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Kabarett und Corona: Alfons lädt per Videokonferenz zum Gesellschaftsabend

Interview : Alfons allein zuhaus – kann das gutgehen?

Der Gesellschaftsabend Nummer 272 ist der erste, der ohne Publikum stattfindet. Gespräch über ein aus der Not geborenes Format.

Emmanuel Peterfalvi kennen viele nur als den mit starkem französischem Akzent sprechenden „Alfons“. Als solcher moderiert er seit ein paar Jahren den traditionsreichen kabarettistischen Gesellschaftsabend des Saarländischen Rundfunks. Am Samstag wird dieser zum ersten Mal ohne Publikum stattfinden und zum ersten Mal auch nur aufgezeichnet statt live gesendet.

Herr Peterfalvi, der nächste Gesellschaftsabend muss ja ohne Publikum stattfinden: Wie genau machen Sie das?

Peterfalvi: Ich mache es von zuhause aus, die Gäste sind ebenfalls zuhause. Wir nehmen das alles auf. Die Krise zwingt uns dazu, aber wir versuchen, das nicht gezwungen zu machen, sondern etwas Neues zu erfinden. Tina Teubner wird in ihrem privaten Studio sein, keine Ahnung, ob sie zu einem Musikinstrument greift. Ich bin in meinem Arbeitszimmer. Es wird eine Sendung sein, die aus der Not heraus möglichst spontan und kreativ sein wird. Für die Zuhörer wird’s auf jeden Fall etwas sehr Neues. Wir haben uns heute schon mal alle verbunden, um zu gucken, ob die Technik mitspielt. Wir sind per Telefon verbunden, aber wir nehmen alle einen guten Ton auf, damit der Zuhörer keinen Telefonton bekommt. Es wird ein bisschen so wie eine Telefonschalte, wo aber kein Business entschieden wird, sondern wo Kunst vorgetragen wird.

Wieso machen Sie das nicht live?

Peterfalvi: Wegen der Technik. Live scheint ein bisschen unsicher zu sein, da wollen wir auf Nummer sicher gehen.

Wird es nur um Corona gehen oder gibt es noch andere Themen?

Peterfalvi: Die Künstler haben sich gewünscht, Texte aus ihren Repertoires vorzutragen. Deswegen wird es nicht nur um Corona gehen. Wir werden auch ein paar Einspieler haben, weil das guttut, ein bisschen Publikum zu haben und ein paar Lacher zu hören. Aber allein die Form der Sendung sorgt dafür, dass das Thema präsent ist. Es ist verboten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, aber es ist nicht verboten, Kabarett zu machen. Es ist sogar sehr empfohlen.

Wie verarbeitet man so eine Pandemie kabarettistisch?

Peterfalvi: Es gibt wirklich ganz viele Aspekte, da wird eine Sendung gar nicht reichen. Angefangen von der Reaktion der Politiker über die Reaktion der Bürger bis hin zu meinem Thema: Wie machen das die Franzosen, wie machen das die Deutschen, und was ist der Unterschied? Auch das Thema Freiheitsbeschränkung: Ist das sinnvoll, wie lange ist das sinnvoll, wird man zu einer normalen Gesellschaft, wie wir sie kennen, zurückkehren oder nicht? Werden wir politisch gesehen zu chinesischen Verhältnissen kommen? Das sind alles Dinge, wo für Kabarettisten eine Sendung gar nicht reicht.

Welche Gäste erwarten Sie?

Peterfalvi: Also es gibt den Philipp Scharrenberg. Der hat angefangen mit Poetry Slam, hat aber irgendwann entschieden, dass es ihm nicht reicht, also dass er auch andere Formen bedienen will. Er war auch schon mehrmals bei uns zu Gast. Ein wirklich großer Wortakrobat. Es gibt noch Fatih Cevikkollu, der vor kurzem die St. Ingberter Pfanne gewonnen hat. Er hat – wie heißt das so ganz korrekt? – Migrationshintergrund und damit einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Er hat sich sehr viele Gedanken gemacht über die digitale Revolution, die uns im Moment allen hilft, in Kontakt zu kommen. Darüber wird er auf jeden Fall erzählen. Und Tina Teubner, die war das letzte Mal vor ganz vielen Jahren zu Gast. Die kommt endlich mal wieder, da freue ich mich besonders. Sie hat zuhause ein kleines Studio und wird von dort ihren Teil gestalten.

Abgesehen von der Sendung wollte ich Sie aber schon immer mal zwei Sachen fragen!

Peterfalvi: Ja?

Wieso schreiben Sie sich „Alfons“ wie im Deutschen und nicht „Alphonse“ wie im Französischen?

Peterfalvi: Das kam so, als die Figur geboren wurde. Erst da habe ich zum ersten Mal gesehen, wie man Alphonse auf Deutsch schreibt. Für mich sehr straight, genauso wie man’s spricht. Das hat mich sehr begeistert, deswegen wollte ich das so haben. Im Nachhinein ist es ein bisschen unlogisch, aber in dem Moment fand ich es perfekt.

Das andere: Sie sprechen ja eigentlich viel akzentfreier Deutsch als Sie es als Alfons tun. Wie kriegen Sie das auf der Bühne hin?

Peterfalvi: Das ist eben andersrum. Im normalen Leben, wie jetzt zum Beispiel, gibt es etwas, was mich zwingt, meinen Akzent möglichst weit runterzufahren. Auf der Bühne oder vor einem Mikrofon bin ich dann entspannt, da muss ich nicht an meinem Deutsch arbeiten. Tatsächlich ist es so: Wenn ich einen Tag lang so rede wie jetzt, bin ich hinterher fix und fertig.

Der Gesellschaftsabend mit Alfons ist am Samstag, 28. März, 20.04 Uhr auf SR 2 KulturRadio zu erleben.