Entwarnung im Gondwana-Kampf

Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl wollte 3,9 Millionen Euro vom Land, er fühlte sich übervorteilt. Die Richter sahen das gestern komplett anders. Land und Kuhl wollen nun zurück an den Verhandlungstisch, um eine dauerhaft tragfähige Lösung für die Urzeit-Erlebniswelt in Reden zu erarbeiten.

Es ist keine Rede mehr von Insolvenz oder Schließung. Auch nicht davon, die zweite oder gar dritte Instanz anzurufen. Die Pressemitteilung, die Gondwana Invest gestern nach der krachenden Niederlage vor der sechsten Zivilkammer des Saarbrücker Landgerichts rausschickte, las sich so, als habe es das Säbelrasseln der vergangenen Monate nie gegeben. Wie eine Einladung an die Landesregierung zum gemütlichen Plausch, um zu einer "einvernehmlichen, wirtschaftlich vernünftigen Lösung" der derzeitigen Streitfragen zu finden und eine "dauerhaft tragfähige und erfolgreiche Fortentwicklung des Standortes Reden " zu entwickeln.

Dabei geht es um Millionen. Das Land wollte bekanntlich von Gondwana Invest 1,2 Millionen Euro ausstehende Pacht für die auf landeseigenem Gelände errichtete Erweiterung des Parks, Gondwana II. Investor Matthias Michael Kuhl, Rechtsanwalt in Dresden, erhob Widerklage über 3,9 Millionen Euro : Die Verträge seien rückabzuwickeln, weil sittenwidrig, das Land betreibe Wucher, Politiker hätten ihn mit falschen Zusagen übervorteilt. Keinen einzigen dieser Vorwürfe sahen die Richter bestätigt. In ihrem Urteil finden sich interessante Passagen, unter anderem zum unternehmerischen Risiko: Erfüllten sich Gewinn-Erwartungen eines Pächters nicht, so "verwirklicht sich damit das typische Risiko", heißt es. Und: Mündliche Zusagen von Politikern etwa über infrastrukturelle Verbesserungen am Standort oder finanzielle Hilfen hätten keine Vertragskraft, sondern seien nur "Willens- und Absichtserklärungen".

Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD ) wertet das Urteil als "eindeutige Bestätigung unserer Rechtsposition". Man habe nun eine gute Basis, um mit Kuhl eine Fortführungslösung zu finden. Auf Spekulationen, ob die Gondwana Invest den Forderungen überhaupt nachkommen kann oder ob Kuhl und seinem Geschäftspartner - sollte das Land Vollstreckungsmaßnahmen einleiten - womöglich die Privatinsolvenz droht, will Barke sich nicht beteiligen. Herauszuhören ist, dass das Land durchaus, wie bei anderen Unternehmen in Not, zu Kulanz-Lösungen bereit ist. Wobei Barke von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Kuhls ausgeht. Er bestreitet zugleich nicht, dass Kuhl offensichtlich privates Geld in den Betrieb nachschießen musste.

Barke erhofft sich nun aufgrund des Urteils die von Kuhl zugesicherte Bücher-Einsicht, um feststellen zu können, ob sich der Gondwana-Park überhaupt trägt. Für den Staatssekretär, der von Beginn an klare Kante demonstriert hatte, bleibt die zentrale Linie: "Wir haben nichts zu verschenken."

Und wie lautet die Kernbotschaft des Gondwana-Chefs? Er will in Reden bleiben. Dies schließt auch nach seiner Auffassung "die Aufnahme regelmäßiger Pachtzahlungen durch die Gondwana Invest ein, zu deren Leistung ich bei Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen und geklärter Rechtsverhältnisse durch das Land immer bereit war und nach wie vor bin". Einerseits klingt das so, als wolle Kuhl die 1,158 Millionen Euro Pacht-Rückstand seit 2013 (plus acht Prozent Zinsen) unverzüglich zahlen, andererseits macht er dies von einem neu zu definierenden Rechtsrahmen abhängig. Er will also neue Konditionen, womöglich eine weitere Stundung. Das klingt, als würde das Thema auf der politischen Agenda bleiben.

Meinung:
Rückkehr zur Vernunft

Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl muss zwar zahlen, möchte aber trotzdem in Reden bleiben, wo er viel persönliches Engagement investiert hat. ArchivFoto: Andreas Engel. Foto: Andreas Engel

Von SZ-RedakteurinCathrin Elss-Seringhaus

Das Land hat vor Gericht triumphiert, politisch steht eine Lösung für das Dauerproblem-Thema Gondwana noch aus. Niemand weiß, ob der Urzeit-Park überhaupt wirtschaftlich zu betreiben ist und, wenn nicht, woran es liegt. Dass dies nun auf der Basis des gestrigen Urteils mit dem Investor leichter zu klären sein wird, ist eine gute Sache. Das Land steht dabei, anders als es der Rechtsstreit vermuten lässt, ganz auf der Seite des Investors und kann durchaus Hilfestellungen leisten. Vorausgesetzt, Matthias Michael Kuhl stellt Transparenz her. Denn kein Politiker hat Interesse daran, Gondwana Invest oder gar Kuhl persönlich in die Insolvenz zu treiben und einen Märtyrer zu schaffen. Negative Schlagzeilen hatte das Land durch Gondwana genug.