Wärmestube kämpft für ihre Leute

Die Saarbrücker Wärmestube hat es geschafft, Menschen, die bisher auf der Straße lebten, eine Perspektive zu geben. Durch neue Regelungen der Arbeitsagentur ist das Erfolgsmodell in Gefahr.

Stephan Manstein macht sich Sorgen. Um die Wärmestube, dessen Trägerverein er als Vorsitzender leitet. Und um Manuela, Susanne, Dirk, Manjeet und Alexandra. Die Fünf sind "Stützen" der Wärmestube, sagt Stephan Manstein. Manuela, Susanne, Dirk, Manjeet und Alexandra helfen den Wohnungslosen, deren Zuflucht die Wärmestube ist, beim Wäschewaschen. Sie kochen Mittagessen, machen sauber.

"Alles, was so anfällt", wie es Manuela formuliert. Sie ist 45 Jahre alt. Wenn sie diesen Job hier verliert, da macht sie sich keine Illusionen, dann muss sie wieder von Hartz IV leben. Denn Manuela und die anderen vier sind sogenannte Bürgerarbeiter. Das heißt: Sie bekommen von der Arbeitsagentur 1080 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge etwa 700 bis 800 Euro, sagt Manstein. Weil das zu wenig ist, um würdig zu leben, legt der Wärmestube-Verein noch 500 Euro drauf pro Monat.

Was Manstein und seinen Vorstandskollegen nun Sorge macht, ist, dass die Arbeitsagentur das Modell Bürgerarbeit im Oktober kommenden Jahres beenden will. Die Bürgerarbeiter "waren zunächst Gäste unserer Einrichtung und haben im Laufe der letzten Jahre die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um durch eine geregelte Beschäftigung wieder selbst für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen", sagt er. Die bezahlten Helfer seien auch für die anderen Gäste "ein Signal, dass es durchaus Möglichkeiten und Perspektiven gibt, Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Leben zu entwickeln".

"Ganz einfach ist das nicht. Beziehungsquatsch, Suchtprobleme - man kriegt halt alles mit", sagt Uwe. Uwe ist 50 und hat einiges durchgemacht im Leben. Die Arbeit in der Wärmestube, die er als Gast schon seit dem Winter 1995/1996 kennt, ist ihm wichtig. "Der Rhythmus ist wichtig. Sonst hängen wir zu viel auf der Straße rum", erklärt er. Der Wärmestube-Verein will die Mitarbeiter nicht aufgeben. Das Geld für die fünf Helfer, die wissen, was für die Besucher der Wärmestube wichtig ist, ohne Hilfe der Arbeitsagentur zu bezahlen, ist im Etat des Vereins aber nicht drin. Rund 60 000 Euro zusätzlich braucht der Verein dafür, hat Manstein ausgerechnet. Der Verein will also kämpfen. "Wir werden uns einerseits gemeinsam mit anderen dafür stark machen, dass es eine Weiterführung dieser bewährten Maßnahmen geben wird. Parallel dazu werden wir uns darum bemühen, durch die Einwerbung von zusätzlichen Spenden eine Weiterbeschäftigung unserer Bürgerarbeiter zu ermöglichen", kündigt Manstein an.

Wer helfen möchte, wendet sich an Wärmestube-Leiter Wolfgang Gottschalk, Tel. (06 81) 4 16 35 29