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Regionaler Literaturpreis für ein Werk ohne Bezug zur Region

Saarbrücken

Saarbrücken. Das passte wie die Faust aufs Auge: angloamerikanische Popmusik aus Filmen wie "Blues Brothers" oder "Ein Offizier und Gentleman" zur Umrahmung der Verleihung eines regional verwurzelten Literaturpreises? Die professionelle Darbietung des Gunni-Mahling-Show-Ensembles, das in kleiner Besetzung mit vier Vokalisten und Vokalistinnen angerückt war, war tadellos - doch mutete der Show-Auftritt absurd an, als am Montag im großen Saal des VHS-Zentrums der 12. Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis verliehen wurde. Der Preis wird alljährlich im Gedenken an die literarische Arbeit und das Engagement von Hans-Bernhard Schiff ausgelobt für Werke, die inhaltlich oder über die Person des Autors in engem Bezug zur Saar-Lor-Lux-Region stehen.


Diesen Bezug sucht man allerdings vergeblich im Beitrag von Preisträger Ullrich Schäfer (Foto: Oliver Dietze), der aus über 60 Einsendungen aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und sogar den USA zum Gewinner gekürt wurde, spielt seine Erzählung "Die Straße" doch in Italien. Immerhin entsprach sie dem Motto "Manchmal steht die Zeit still"; ebenso Edith Günther-Marx' im Saarland angesiedelter Text "Mai 1945", für den die Autorin einen Anerkennungspreis erhielt. Ullrich Schäfer wurde 1953 in Saarbrücken geboren; der gelernte Dekorateur lebte längere Zeit als Bauer in Ligurien (in dieser Zeit entstand auch "Die Straße"), machte nach seiner Rückkehr ins Saarland eine Ausbildung zum Ergotherapeuten, studierte an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar und führt heute eine ergotherapeutische Praxis in Saarbrücken.

Edith Günther-Marx, Jahrgang 1967, stammt aus Saarlouis und lebt in Wadern. Nach einer kaufmännischen Ausbildung absolvierte sie ein Studium der Germanistik und Anglistik an der Saar-Uni und arbeitet heute als Studienrätin für Deutsch und Englisch am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach. Die Jury, hier vertreten durch die Laudatoren Alena Wagnerova und Jens Ewen, lobte die Dichte, poetische Qualität, Metaphorik und Ausstrahlung des Textes von Schäfer. Der trug nicht selbst vor, sondern überließ dies Wagnerova. Den Beitrag von Günther-Marx befand man wegen der "sehr kunstvoll gearbeiteten Erzählsituation" und der "mustergültigen Verbindung von Form und Inhalt" für förderungswürdig. Den Preis verlieh, in Vertretung der Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Saarbrückens Kulturdezernent Erik Schrader. Das Preisgeld in Höhe von 5000 und 1000 Euro wurde gestiftet von Sponsoren und von Hans-Bernhard Schiffs Sohn Joachim.



Dieser steuerte am Beispiel von Einsteins Relativitätstheorie humorige Überlegungen zum Stillstand der Zeit bei und versprach, dass es eine 13. Ausgabe des Preises geben werde - obwohl doch sein Vater extrem abergläubisch gewesen sei. kek