Treffpunkt für Bürger, Fürsten und Kaiser

Wo haben schon Kaiser und Fürsten verweilt? Wo spielen die hiesigen Franzosen Boule, und wo blüht die Kultur? Rund um den Nanteser Platz erleben die Saarbrücker Vergangenheit und Gegenwart besonders intensiv.

Warum ich so gern am Nanteser Platz lebe? Da gibt's viele Gründe. Nummer. eins: Er liegt so praktisch. Ruck, zuck ist man mitten in der Stadt, ob per pedes oder mit dem Rad. Im Theater oder beim Einkaufen. Und das Auto bleibt zu Hause. Grund zwei ringt eigentlich mit Grund eins um die Vorherrschaft: Hier kann man überall in Saarbrücker Geschichte baden. Da hat mal der Kaiser übernachtet, da haben schöne Damen unsere Grafen und Fürsten becirct, da haben in den engen Gässchen frühmorgens die Frauen die Nachtpötte aus dem Fenster gekippt - Kanalisation gab's ja noch nicht.

Grund drei: Kulturell ist - fast - immer was los. Besonders jetzt, im Sommer. Da tobt ja buchstäblich der Bär, und es ist unmöglich, alles wahrzunehmen, was einem sozusagen vor der Haustür präsentiert wird.

Dann ist da aber noch ein wichtiger Punkt - nämlich der Platz selbst. Vom Fenster aus hab ich ihn immer vor der Nase. Gut, da war viel Krawall, als er neulich saniert wurde. Aber das vergisst man jetzt schnell, nachdem die Platanen wieder in Laub gehüllt sind. Und genießt's: Klein-Frankreich in Saarbrücken, Boule-Spieler. Dazu noch der hübsche Blumenschmuck, vorbildlich gepflegt - klasse.

Aber die Krönung sind die drei Kirchtürme, einer schöner als der andere. Ich könnte sie alle drei vom Fenster aus umarmen: rechts die Schlosskirche. Wissen Sie noch, liebe Leserinnen und Leser, wie 2006 das Türmchen, diese im Krieg zerstörte "welsche Haube", ohne die wir so viele Jahrzehnte auskommen mussten, mit Hilfe eines Hubschraubers wieder draufgepropft wurde? Dann, vor meiner Nase, die Friedenskirche, die irgendwann ja auch mal das erste Saarbrücker Gymnasium beherbergt hat. Und links die Ludwigskirche. Gut, die sehe ich zurzeit kaum. Zu viele Bäume davor. Aber ab Spätherbst - Ausgleich für die dann fehlenden Blätter - wird der Turm sich wieder zeigen.

Und was man hier sonst noch alles tun kann: die Reste der Stadtmauer suchen. Durch die "Altneugass" übers Kopfsteinpflaster stolpern, Gässchen so winzig und schmal - und mir vorstellen, wie hier Männer in Uniform auf Pferden geritten sind, klapp-klapp-klapp. Vielleicht kamen auch Grafen und Fürsten?

Dann sind da die Treppchen, das Brunsgässje zum Beispiel, über das, so heißt es, die AltSaarbrücker Jungs zum Feiern nach Hause gegangen sind - und das sie dabei eben als Klöchen benutzt haben. Sollen. Wenn das stimmt, dann haben sie besonders respektlos gehandelt - dann haben sie nämlich das Denkmal der Königin Luise besudelt, das heute, trotz seiner stattlichen Größe, an der Altneugasse so unbeachtet vor sich hindümpelt.

Was gibt's noch in der Nähe? Das Rätsel um das Grab von Friedrich Joachim Stengel, Saarbrückens prägendem Barock-Baumeister zum Beispiel, und gegenüber das älteste Saarbrücker Lokal. Man kann gut essen in der Gegend, auch originell - sogar australisch. Und neben vielen Leerständen und all den Shisha-Bars findet man auch wieder zunehmend nette kleine Lädchen.

Also kurz und gut: Hier will ich nicht mehr weg.