Er liebt die Kunst und Baukultur

Er kämpft regelmäßig gegen Bausünden an historischen Gebäuden und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Für diesen Einsatz hat die Bundesrepublik Joachim Güth nun besonders geehrt.

Der Verdienstorden ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik an Bürger verleiht, die sich durch politische, soziale, karitative oder geistige Leistungen um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Joachim Güth ist in Saarbrücken bekannt dafür, sich unermüdlich für die ortsbildprägende, historische Bausubstanz einzusetzen. Für dieses herausragende ehrenamtliche Engagement zugunsten der saarländischen Kulturlandschaften erhielt er kürzlich aus der Hand der Staatssekretärin im Ministerium für Bildung und Kultur, Andrea Becker, das Bundesverdienstkreuz (die SZ berichtete).

"Ich war sehr überrascht, denn ich wusste nichts davon, dass ich für den Verdienstorden vorgeschlagen wurde", erzählt Joachim Güth gerührt. Ihn, den die Bürger von vielen Beiträgen aus den saarländischen Medien als unbequemen und kämpferischen Menschen mit einer deutlichen Sprache kennen, wenn es um Bausünden und den unsachgemäßen Umgang mit historischen Bauten geht, wird ganz leise. "Ich habe mich innerlich sehr gefreut. Denn das ist eine Anerkennung für meine Arbeit, mit der ich nicht gerechnet habe", sagt er. Der Anstoß dazu kam von Stefan Weszkalnys, ehemaliger Ministerialrat im Kultusministerium. In einem Brief an die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bat dieser, Joachim Güth für den Verdienstorden vorzuschlagen. Da Stefan Weszkalnys Joachim Güth schon lange kennt, konnte er auch dessen Lebensweg genau aufzeigen. Joachim Güth war Kfz-Meister, erst auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte er Abitur und Studium der Geographie. Danach wurde Joachim Güth wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Landeskunde, arbeitete nebenher auch als Reiseleiter und Fremdenführer. Seine Führungen, unter anderem für den Verein Geographie-ohne-Grenzen, sind für viele Teilnehmer unvergesslich. Nicht nur, dass er durch genaue Sachkenntnis, gesammelte Dokumente und eigene Fotografien seinen Führungen ein wissenschaftliches Fundament gab, auch seine manchmal derben Worte und seine Rage über falsche Baumaterialien an historischen Gebäuden sind unvergessen. "Ich musste eben immer meine Meinung sagen, sogar schon als Lehrling am ersten Arbeitstag", erklärt er seine Emotionen.

Daneben engagierte er sich auch als Gutachter und Berater bei Bürgerversammlungen zu Dorfsanierungen, saß in Preisgerichten von Wettbewerben, sammelte Tausende von historischen Karten, Dias oder Abbildungen, die er auch zur Verfügung stellt. Sein altes, verwinkeltes Wohnhaus in St. Johann, das an die alte Stadtmauer gebaut wurde, ist gefüllt mit Bildern, Fotos und Dokumenten - und mit viel originaler Bausubstanz. Heute kann Joachim Güth keine Führungen mehr machen. Seit Herbst 2009 muss er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten und verbringt viel Zeit in seinem alten Bauernhaus in Hoste, Lothringen. Das hat er mit seiner Frau Gisela 1972 als Ruine gekauft und - für ihn selbstverständlich - behutsam und originalgetreu restauriert. Das Feld hinter dem Garten des Bauernhauses hat Joachim Güth als Arboretum, als Baum-Park, angelegt. Seit diesem Sommer ist das Arboretum auch für die Öffentlichkeit zugänglich - eine schöne Geste des neuen Trägers des Bundesverdienstkreuzes.