Gedankenspiele um ein Serra-Werk

Saarbrücken. Um Gedankenspiele, die Serra-Plastik "Torque" auf den Verkehrskreisel am Ludwigsberg zu verlagern, ging es bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses

Saarbrücken. Um Gedankenspiele, die Serra-Plastik "Torque" auf den Verkehrskreisel am Ludwigsberg zu verlagern, ging es bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Ausgangspunkt war die Anfrage des Bezirksrats Mitte an das Kulturamt, ob man nach dem Vorbild der beiden Kreisel auf dem Eurobahnhofsgelände, die in diesem Jahr zwei Sailstorfer-Plastiken erhalten, nicht auch den Kreisverkehr am Ludwigsberg und den neu entstehenden an der Grülingsstraße mit Kunst gestalten könne. Dafür sieht das Kulturamt jedoch kurz- bis mittelfristig mangels Geld keine Möglichkeiten, wie der zuständige Mitarbeiter Rudolf Schmitt darlegte. Der Etat 2010 für Kunst im öffentlichen Raum sei vollständig verplant, die Etats der kommenden Jahre wegen der Haushaltskonsolidierung fraglich. Den Kreisel an der Grülingsstraße mit Kunst zu bestücken, sei auch deshalb problematisch, weil der für Schwertransporte komplett überfahrbar bleiben müsse. Der Ludwigskreisel verlange wegen seiner Größe und Lage als "Einfallstor zur Stadt" wiederum nach einem "größeren, außergewöhnlichen Kunstwerk". Mit vorgeschaltetem Wettbewerb koste das mindestens 150 000 Euro, so Schmitt.Seltene EinigkeitVon der alten Idee des Grünamts, auf der Insel einen Lindenhain anzulegen, war hier keine Rede. Die FDP machte den Vorschlag, eine vor der Schillerschule stehende Metallskulptur von Gertrude Reum an den Ludwigskreisel zu versetzen. Die aus Saarbrücken stammende Künstlerin sei bereit, die Skulptur der Stadt zu schenken. Für den großen Kreisel sei die Skulptur zu klein, befand der Ausschuss. Umso mehr Anklang fand der Hinweis des FDP-Sachverständigen Bernd Reutler, die gewichtigste Skulptur der Stadt, Serras "Torque" stehe auf dem Uni-Campus außerhalb des Blickfelds der breiten Öffentlichkeit und werde dort vor allem als Pissoir und Graffiti-Fläche geschätzt. Warum sie nicht auf den Ludwigskreisel umsetzen, "als neues Wahrzeichen der Stadt", lautete der nach eigenem Bekunden eher ironisch gemeinte Vorschlag Reutlers - für den sich der Ausschuss dann in seltener Einigkeit begeisterte. "Torque" habe die richtige Dimension, im Umfeld von Eisenbahn und Schleifmühle sei Stahl das passende Material und sie könne dort den Endpunkt der saarländischen Serra-Skulpturen-Route bilden, die die Stadt Dillingen plant. Außer Acht ließ der Ausschuss, dass "Torque" auf der Verkehrsinsel entgegen der Intention Serras nicht mehr begehbar wäre. Und noch ein weiteres nicht ungewichtiges Hindernis steht den Überlegungen im Wege: Die Skulptur ist Eigentum der Saar-Universität. Bevor man mit dieser in Verhandlungen tritt, soll zunächst die Kunstkommission über die Idee beraten.