Letzter Rettungsversuch für Botanischen Garten?

Nach dem Aus des Botanischen Gartens in Saarbrücken hat sich der Wissenschaftsausschuss des Landtags mit dem Thema befasst. Die Grünen fordern, die Pflanzen zu erhalten – bis zur nächsten Landtagswahl.

Der Botanische Garten an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken am Donnerstag (16.03.2016).Location:Saarbrücken. Foto: Becker&Bredel

. Die Grünen-Fraktion will in der Landtagssitzung in der kommenden Woche erneut versuchen, den seit dem 1. April geschlossenen Botanischen Garten an der Saar-Uni zu retten. "Wir wollen beantragen, das Winterschlaf-Modell des ehemaligen Gartenleiters Wolfgang Stein zu übernehmen", sagte der Grünen-Abgeordnete Michael Neyses nach der Sitzung des Wissenschaftsausschusses.

Dieses "Winterschlaf-Modell" sieht vor, dass der Garten quasi eingemottet wird: bis zu den Landtagswahlen in einem Jahr. "Wenn sich dann neue Mehrheiten für die Regierungsbildung ergeben, kann der Fortbestand des Botanischen Gartens in einen Koalitionsvertrag geschrieben werden", sagte Neyses. Aus dem Wissenschaftsausschuss sei verlautet, dass andere Botanische Gärten in Deutschland die Pflanzen aus Saarbrücken wohl doch in Obhut nehmen werden. Diese hatten sich zunächst geweigert. Auch, um keinen Präzedenzfall zu schaffen für weitere Schließungen von Botanischen Gärten. Der Schutz vieler Pflanzen im Saarbrücker Botanischen Garten ist durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt, das auch von Deutschland unterzeichnet ist. "Offenbar hat es jetzt Druck seitens der Hochschulrektorenkonferenz auf die anderen Botanischen Gärten gegeben, die Saarbrücker Pflanzen zu übernehmen", sagte Neyses.

Die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Barbara Spaniol , erklärte: "Der einzige wissenschaftliche Schau-, Lehr- und Erlebnisgarten im ganzen Saarland hatte nicht nur eine große Bedeutung für die Umweltbildung der Schüler. Er war auch für die universitäre Lehre wichtig, wie die Stellungnahme der biologischen Fakultät jetzt bestätigt." Professor Jörn Walter vom Zentrum für Human- und Molekularbiologie habe im Ausschuss dargelegt, dass das Aus des Gartens eine sehr negative Wirkung auf die Sichtbarkeit der Biologie im Saarland und im Bundesgebiet haben werde, so Spaniol.

Wie die SZ aus zuverlässiger Quelle an der Saar-Uni erfuhr, steht nach dem Wegfall der vom Botanischen Garten erbrachten Dienstleistungen auch der Lehramtsstudiengang Biologie auf der Kippe. Etwa 20 Spitzenkräfte (hoher NC) haben bisher jedes Jahr dort studiert. Nach SZ-Informationen hat der Fakultätsrat wegen Geldmangels bereits die Einstellung des Lehramtsstudiengangs beschlossen.