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Friedhöfe in Saarbrücken
Neue Grabanlagen auf Saarbrücker Friedhöfen

Auf dem Hauptfriedhof sind neue Gräber geplant.
Auf dem Hauptfriedhof sind neue Gräber geplant. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Das Grünamt der Landeshauptstadt plant mehr oberirdische Grabkammern und Urnenwände und reagiert so auf die veränderte Bestattungskultur. Von Andreas Lang

Auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof wird eine weitere Anlage mit Oberirdischen Grabkammern für Körperbestattungen errichtet, auf dem Altenkessler Fiedhof wird es bald eine weitere Urnenwand geben. Von beiden Bauvorhaben der seit einigen Jahren zum Saarbrücker Grünamt gehörenden Friedhofssparte nahm der zuständige Ausschuss des Stadtrates zur Kenntnis. In beiden Fällen ohne Diskussion.


Während bei der ersten Baumaßnahme mit der dann dritten Anlage für oberirdische Körperbestattungen vor allem auf die Bestattungskultur der hier ansässig gewordenen Italiener reagiert wird, liegt das Altenkessler Vorhaben genau im Trend, den der neue Friedhofsentwicklungsplan als Grund für eine Veränderung der hiesigen Bestattungskultur nennt. Denn immer mehr Saarbrücker verfügen, nach dem Ableben eingeäschert und in einer Urne beigesetzt zu werden.

Im Entwicklungsplan wird diese Entwicklung aus wirtschaftlicher Sicht beleuchtet. „In der Landeshauptstadt Saarbrücken gibt es einen wachsenden Überschuss an Friedhofsflächen.“ Konkret seien das rechnerisch insgesamt 46 Hektar. Einer der Gründe dafür sei die Tatsache, dass immer mehr Menschen Feuer- statt Körperbestattungen bevorzugen. Inzwischen entscheiden sich in Saarbrücken nur noch 25 Prozent für eine Körperbestattung, 75 Prozent dagegen für eine Urnenbestattung. Das Zahlenverhältnis habe sich im Laufe der Jahre genau umgekehrt.



Auch auf die genannten gesamtgesellschaftlichen Veränderungen geht das Konzeptpapier ein: „Der Familienzusammenhalt innerhalb eines Wohnorts löst sich zunehmend auf, viele Menschen müssen zum Beispiel aus beruflichen Gründen aus ihrer Heimat weg- oder mehrmals im Laufe ihres Lebens umziehen.“ Grabpflege werde dann häufig als Last empfunden. In Saarbrücken sei die Nachfrage nach Gräbern, die keine Pflege erfordern, in den vergangenen fünf Jahren um 77 Prozent gestiegen. Die bundesweite Abschaffung des Sterbegelds der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2005 habe die Beerdigungskosten für viele Familien wieder in den Fokus gerückt. Strategisch wirkt sich das auf die Stadt so aus: „Laut Friedhofsentwicklungsplan ist vorgesehen, wenig genutzte Grabarten zu reduzieren oder entfallen zu lassen, Laufzeiten zu vereinheitlichen und die Gebührenstruktur zu vereinfachen. Darüber hinaus gibt es für jeden der 22 Friedhofsstandorte ein flächenbezogenes Grobkonzept.“

Auch andere Wünsche der Gesellschaft finden sich im Plan wieder. „Auf allen Friedhöfen soll es ein Basis-Angebot geben, das durch individuelle Angebote wie muslimische Gräber, Waldgemeinschaftsgräber oder oberirdische Grabkammern ergänzt wird. So will die Landeshauptstadt auch weiterhin eine preisgünstige Alternative zu privaten Anbietern gewährleisten und neue günstige Angebote schaffen.“