Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit im Straßenverkehr

Saarbrücken. Wer als Radfahrer von einem Auto ausgebremst wird, zum Beispiel in Saarbrücken, der kann der Person am Steuer den Mittelfinger entgegenrecken. Mit Sicherheit bringt das dem Radfahrer für den Moment Erleichterung. Vielleicht folgt aber auch, wenn der Gescholtene aus dem Wagen steigt, ein Streit, der noch Jahre Anwälte beschäftigt und Dauerstress verursacht

Saarbrücken. Wer als Radfahrer von einem Auto ausgebremst wird, zum Beispiel in Saarbrücken, der kann der Person am Steuer den Mittelfinger entgegenrecken. Mit Sicherheit bringt das dem Radfahrer für den Moment Erleichterung. Vielleicht folgt aber auch, wenn der Gescholtene aus dem Wagen steigt, ein Streit, der noch Jahre Anwälte beschäftigt und Dauerstress verursacht. Am Ende werden beide Seiten zu überlegen haben: "War es das wirklich wert? Haben wir uns da nicht in etwas Unsinniges hineingesteigert, anstatt tief durchzuatmen und die Sache auf sich beruhen zu lassen?" Die Verhaltenstrainerin Dagmar Schubert-Strube aus Bübingen hat am Dienstagabend bei einem Vortrag in Saarbrücken ein Plädoyer für mehr Gelassenheit im Alltag gehalten, speziell im Straßenverkehr. "Nicht in missionarischer Absicht", wie sie ausdrücklich sagte, sondern als "Einladung zum Überlegen: Lohnt sich das Losstürmen wirklich?" Die Antwort: Es lohnt sich nicht, weil man sich nachher selten besser fühlt, sondern sich Gegnerschaft aufbaut. Das nagt von Neuem. Auf den ersten Blick schwer, bei klarer Betrachtung aber doch vorteilhafter: Ehe ich den anderen zu ändern versuche, was ich sowieso nicht schaffe, ändere ich lieber meine Einstellung zu ihm und zu den Dingen. Dagmar Schubert-Strube hielt den Vortrag auf Einladung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), der Verbraucherzentrale und der Stadtbibliothek vor gut zwei Dutzend meist leidgeprüften Radlern. Einige baten um Verständnis, dass sie zu "Fehlverhaltern" werden. Mit charmanter Nachdrücklichkeit warb die Referentin dennoch dafür, belastende Gedanken zu "den Autofahrern" zu meiden. Auch für Radler lohne es sich, Wartezeiten an Ampeln für Gedankenreisen zu nutzen und öfter zu lächeln. Frusterlebnisse sollten später notiert und an den ADFC geschickt werden.