Elmar Federkeil über das Konzert-Aus am Wasserwerk Simschel und andere Fragen

Musiker-Leben : Lücke im Völklinger Konzertsommer

Mitorganisator Elmar Federkeil geht die Absage der Konzerte am Wasserwerk nahe. Der Szenekenner erzählt, wie schwer es generell ist, etwas auf die Bühne zu bringen. Das gefährde sogar Großveranstaltungen.

Veranstalter und Musiker tun sich oft schwer miteinander, wenn unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Die Gagen variieren sehr stark und reichen vom kleinen Betrag aus dem Spendenhut bis zum vierstelligen Betrag. Künstler, die von den Auftritten leben müssen, treffen auf solche, die die Musik als Hobby betreiben und somit weniger hohe Ansprüche haben.

Der Schlagzeuger Elmar Federkeil ist seit Jahren als Musiker und Organisator von Live-Ereignissen im Geschäft. Nun musste er die von ihm mitgestaltete Konzertreihe am Wasserwerk Simschel in Völklingen absagen. „Mein Herzblut hing an der Reihe, meine Hausaufgaben waren schnell erledigt, und alles hätte gut laufen können, doch leider gibt es Dinge, die ich nicht beeinflussen kann“, schrieb er auf Facebook.

Am Telefon möchte sich Federkeil nicht weiter dazu äußern: „Ich will da jetzt nicht mehr nachtreten.“ Natürlich sei er nicht begeistert, sondern sehr enttäuscht, aber das sei ja verständlich. Darüber, wie es allgemein so läuft und wo häufig die Probleme zwischen Veranstaltern und Musikern liegen, gibt er aber gern Auskunft. „Zum einen unterschätzen Veranstalter und Gastronomen ganz oft, was für ein Aufwand hinter einer Live-Veranstaltung steckt. Es muss Technik vor Ort sein, es muss ein Soundcheck gemacht werden können, die Musiker brauchen einen Backstage-Bereich, sie wollen was zu essen, sie wollen Getränke, sie wollen ihre Gage in bar.“

Das andere Thema sei die Werbung. „Oft denken Veranstalter, die sei nicht so nötig, es laufe praktisch von allein.“ Das sei aber eine krasse Fehleinschätzung. Bevor Federkeil neulich mit einer Band in Zweibrücken-Ernstweiler spielte, habe eine Agentur dem Veranstalter genau erzählt, was zu tun war: Plakate an der Straße und in den Geschäften, Banner an viel befahrenen Ausfahrten, Flyer, Hinweisschilder auf das Event.

Das Ergebnis: „Da kamen beim ersten Mal 1200 Leute.“ Er selber habe sich eine so genannte Fanbase über Facebook aufgebaut, also eine große Gruppe von Menschen, die Federkeils Aktivitäten verfolgt.

Veranstalter, die das nicht haben, aber meinen, wenn sie ein Konzert auf Facebook posten, sei das genug an Werbung, erlebten oft eine Bauchlandung. Außerdem hätten einige Veranstalter falsche Vorstellungen von den Gagen.

Ein Problem sei aber auch, dass Bands für ganz unterschiedliche Gagen auftreten. Wenn ein Veranstalter beispielsweise 1200 Euro für eine Band bezahlt habe und sieht, dass diese am folgenden Wochenende im Biergarten für viel weniger Geld aus dem Spendenhut auftritt, dann sei er verständlicherweise angesäuert.

Natürlich sieht der Profimusiker auch Defizite auf Seiten der Bands. Diese seien oft zu faul, ein Konzert auf Facebook zu posten oder mal eine Mail an alle Freunde zu schicken. „Die Zeiten haben sich geändert, du musst einfach aktiv sein und die Leute zu einer Live-Veranstaltung locken.“

Federkeil nimmt außerdem wahr, dass Live-Konzerte häufig von Menschen seines Alters, er ist 53, besucht werden. Jüngere Leute hörten zwar gern mal ältere Songs, zu den Konzerten gingen sie aber eher nicht.

 Er habe schon Kritiker gehört, die bei Stadtfesten die Qualität der Bands bemängelten. Da werde einfach zu viel gespart.

Seiner Meinung nach sind Stadtfeste denn auch ein Auslaufmodell. In zehn Jahren werde es sie in dieser Form nicht mehr geben, glaubt Federkeil. „Es liegt daran, dass die Veranstalter immer das Gleiche machen. Die gleichen Bands, die gleichen Stände. Die Leute von den Kulturämtern gehen den Weg des geringsten Widerstands. Mit wenig Aufwand machen die Programm. Da muss eine Stadt auch mal umdenken und kreativer sein.“

Dass das jüngste Saarbrücker Altstadtfest das Motto „Woodstock“ hatte, empfindet Elmar Federkeil als positiv. Er gibt aber zu bedenken, dass es noch konsequenter hätte umgesetzt werden müssen. Aber dass dieses Ereignis zur gleichen Zeit wie das Neunkircher Stadtfest stattfand, dafür hat der Musikszene-Kenner nur einen Kommentar: „Irre.“

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