Im Einsatz für Omar

Wenn er bis dahin wieder stark genug ist, wird der junge Omar aus dem Sinai in ein paar Monaten eine neue Niere bekommen. Dass es trotz sehr schwieriger Umstände überhaupt so weit kommt, hat er zum großen Teil einer engagierten Frau aus Spiesen zu verdanken.

Eigentlich war Tanja Reinheimer aus Spiesen im Sommer 2013 aus beruflichen Gründen in Ägypten unterwegs. Im Rahmen eines ethnologischen Projektes reiste sie zu Beduinen-Stämmen in den Süd-Sinai, um deren Geschichten aufzuschreiben und zu übersetzen. In einem kleinen Dorf mit gerade mal elf Häusern traf sie dann auf Omar und seine Familie. "Mir ist Omar sofort aufgefallen. Mit dem bisschen Englisch, das er in der Schule gelernt hatte, hat er sofort versucht, mit mir zu kommunizieren", berichtet Reinheimer von den ersten Begegnungen. Nach ein paar Tagen merkte sie aber, wie schwer es dem Jungen fiel, lange zu stehen und mit seinen vier Brüdern zu spielen. Der Grund: Der Zwölfjährige leidet an einer chronischen Niereninsuffizienz . Eine Transplantation sei geplant gewesen, erzählte Omars Vater Mahmoud. Aber dann kam die Revolution und machte die Pläne zunichte.

Tanja Reinheimer flog zurück nach Europa, doch das Schicksal des Jungen ließ ihr keine Ruhe. Vom Saarland aus versuchte sie, Hilfe für Omar zu mobilisieren. Um die von ihm täglich benötigten, aber nicht mehr vorhandenen Kinderkatheter nach Ägypten zu schicken, nahm sie Kontakt zu mehreren Krankenhäusern und gemeinnützigen Organisationen auf. Doch es kam nicht viel dabei heraus, vor allem Absagen. Bis die Vereine "Opus Viofloro" und die Dillinger "Initiative Hilfe für Einzelschicksale" ihre Spendenkonten zur Verfügung stellten, damit Menschen Omar unterstützen können. "Als Privatperson darf ich weder Spenden sammeln, noch Quittungen ausstellen", erklärt Tanja Reinheimer, warum dieser Schritt so wichtig war. Und so machte sie sich im Januar mit den ersten Spenden wieder auf dem Weg zu Omar. Mit diesem Geld konnte der Junge operiert werden, damit er zumindest keinen Katheter mehr braucht. Doch noch am Tag der OP wurde Omar entlassen und nach Hause geschickt, wo sich sein Zustand dermaßen verschlechterte, dass er nichts mehr essen konnte. In der Wüste Sinai gibt es keinen Kinderarzt, den man einfach besuchen kann. Also fuhren Tanja Reinheimer, Mahmoud und Omar zwölf Stunden zurück zur Kinderklinik nach Kairo. Auch dort setzten Reinheimer und Maria Reicher, eine andere deutsche Helferin, wieder alle Hebel in Bewegung, damit Omar erneut ins Krankenhaus eingewiesen wurde und dort ein Antibiotikum bekam.

Seinen Appetit und seine Lebensfreude hat Omar nun wiedergefunden. Jetzt muss er noch Kräfte sammeln, damit sein Vater ihm in zirka fünf Monaten eine Niere spenden kann. Das hofft Tanja Reinheimer bei ihrem nächsten Besuch im Herbst erleben zu dürfen.

Durch ihr unermüdliches Engagement hat die Spieserin Omar wahrscheinlich das Leben gerettet. Doch sie selbst sieht sich nicht als Heldin: "Hier haben wir alles und merken nicht mal, wie gut es uns geht. Der Junge ist mir so ans Herz gewachsen, ich will ihm einfach nur helfen."

Wer Omar helfen will, kann auf das Konto der Dillinger Hilfe für Einzelschicksale e. V. spenden, Kontonummer 224 507 772, BLZ 593 501 10 bei der Kreissparkasse Saarlouis, Stichwort "Omar".

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