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Hebammen sehen Hausgeburt in Gefahr: Sorgen um zu hohe Haftpflichtprämien nicht ausgeräumt

Saarbrücken. Welche Ausschlusskriterien sollen gelten, wenn Frauen ihre Kinder zu Hause zur Welt bringen wollen? Weil es bisher keine Einigung mit den Kassen gibt, haben die Hebammen die Verhandlungen unterbrochen. Ute Kirch

Eine Geburt im vertrauten Zuhause könnte bald der Vergangenheit angehören. Das befürchteten die saarländischen Hebammen bei ihrer Landestagung vergangenen Samstag in Saarbrücken . Denn der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) fordert in den aktuellen Verhandlungen mit den Hebammenverbänden Ausschlusskriterien für Hausgeburten - für Geburtshäuser gelten solche Qualitätsstandards seit 2008. "Wir sind natürlich für Qualität, aber die Ausschlusskriterien sind bisher nicht wissenschaftlich belegt", sagte die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), Martina Klenk. Etwa das Kriterium, dass der errechnete Geburtstermin nicht um mehr als zwei Tage überschritten werden darf. Dabei sei dies nichts Ungewöhnliches und die Hälfte der Schwangeren davon betroffen. Geht es nach den Hebammen , soll es neben absoluten Ausschlüssen wie bei Geburtshäusern "weiche Ausschlusskriterien" geben, wo im Einzelfall abgewogen werden müsse. Sollte sich die GKV durchsetzen, müssten Frauen in Kliniken entbinden, wenn sie wollen, dass die Krankenkasse die Kosten von rund 700 Euro übernimmt. Fraglich ist auch, ob Hebammen dann noch bereit wären, Hausgeburten anzubieten. Denn bei Komplikationen würde die Kasse die Haftpflichtversicherung der Hebamme in Regress nehmen.

Der DHV hat daher im Februar vorübergehend die Verhandlungen abgebrochen, am 10. März soll es jedoch weitergehen. "Die GKV nimmt sich heraus, die Wahl des Geburtsortes zu bestimmen. Die Einschränkung ist ein No Go und bevormundet und entmündigt die Frauen . Das ist anmaßend", sagte Klenk.

Nach Angaben der Vorsitzenden des Saarländischen Hebammenverbandes, Andrea Dansoko, entscheiden sich im Saarland - wie im Bundesschnitt auch - nur etwa zwei Prozent der Frauen für eine Hausgeburt. Derzeit bieten nur noch vier der etwa 250 Hebammen im Saarland Hausgeburten an. "Es handelt sich zwar nur um eine kleine Gruppe Frauen , aber auch die vertreten wir", sagt Dansoko. Ihre Befürchtung: Geben die Hebammen in diesem Punkt nach, seien weiteren Ansprüchen der GKV Tor und Tür geöffnet.

Da noch keine Einigung erzielt wurde, müssen die Hebammen auf die eigentlich für 1. Februar vorgesehene Vergütungserhöhung von fünf Prozent warten - diese ist an die Zustimmung zu den Ausschlusskriterien gekoppelt. Offen ist somit auch, ob der geplante Sicherstellungszuschlag, der Hebammen , die vergleichsweise wenige Geburten betreuen, bei der immer höher werdenden Haftpflichtprämie entlasten soll, ab Juli in Kraft treten kann. Ab Juli wird die Haftpflichtprämie für freiberufliche Hebammen um 23 Prozent ansteigen und dann bei 6274 Euro liegen (im Jahr 2004 waren es noch 1352 Euro). Viele Hebammen geben deshalb ihren Beruf auf. Es gibt in Deutschland nur noch eine Gruppenhaftpflichtversicherung für Hebammen - diese läuft Ende Juni 2016 aus. Danach ist die Versicherungssituation noch ungeklärt. "Wir lassen uns nicht erpressen", stellte Klenk klar.

Die Landesregierung stehe hinter der Forderung, die Zukunft der freiberuflichen Hebammen zu sichern und eine Lösung für die Haftpflichtproblematik zu finden, sagte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU ). Die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) forderte eine Initiative des Saarlandes zugunsten der Hebammen in Berlin.