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Wie Saarbrücker ihren Obdachlosen helfen

Corona-Krise : Wie Saarbrücker ihren Obdachlosen helfen

Um die Corona-Verbreitung zu bremsen, sollen die Saarländer zuhause bleiben. Aber was tun diejenigen, die kein Zuhause haben?

In sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram ist der Hashtag #stayathome in diesen Tagen unter fast jedem Eintrag zu finden. Seit der Allgemeinverfügung der Landesregierung dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur noch aus „triftigen Gründen“ verlassen. Doch was passiert mit obdachlosen Menschen, die schließlich kein Zuhause haben? Für Wohnungslose haben diese Maßnahmen eine noch weitaus größere Tragweite.

Die Durchsetzung der Allgemeinverfügung obliegt den jeweiligen Kommunen. „Die Bestimmungen der Allgemeinverfügung gelten für alle Bürgerinnen und Bürger. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts sind momentan in der Stadt unterwegs, um Passanten zu informieren und die Einhaltung der Allgemeinverfügung zu überprüfen“, teilte der Pressesprecher der Stadt Saarbrücken, Thomas Blug, auf Anfrage mit. Bisher habe das Ordnungsamt aber weder Platzverweise ausgesprochen noch größere Versammlungen aufgelöst.

Unter diesen Umständen sind Obdachlose nochmals mehr auf Hilfe angewiesen. Doch die Wohnungslosenhilfe wird vor große Herausforderungen gestellt.

„Wie viele Menschen befinden auch wir uns gerade in einer schwierigen Lage und sind voll belegt“, sagt der Leiter der Notschlafstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Thorsten Lillig, „wir konnten es einrichten, dass unsere Übernachtungsgäste momentan auch tagsüber hierbleiben können.“ Man achte besonders darauf, dass alle Vorsichtsmaßnahmen und Vorschriften eingehalten werden. „Den reinen Tagesaufenthalt haben wir auf eine Essensausgabe zum Mitnehmen aus dem Awo-SOS-Express heraus vor der Einrichtung umgestellt“, ergänzt er. Welche Konsequenzen ein Corona-Fall in der Einrichtung hätte, sei aktuell unklar.

Das Bruder-Konrad-Haus der Caritas hat ebenso besondere Schritte eingeleitet. „Es greifen im Moment verstärkte Hygienemaßnahmen. Die Besuchsregelungen wurden ausgesetzt und Gemeinschaftsaktivitäten abgesagt. Zum Schutz der Bewohner und Mitarbeiter gibt es weitere Vorkehrungen“, berichtet Einrichtungsleiter Wolfgang Hoefner.

Es gebe noch vier freie Betten im Haus, und man sei jederzeit bereit, jemanden aufzunehmen. „Wir haben ein Quarantänezimmer vorbereitet, doch es ist nicht klar, wie es weitergehen würde, wenn ein Corona-Fall auftritt“, fügt Hoefner hinzu. Man stehe aber im ständigen Austausch mit den Behörden und den anderen Einrichtungen der Obdachlosenhilfe.

Die Aufsuchende Soziale Arbeit der Diakonie Saar ist ebenso weiterhin für die Menschen da. „Ich bin noch auf der Straße unterwegs, und wir versuchen, den Menschen so gut es geht zu helfen. Es geht vor allem darum, sie für die Situation zu sensibilisieren. Zudem gibt es eine Notfallsprechstunde“, erzählt Diakonie-Mitarbeiter Thomas Braun.

Die Herberge zur Heimat der Diakonie hat ebenfalls nach wie vor geöffnet. Man sei auch im Austausch mit der Stadt Saarbrücken, um Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. „Es ist aber insbesondere wichtig, langfristige Lösungen für die Menschen zu finden, falls kurzfristige Hilfe nicht mehr angeboten werden kann“, sagt Braun.

Mit einer Sondergenehmigung der Stadt kann auch „Ingos kleine Kältehilfe“ weitermachen. „Dank der Unterstützung von SPD-Stadtrat Sascha Haas und der evangelischen Kirchengemeinde können wir im Garten der Johanneskirche Essen verteilen. Wir achten bei der Ausgabe sowie bei den Vorbereitungen auf alle vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen wie Abstandsregeln. Daran halten die Gäste sich bisher vorbildlich“, sagt Petra Pabst aus dem Vorstand des Vereins: „Die Situation hat sich für die Menschen nochmals verschlechtert. Wir haben mit 80 bis 90 pro Tag jetzt rund doppelt so viele Gäste.“ Gleichzeitig sei die Spendenbereitschaft gewachsen und die Zahl der Hilfsangebote gestiegen.

Des Weiteren sind die Wärmestube Saarbrücken und der Kältebus noch für bedürftige Menschen da. An der Wärmestube werden zweimal am Tag Essenspakete ausgegeben. Der Aufenthalt in den Räumlichkeiten ist derzeit nicht möglich, es besteht jedoch noch eine Duschmöglichkeit.

Die Helfer des Kältebusses suchen die Obdachlosen auf und unterstützen sie. Die zentrale Anlaufstelle am Busstandort am Römerkastell ist geschlossen.

Da die Saarbrücker Tafel wegen der Coronakrise geschlossen ist, hat die Evangelische Kirchengemeinde St. Johann eine Hilfsaktion für bedürftige Menschen gestartet. Ein Team aus hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden packt sogenannte Care-Pakete. Sie werden ab Freitag, 27. März, zweimal wöchentlich, jeweils dienstags und freitags von 12 bis 14 Uhr im Kirchgarten der Alten Evangelischen Kirche (Evangelisch-Kirch-Straße) verteilt. Die Pakete enthalten Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel.

Unter Achtung des Sicherheitsabstandes von zwei Metern dürfen maximal fünf Personen den Kirchgarten durch den Eingang in der Fass-Straße betreten. Die Menschen, die ein Care-Paket haben möchten, müssen wie bei der Tafel nachweisen, dass sie bedürftig sind.

Und seit Montag gibt es noch eine weitere Möglichkeit, um für Bedürftige und Obdachlose etwas zu spenden – ohne dass man dabei auf Sicherheitsabstand achten muss. Am Zaun des Gartens der Johanneskirche haben Bewohner des Nauwieser Viertels eine Sammel- und Verteilstelle für Lebensmittel, Hygieneartikel, wärmende Kleidung und Tierfutter eingerichtet. An diesem „Spendenzaun“ funktioniert Geben und Nehmen trotz Kontaktverbots. Wer helfen will, kann Spenden an den Zaun hängen – und zwar in einer transparenten Tüte, damit der Inhalt von außen zu sehen ist. Auch hier gilt es, die Hygiene zu beachten. Ein Schild verweist darauf, dass nicht jede Tüte angefasst werden soll und dass Lebensmittel vorher gründlich gewaschen werden sollen. Bei Facebook schreibt die Initiative Nauwieser Viertel , dass es in Malstatt an der St. Josefs Kirche einen weiteren Spendenzaun gebe.