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Völklinger Hütte hat neuen Generaldirektor: Ralf Beil folgt auf Grewenig

Kostenpflichtiger Inhalt: Neuer Generaldirektor : Ralf Beil ist Nachfolger von Meinrad Maria Grewenig im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) bekennt sich mit der Entscheidung für den Kurator Ralf Beil zu einer nicht-bequemen Persönlichkeit. Beil wird sein Amt am 1. Mai antreten.

Der Kunstkritiker und Kurator Ralf Beil (Jahrgang 1965) ist heute vom Aufsichtsrat des Völklinger Weltkulturerbes zum Nachfolger von Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig bestimmt worden. Beil tritt sein Amt am 1. Mai 2020 an. Auf Grund der Corona-Problematik tagte der Aufsichtsrat erstmals in einer Videokonferenz.

Beil genießt einen ausgezeichneten Ruf, gilt als eigenständige und streitbare Figur. Er leitete bis 2018 das Kunstmuseum Wolfsburg und schied dort im Streit wegen seiner Programmpolitik. Er wurde von der Stiftung Volkswagen freigestellt. Ausschlaggebend war laut Medienberichten eine Meinungsverschiedenheit über eine Auto-kritische Ausstellung („Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“). Der Fall erregte bundesweit Aufsehen.

Meinrad Maria Grewenig. Foto: BeckerBredel

Ralf Beil wurde in Japan geboren und studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie in Freiburg im Breisgau. Von 1990 bis 1998 betätigte er sich als freier Ausstellungskurator und Kunstkritiker (Artefactum, Neue Zürcher Zeitung). 1999 bis 2003 war er Ausstellungskurator und Konservator der Gemälde- und Skulpturensammlung am Kunstmuseum Bern, dann wechselte er ans Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne. Anschließend wurde er Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, bevor er nach Wolfsburg engagiert wurde. Industriekulturelle Projekte hat er bisher nicht umgesetzt.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Foto: picture-alliance/ dpa/Gerhard Kassner

Beil wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem für das Projekt „A House full of Music. Strategien in Musik und Kunst“. Anbei eine Auswahl seiner Ausstellungen und Publikationen: Ilya Kabakov. 50 Installationen (2000), Black Box. Der Schwarzraum in der Kunst (2001), Zeitmaschine. Oder: Das Museum in Bewegung (2002), Künstlerküche. Lebensmittel als Kunstmaterial von Schiele bis Jason Rhoades (2002), Christian Boltanski. Zeit (2006), Andreas Gursky. Architektur (2008), Russland 1900. Kunst und Kultur im Reich des letzten Zaren (2008), Masken. Metamorphosen des Gesichts von Rodin bis Picasso (2009), Gesamtkunstwerk Expressionismus. Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur 1905-1925 (2010), Serious Games. Krieg – Medien – Kunst (2011), Dark Mirror. Lateinamerikanische Kunst seit 1968 (2015), Wolfsburg Unlimited. Eine Stadt als Weltlabor (2016), Im Käfig der Freiheit (2016), This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain (2016), Hans Op de Beeck. Out of the Ordinary (2017), Never Ending Stories. Der Loop in Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte (2017) und Robert Lebeck.1968 (2018).

Der Aufsichtsrat folgte laut Pressemitteilung des saarländischen Kultusministeriums dem Vorschlag der Aufsichtsratsvorsitzenden der Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Diese äußerte sich wie folgt: „Wir haben für die Leitung eine erfahrene und starke Führungspersönlichkeit gesucht, die das Weltkulturerbe konzeptionell neu aufstellt, kurz - einen mutigen Macher.“ Es müssten für das Weltkulturerbe „neue Ansätze entwickelt werden. Dazu braucht es Erfahrung, Mut und die Bereitschaft, groß zu denken.“ Beil sei keine „bequeme“ Wahl: „Aber das ist auch nicht meine Erwartung an den neuen Generaldirektor – im Gegenteil.“

Beil selbst äußerte sich in der Pressemitteilung wie folgt: „(…) Im einstigen Eisenwerk und heutigen Zentrum für Kunst und Industriekultur verdichten sich auf exemplarische Weise Geschichte und Gegenwart von Arbeit und Freizeit, Mensch und Maschine, Individuum und Gesellschaft sowie Natur und Technik. Die Völklinger Hütte ist ein großartiger Möglichkeitsraum für faszinierende Kunst- und Kulturprojekte jenseits des Mainstreams. Verstärken möchte ich in Zukunft die Auseinandersetzung mit Realitäten und Visionen unserer Lebenswelt. Für meine Arbeit als Generaldirektor sehe ich fünf zentrale Tätigkeitsfelder: Generationsübergreifende Ausstellungen und Events auf dem gesamten Weltkulturerbe-Areal, eine intensive Festivalkultur, vertiefte Werksgeschichte, die regionale sowie internationale Vernetzung der Industriekultur und ein immer wieder anders und neu aufleuchtendes Zukunftslabor. Wie kaum ein anderer Ort ist die Völklinger Hütte prädestiniert, neben der Geschichte und Gegenwart auch unsere Zukunft in den Blick zu nehmen – mit Laborcharakter im Hinblick auf nachhaltige Arbeits- und Lebensperspektiven. Wie die Arbeitswelt und das Leben in der Industriegesellschaft der Zukunft aussehen werden, ist insbesondere für das Saarland, das gerade einen erneuten Strukturwandel erlebt, eine höchst aktuelle Frage.“