Heimat kann viele Gesichter haben

Saarbrücken. Die Glocken des benachbarten Kirchturms. Der Fußballverein. Oder das saarländische Essen. Heimat kann viele Gesichter haben. Das versuchte jetzt Kinder- und Jugendbuchautor Manfred Theisen jungen Leuten zu vermitteln. Theisen war in der siebten Klasse der Förderschule In den Grasgärten in Saarbrücken-Rockershausen zu Gast

Saarbrücken. Die Glocken des benachbarten Kirchturms. Der Fußballverein. Oder das saarländische Essen. Heimat kann viele Gesichter haben. Das versuchte jetzt Kinder- und Jugendbuchautor Manfred Theisen jungen Leuten zu vermitteln. Theisen war in der siebten Klasse der Förderschule In den Grasgärten in Saarbrücken-Rockershausen zu Gast.

Der gebürtige Kölner arbeitete früher als Zeitungsredakteur, ehe er sich aufs Schreiben von Büchern konzentrierte. Pro Jahr bringt Theisen ein Buch heraus. Auch sein zuletzt erschienenes Werk "Der Koffer der Adele Kurzweil" handelte von Heimat, Thema ist eine aus Südfrankreich vertriebene jüdische Familie. Bei der Lese-Initiative "Wasserkästen für Bücherkisten", die von der Firma Hochwald-Sprudel finanziert wird, veranstaltet der 47-Jährige Heimat-Workshops. "Auch die Schule kann eine Heimat sein. Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß", sagt der Rheinländer.

Vor seinem Besuch sollten die Schüler eine Hausaufgabe machen. "Jeder sollte einen Gegenstand mitbringen, der in seinen Augen für Heimat steht", erklärte Klassenlehrerin Ursula Peters. Ein Ehering vom Vater, die türkische Fahne oder eine Playstation waren einige der Gegenstände. Nawal Ashai, 13, hatte eine Teekanne mitgebracht. "Die Kanne bedeutet Heimat für mich. Da machen wir, wenn wir Gäste haben, den Tee drin", sagte Nawal, deren Eltern aus Marokko stammen.

Sarah Theobald, 14, gefallen in ihrem Heimatort Püttlingen zum Beispiel "die Pferde". Und Janosch Kunert, 12, meinte über Riegelsberg: "Es ist zwar langweilig, aber es gefällt mir dort, weil hier meine Freunde sind." Später schrieben die Kinder Texte über ihre Gegenstände. Überraschend für den Autor war an dieser Schule, dass viele Begriffe mit Menschen und nicht mit der Landschaft oder anderem zu tun hatten.

Theisen, der mit dieser Aktion schon zehn Schulen im Saarland und Rheinland-Pfalz besucht hat, hakte aber immer wieder nach. "Was ist an deiner Gegend gut, was gefällt dir? Was bindet dich an den Stadtteil? Oder worauf seid ihr in Eurer Heimat stolz?", wandte sich der vierfache Vater an die Klasse. Und er spielte den Schülern zur Veranschaulichung ein so genanntes "Kanakenlied" einer Gruppe vor, die über ihr Viertel rappte. Außerdem arbeitete Theisen unter anderem mit einem Märchen oder einem Gedicht von Goethe, in dem es um eine Blume geht, deren Wurzeln nicht abgeknickt werden sollen. Zudem bekam die Klasse auch noch eine Bücherkiste.

Fazit des Ganzen: Wer seine Heimat mag, respektiert vielleicht auch die Heimat anderer mehr, wird hoffentlich selbstsicherer und toleranter.