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Wald
Waldarbeiter wehren sich gegen Angriffe

Waldarbeit ist anstrengend und mitunter gefährlich. Problematisch sind aber auch verbale und körperlich Angriffe von anderen Menschen im Wald, beklagt der Bund deutscher Forstleute. 
Waldarbeit ist anstrengend und mitunter gefährlich. Problematisch sind aber auch verbale und körperlich Angriffe von anderen Menschen im Wald, beklagt der Bund deutscher Forstleute.  FOTO: dpa / A3399 Arne Dedert
Saarbrücken. Bund deutscher Forstleute sieht seine Mitglieder zu Unrecht in der Kritik. In Saarbrücken und Umgebung werde gute Arbeit geleistet. Von Martin Rolshausen

Kindern, denen man Angst machen will, erzählt man mitunter, dass im Wald böse Menschen sind. In den vergangenen Monaten wurde das nicht nur Kindern erzählt. Und die bösen Menschen waren und sind in diesen Schauergeschichten Menschen, die im Wald arbeiten. Das beklagt zumindest der Bund deutscher Forstleute. In einem Brief an die Fraktionen im Saarbrücker Stadtrat beklagt der Verband  „die Diskussion bezüglich der negativen Bewertung der Arbeit unserer Kollegen im Staatswald rund um die saarländische Landeshauptstadt“.


„Bedauerlicherweise“ werden „Fachbegriffe wie beispielsweise Kahlschlag zur Skandalisierung verwendet“, bedauert der Berufsverband. Alle Waldbesitzer würden von Kritikern der Waldwirtschaft außerdem gleichgesetzt. Der Kahlhieb sei laut saarländischem Waldgesetz verboten. Und die Kollegen seien gesetzestreu, betont ihr Verband. Sie gehen, schreibt Verbands-Chef Michael Weber, „nach bestem Wissen und Gewissen ihrer Arbeit nach“. Dass solche Waldarbeiter den Vorwurf, sie würden Kahlschlag betreiben, als „Unverschämtheit“ bezeichnen, sei „nachzuvollziehen“.

Die psychische Belastung, die die Arbeit im Wald mit sich bringe, habe in den vergangenen Jahren „dramatisch zugenommen“. „Die Angriffe reichen von verbalen Beleidigungen über Anspucken bis hin zu körperlichen Gewaltanwendungen“, heißt es im Brief an den Stadtrat. Dass sich Menschen, die im Wald unterwegs sind, durch zeitweilige „Einschränkungen bei der Waldbenutzung durch forstwirtschaftliche Maßnahmen oder Verkehrssicherung belästigt fühlen“, könne der Verband nachvollziehen. Weber bittet aber die Politik, um Verständnis zu werben. Dass es bei Arbeiten im Wald zu Wegsperrungen kommt, diene letztlich auch der Sicherheit der Waldbesucher. „Im Alltag begegnen wir ständig Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise der Absicherung von Baustellen, die das gleiche Ziel verfolgen: die Sicherheit der Bevölkerung“, schreibt Weber. Das sei auch im Wald so.



Die Arbeiter handeln im Wald auch nicht nach Lust und Laune. Was zum Beispiel im saarländischen Staatswald passiert, werde durch periodische Betriebs- und jährliche Wirtschaftspläne vom Landtag beschlossen und von der obersten Forstbehörde kontrolliert.

Die Kolleginnen und Kollegen „bewirtschaften den Wald im Rahmen von Zertifizierungsvorschriften und einer sehr strengen, ökologisch ausgerichteten Waldbaurichtlinie“, betont der Verband. „Wir haben seit Jahren Programme für Biotop- und Totholz, mehr als zehn Prozent des Landeswaldes sind aus der Nutzung genommen, seit Jahrzehnten durchforsten wir nicht mehr flächig und befahren den Wald mit Gassen, die durchschnittlich 40 Meter Abstand zueinander haben“, erklärt Weber.

Dass das Holz vermarktet wird, sei selbstverständlich. Der Wald habe neben der Schutz- und Erholungsfunktion auch eine Nutzfunktion. Weber: „Unsere Gesellschaft braucht Holz, ob in Form von Papier, Fußböden, Möbeln oder als Energieholz. Wenn bei uns dieser Rohstoff nicht mehr aus nachhaltiger Forstwirtschaft bereitgestellt wird, dann versorgt sich die Industrie eben aus anderen – teilweise fragwürdigen – Quellen. Wir würden nie behaupten, frei von Fehlern zu sein, aber wir praktizieren hier vor Ort nachhaltige Forstwirtschaft auf einem hohen ökologischen Niveau.“ Nicht ohne Grund habe der Naturschutzbund den Saarforst 2013 „für seine vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet“.

Die Kritik und der Unmut – sowohl von der Bevölkerung als auch von Kommunalpolitikern – seien deshalb bedauerlich. „Dass man teils persönlichen Anfeindungen in Medien und offenen Briefen ausgesetzt ist, ist ein Zustand, den wir so nicht hinnehmen können“, schreibt der Verband. Interessierte Bürger sollten sich direkt an die zuständigen Revierleiter wenden. Die Revierleiter seien bereit, alle Fragen zu klären. Man könne miteinander reden, statt übereinander Geschichten zu erzählen.