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Sorge um die Völklinger Meisterhäuser

Denkmalschutz : SZ-Leser sorgt sich um die Völklinger Meisterhäuser

Um 1906 wurden sie für leitende Angestellte der Völklinger Hütte gebaut, seit 2002 stehen die Häuser unter Denkmalschutz.

Die Meisterhäuser im Völklinger Stadteil Wehrden gammeln vor sich hin. Alexander Benzmüller aus Völklingen wandte sich deshalb in einer Mail an die Saarbrücker Zeitung: „Es ist traurig, mit anzusehen, wie dieses Anwesen immer mehr verkommt. Ein Schandfleck! Die Meisterhäuser sind eher Geisterhäuser.“ Diese historischen Bauten hatte um 1906 der Röchling-Architekt Hans Großwendt für leitende Angestellte der Völklinger Hütte gebaut, 2001 hatte sie die Stadt Völklingen gekauft.

Wie die SZ 2016 berichtete, hatte der damalige Rathauschef Hans Netzer (SPD) Ehrgeiziges mit ihnen vor: Er wollte die Häuser sanieren und für den groß geplanten Flusstourismus auf der Saar nutzen. Doch es passierte nichts.

2002 wurden die Häuser unter Denkmalschutz gestellt und wegen der Nähe zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte als besonders kostbares Ensemble bewertet.

Die Gemeinnützige Städtische Wohnungsgesellschaft (GSW) versuchte, die Häuserzeile zu vermarkten. Aber vergeblich. Der Denkmalschutz-Status schrecke potenzielle Investoren ab, da er mit hohen Kosten verknüpft sei, hieß es. Die Meisterhäuser, teils bewohnt, teils leer, fielen in einen Dornröschenschlaf. Saniert wurde nicht, und die Bausubstanz litt.

2016 sollte sich das ändern. Die GSW verkaufte die Häuser an eine private Investorengruppe. Und wieder geschah nichts. Stadtpressesprecher Sebastian Feß sagt: „Der Bauzustand der Meisterhäuser hat sich in den vergangenen Jahren sichtbar verschlechtert. Es ist zu bedauern, dass die von der Eigentümergemeinschaft angekündigten Modernisierungsmaßnahmen noch nicht eingeleitet wurden.“

Feß erklärt, es bestehe kein Wiederkaufsrecht der GSW, wenn die Investoren die zugesagte Sanierung nicht umsetzen. „So lange kein erneuter Kaufvertrag vorgelegt wird, besteht auch keine Möglichkeit, die sanierungsrechtliche Genehmigung hierzu zu versagen oder das gemeindliche Vorkaufsrecht auszuüben“, erläutert Feß.

Er betont, dass die Meisterhäuser ein wichtiger Baustein der Modernisierungsstrategie im unteren Wehrden seien. Im direkten Umfeld seien bereits mit der Schiffsanlegestelle, der Saarpromenade und dem Wehrdener Platz erhebliche Vorleistungen – teilweise mit Geld aus der Tourismusförderung des Saarlandes – erbracht worden.

Deshalb gehe die Stadt gemeinsam mit dem Denkmalschutz davon aus, dass die Meisterhäuser ein schützenswerter Bestandteil der Bebauung des Wehrdener Saarufers und des Ortsbildes von Wehrden sind. Feß versichert, dass die Stadt weiter den Kontakt zum Denkmalschutz suchen werde: „Das Thema wird uns weiter beschäftigen.“

Mario Reuter vom Landesdenkmalamt sagt: „Aus denkmalrechtlicher Sicht wurde für die Instandsetzung der Meisterhäuser eine konkrete Maßnahmenbeschreibung mit der Investorengruppe abgestimmt. Es wurden Vorentwurfszeichnungen in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt erstellt und dem Landesdenkmalamt vorgelegt.“ Auf dieser Grundlage sei bereits im April 2017 eine denkmalrechtliche Genehmigung erteilt worden, so Reuter.

Nach seiner Kenntnis wurde seitens der Investorengruppe bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde ein Bauantrag eingereicht, weitere Abstimmungsgespräche mit dem Landesdenkmalamt seien bis jetzt aber nicht geführt worden, erklärt Mario Reuter.