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Streik in Saarbrücken
Städtische Arbeiter wollen mehr Geld

Beim Kommunalen Entsorgungsbetrieb ZKE war am Freitag die zentrale Kundgebung der Gewerkschaft Verdi.
Beim Kommunalen Entsorgungsbetrieb ZKE war am Freitag die zentrale Kundgebung der Gewerkschaft Verdi. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, ließ die Gewerkschaft Müllabfuhr und Bürgerämter bestreiken. Von Becker & Bredel

Verdi, die Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes, hat am Freitag in der Landeshauptstadt Saarbrücken die Müllabfuhr und alle vier städtische Bürgerämter und die Bauhöfe lahmgelegt. Auch das städtische Grünamt wurde bestreikt. Der Ausstand dauerte nur einen Tag, es war ein Warnstreik. Die Gewerkschaft will Druck machen, weil in der anstehenden Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes von Arbeitgeberseite noch kein Angebot gemacht wurde.


Die zentrale Kundgebung der Gewerkschaft fand in der Fahrzeughalle des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebs (ZKE) in der Malstatter Schillstraße statt. Dort standen alle Müllautos in Reih’ und Glied, die Mülltonnen in Saarbrücken wurden nicht geleert.  Rund 200 Mitarbeiter von ZKE und vom Bauhof der Gemeinde Heusweiler lauschten der Rede von Bernd Schumann, dem Personalratsvorsitzenden der Stadtverwaltung und Verdi-Funktionär.

Die Gewerkschaft will sechs Prozent mehr Lohn, in den niedrigen Lohngruppen aber mindestens 200 Euro. Diese 200-Euro-Forderung sei das zentrale Anliegen des aktuellen Arbeitskampfes, erklärte Schumann. Der Grund: In den niedrigen Lohngruppen der Arbeiter hätten viele Bedienstete längst Probleme, mit dem wenigen Geld über die Runden zu kommen. Viele müssten zu der ohnehin harten Arbeit Nebenjobs annehmen oder aufstocken. „Die Müllwerker bewegen in jeder Schicht Müll im Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten. Das ist schwere Arbeit. Die muss sich lohnen“, sagte Schumann und erhielt Beifall der Beschäftigten.

Die Bürgerinnen und Bürger würden die Arbeit der Müllabfuhr sehr wertschätzen, die Politiker aber nicht. Mit dem Warnstreik wolle man sich Gehör verschaffen, denn man habe nicht den Eindruck, dass die Arbeitgeberseite die Forderungen ernst nehme. Zum Teil werde mit Privatisierung gedroht.

700 Bedienstete von ZKE, Bürgerämtern, Friedhöfen, Werkstätten, Stadtreinigung, Müllabfuhr und Bauhöfen arbeiteten am Freitag nicht. Thomas Drexler (52), Müllwerker, findet das gut: „Als alleinerziehender Vater bin ich bei Wind und Wetter unterwegs. Uns hat man viele Zulagen gestrichen. Jetzt muss mal etwas getan werden. Ich habe Kollegen, die arbeiten zusätzlich als Pizzafahrer oder bei der Post“, sagt er. Das Geld reiche einfach nicht für die Familien. Das bestätigt Oliver Knapp (40). Er hat den vierten Zeitvertrag in Folge, fiebert der Verlängerung entgegen und will unbedingt bei der Müllabfuhr bleiben. „Bei den Kindern sind wir mit unseren großen Autos die Helden“, schildert er seine Situation. Er sei gerne Müllwerker, die Lohnforderung sei aber angemessen. Er arbeite bei jedem Wetter und mit hoher Unfallgefahr für runde 1600 Euro. Da sei die Gewerkschaftsforderung nicht unverschämt. Harald Harrer (57) sieht es als Vater von vier Kindern genau so. Er ist Straßenkehrer. Seit 31 Jahren ist er dabei, es macht ihm Spaß. „Nur wenn Gebühren erhöht werden, spüren wir Missmut. Ansonsten sind die Menschen sehr nett zu uns. Aber es gibt Kollegen, die sammeln die Pfandflaschen aus dem Müll, um das Frühstück zu bezahlen. Das sollte nicht sein“, findet er.