grünpflanzen bestückten Raumteiler. Dort liegt ein Säugling: Der wenige Monate alte Junge, den die Geräuschkulisse nicht im Geringsten stört, heißt Amir. „Das bedeutet Prinz oder Engel“, strahlt die ehrenamtliche Awo-Helferin, „das hat mir seine Mutter erklärt“. Gemeinsam mit 30 weiteren Frauen aus Syrien, Pakistan, der Türkei, Italien, Griechenland, Albanien und Deutschland genießt Amirs Mutter das üppige Frühstück, das auf Tischen aufgebaut ist.


Gerade wurde das Büfett von Caritas-Mitarbeiterin Stefanie Schmidt eröffnet. Mit einem lauten Pfiff hatte sich Sprachvermittlerin Rana Baraque Gehör verschafft. Die syrische Berufsschullehrerin kennt die meisten der anwesenden, überwiegend jungen Frauen aus ihrem „Mama lernt Deutsch“-Kurs. Mit ihren Kindern sind sie ins Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt gepilgert, obwohl eigentlich gerade Weihnachten ist. Also quasi: „Die Frauen haben sich gewünscht, gemeinsam mit uns im Rahmen des Interkulturellen Frauenfrühstücks das Opferfest zu feiern und auch die Hintergründe zu diesem höchsten islamischen Fest zu erklären“, so Stefanie Schmidt.

Vier Tage dauert es und wird zum Höhepunkt des Haddsch begangen, der Wallfahrt nach Mekka. Zeitlich variiert das Opferfest, da es sich am Mondkalender orientiert und mit diesem meist elf Tage rückwärts wandert im Jahreslauf. Konkret gedenkt man des Propheten Ibrahim (Abraham), der nach muslimischer Überlieferung die göttliche Probe bestand, weil er bereit war, seinen Sohn Ismael (in der Bibel, Genesis 22, ist es Isaak) für Allah zu töten. Als Allah in letzter Minute darauf verzichtete, opferten Ibrahim und Ismail voller Dankbarkeit einen Widder. Was auch Anno 2018 gelte. „Zum Opferfest gehört das Schlachten, wobei man den größten Teil des Fleisches an Arme spendet“, erklärt Rana Baraque. Und außerdem? „Viele fasten die letzten zehn Tage.“ Generell sind die „Türen offen, man betet viel“, erzählt die dreifache Mutter. „Gott hört alles, was man sagt“. Familienbesuche stehen im Vordergrund, für die Kinder gibt es eine Art Kirmes und Geldgeschenke, „morgens werden ihnen neue Kleider aufs Bett gelegt“.



Und es wird natürlich geschmaust. Stefanie Schmidt kann sich zurzeit nicht retten vor Gebäck, das ihr die Frauen vorbeibringen. Auch auf der Frühstückstafel finden sich die süßen Teilchen, neben Pizza und Melonenscheiben, Reisbällchen und gefüllten Peperoni und vielem mehr. „Es ist toll, dass die Awo uns immer so herzlich empfängt“, freut sich die Caritas-Mitarbeiterin über die traditionell einmal im Jahr erfolgte Einladung inklusive Getränke, Brötchen, Käse - und Wurstplatten, die hier Auf der Schmelz spendiert werden. „Das machen wir gern“, meint Einrichtungsleiterin Nadine Becker. „Die Awo steht ja nicht nur für Altenpflege“, sondern tritt auch für Werte wie Integration und das Zusammenleben der Kulturen ein. Außerdem kommt so mal richtig „Leben ins Haus“ - wofür ein Dutzend Kleinkinder sorgten.

Neugierig hinzugekommen war Ruth Henzel. Die 85-jährige Heimbewohnerin, selbst Mutter von sechs Kindern und Uroma, trank gern einen Kaffee mit. Aber „gefrühstückt haben wir ja schon“. Zumal es 11.20 Uhr schon wieder Mittagessen gibt, heute Lyonergulasch. Die vielen stoffverhüllten Frisuren im Raum kommentiert die Seniorin trocken mit: „Bei uns geht hier niemand mit Kopftuch.“ Wobei es ja durchaus praktisch sei: „Die brauchen die Haare nicht zu machen.“